Argument

Tiere sind auch Fleischfresser. Sollten Menschen daher Fleisch essen?


Die Beschäftigung mit einer veganen Lebensweise führt bei Nicht-Veganern häufig zu einer Abwägung zwischen den unterschiedlichsten Argumenten. Schnell tauchen immer neue Argumente auf, die den Fleischverzehr rechtfertigen sollen. Darunter auch das Argument, dass Fleischessen natürlich sei, da ja auch Tiere Fleisch fressen. Wenn Tiere Fleisch fräßen, sei es also auch natürlich, wenn der Mensch Fleisch isst.

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Die Natur als Argument ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits basiert Nachhaltigkeit auf einer naturnahen Handlungsweise und wir täten gut daran, in vielen Bereichen natürlicher zu leben. Andererseits kennt die Natur keine Moral. In der Natur herrscht das Recht des Stärkeren. Und zwar nicht aus einer Art brutalen Moral, sondern schlicht, weil abstraktes Denken und die Fähigkeit zur Selbstreflektion (wohl) nur den Menschen möglich sind.

Ein Löwe klassifiziert eine Gazelle nicht erst als "Nutztier" um sie dann - nach mehrtägigem Transport - im Schlachthof töten zu lassen und ihr Fleisch im Supermarkt einzukaufen. Ein Löwe handelt einfach, und reißt die Gazelle, ohne nachzudenken.

Der Mensch hingegen vergisst seine Fähigkeiten zur Selbstreflektion in seiner Argumentation recht schnell - zumindest, wenn es ihm eine "moralische" Rechtfertigung für bestimmte Handlungsweisen gibt. Einerseits beharren viele Menschen auf ihrem (ganz unnatürlichen) "Recht", Auto fahren zu dürfen, eine Schule zu besuchen oder im Supermarkt einzukaufen. Andererseits beziehen sich viele Menschen beim Fleischverzehr auf die brutalen "Regeln" der Natur, beziehen sich darauf, dass "wir ja auch Tiere sind". Diese Denkweise wirkt oft etwas absurd, ist dabei aber nicht ungefährlich.

Urmensch auf der Jagd
Auch unsere entfernten Vorfahren konnten ihre Handlungen wohl nicht reflektieren.
Bild: dkuhne1976 - Fotolia.com

Ganze Genozide wurden verübt, weil Menschen sich auf natürliche Selektion bezogen haben. Wer sich im zwischenmenschlichen Kontakt auf das "Recht des Stärkeren" bezieht und deshalb Vergewaltigungen oder Morde verübt, gilt in der Gesellschaft als Soziopath. Das Argument, dass Vergewaltigungen und Tötungen auch in der Natur stattfänden, würde wohl kein Richter gelten lassen. Eben weil Menschen die Fähgkeiten haben, ihr Handeln zu reflektieren. Wohl aus diesem Grund lesen Sie auch diesen Artikel über die Frage, ob Menschen als Teil der Natur nicht auch Fleisch essen "dürften". Sie reflektieren Ihre Argumente. Hätten Sie diese Fähigkeit nicht, hätten Sie jetzt womöglich schon, ohne nachzudenken, Ihren Hund verspeist.

Die Natur sollte in vielen Bereichen ein Vorbild sein, ganz besondere beim nachhaltigen Umgang mit Ressourcen. Als moralisches Vorbild taugt die Natur nur begrenzt - schließlich ist Natur nicht selbstreflektiert oder bewusst. Die Natur gibt keine Anweisungen und erteilt keine Verbote. Natur ist einfach. Der Fleischverzehr des Menschen hingegen basiert heute zu einem großen Teil auf Verdrängung. Einfach deshalb, weil die systematische Ausnutzung von Tieren (Zucht, Mast, Transport und Schlachtung) für viele Menschen schwer mit ihrer Fähigkeit zur Empathie und Selbstreflektion zu vereinbaren wäre. Die meisten Fleischesser suchen daher immer weiter nach Argumenten, die ihre Angewohnheiten rechtfertigen (siehe karnistische Ideologie). Das Argument, dass Tiere ja auch Fleisch fräßen, kann dazu leider nicht dienen.


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Argumente rund um Veganismus:

Kommentare

Chuk
Kommentar #2 05.02.2017, 09:39 Uhr
@robert Nein, es ist schlichtweg die Entscheidung, das Tier nicht zu essen, womit das "Recht des Stärkeren" verworfen und mit reflektieren Überlegungen ersetzt wird.

robert
Kommentar #1 07.09.2016, 17:17 Uhr
Auch Vegan ist das Recht des Stärkeren. Der Stärkere Veganer hat sich entschieden das Tier nicht zu essen. Das Recht des Stärkeren ist immer die letze Instanz ob uns das gefällt oder nicht.

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