Was ist der Unterschied zwischen Tierschutz und Tierrechten?

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Tierrechtler fordern auf einer Demonstration eine vegane ErnährungTierrechtler fordern auf einer Demonstration eine vegane Ernährung
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Bei der industriellen Massentierhaltung sind sich Tierschützer und Tierrechtler weitgehend einig: Es ist schrecklich! Und doch gibt es große Unterschiede zwischen den Forderungen nach mehr Tierschutz und dem Einsatz für Tierrechte.

Wo die Unterschiede zwischen Tierschutz- und Tierrechtsarbeit liegen und was Tierschützer und Tierrechtler gemeinsam haben, erfährst du in diesem Artikel.

Tatsächlich haben Tierschützer und Tierrechtler vieles gemeinsam und es ist schwer, eine exakte Grenze zwischen Tierschutz und Tierrechtsarbeit zu ziehen. Dazu kommt, dass die einzelnen Organisationen und Initiativen ganz unterschiedliche Strategien und Ziele verfolgen.

Und doch gibt es auch große Unterschiede und heftige Diskussionen zwischen Tierschützern und Tierrechtlern. Darüber, wie Tieren wirklich geholfen werden kann.

Es beginnt schon dabei, dass Tierschützer sich in der Regel auf eine Auswahl bestimmter Tierarten konzentrieren.

Sie engagieren sich zum Beispiel für Meerschweinchen in Not oder demonstrieren für Reformen in der Tierhaltung. Dafür, dass Gänse nicht mehr gerupft werden, oder dass Hühner etwas mehr Platz in den Käfigen erhalten. Viele Tierschutzorganisationen nehmen die Tötung von "Nutztieren" aber durchaus in Kauf.

Für Tierrechtler wäre dies undenkbar.

Die klassische Arbeit von Tierschützern besteht also in erster Linie darin, Tieren direkt und unmittelbar zu helfen. Sie aufzupäppeln, ihre Wunden zu versorgen und sich für eine "artgerechte" Haltung einzusetzen.

Tierrechtler hingegen lehnen kommerzielle Tierhaltung grundsätzlich ab. Für sie gibt es keine Unterscheidung zwischen "Nutztier" und "Haustier".

Beim Begriff der Tierrechte muss man unterscheiden zwischen dem, was Juristen, Anwälte und Richter als "Tierrecht" bezeichnen, und dem, was innerhalb der Tierrechts-Szenen unter "Tierrecht" verstanden wird. Letzteres (von dem hier die Rede ist) ist wie eine Art Grundrecht zu verstehen, das jedem Tier zusteht und auch in der Rechtssprechung Berücksichtigung findet.

Ein Vergleich von Tierrechten mit den Menschenrechten wäre falsch, denn soweit gehen die wenigsten Tierrechtler. Eine Grundforderung besteht darin, Tiere vor Quälerei und vorsätzlicher Ausnutzung zu schützen und ihnen dies als "Grundrecht" zuzugestehen.


Viele Tierrechtler waren und sind im Tierschutzbereich aktiv, empfinden eine generelle Forderung nach Tierrechten aber konsequenter als den Einsatz für eine "verbesserte" Art der Tierausnutzung, bei der ja nach wie vor Tiere gequält und getötet werden.

Für Tierrechtler macht es keinen Unterschied, ob eine Katze zu Hause oder ein Rind in der Massentierhaltung leidet. Daher leben die meisten Tierrechtler vegan. Sie möchten vermeiden, dass durch ihre Lebensweise Tiere unnötig leiden müssen. Die Benachteiligung von leidensfähigen Lebewesen aufgrund der Art wird als "Speziesismus" bezeichnet. Mehr dazu erfährst du hier.

Tierrechtler engagieren sich daher oft in der Bildungs- und Aufklärungsarbeit. Sie werben für die Vorteile einer veganen Ernährung und setzen sich dafür ein, die Ursachen für systematische Tierquälerei zu beheben.

Auch viele Tierschützer leben vegan und die Übergänge zwischen Tierschutz- und Tierrechtsarbeit sind (wie oben schon gesagt) fließend. Die Mehrzahl der Tierschützer in den großen Tierschutz-Organisationen geht bislang jedoch nicht so weit, auch das eigene Verhalten zu verändern, um Tieren unnötiges Leid zu ersparen. "Nutztiere" werden von vielen Tierschützern schlicht ausgeklammert.


Bis heute gibt es sogar Tierheime, in denen beim Tierheimfest Wurst aus Massentierhaltung verkauft wird. So werden Tiere gequält, um mit den Einnahmen andere Tiere zu schützen. Oft findet man sogar in den Vorständen Jäger und Tierhalter, die sich für den Schutz bestimmter Tierarten einsetzen, andere Tiere aber starken Qualen aussetzen.

Für Tierrechtler ein absoluter Widerspruch. Für sie ist es selbstverständlich, auch das eigene Verhalten zu ändern, um nicht selbst zu Tierquälerei beizutragen. Tierschützer werden von Tierrechtlern daher manchmal ein bisschen schnippisch als "Kuscheltierschützer" bezeichnet.

Dennoch gibt es auch Tierrechtler, die sich für den Schutz einzelner Tiere einsetzen. So kann ein Mensch auch allgemein Schutzrechte für Tiere fordern, und sich dennoch speziell für Meerschweinchen einsetzen. Und es gibt auch Themenbereiche, in denen man sowohl Tierschützer als auch Tierrechtler antrifft.

Auf Demonstrationen gegen Pelz, Zirkustiere oder Tierversuche findet man besonders oft Tierschützer und Tierrechtler. Bei Protesten gegen die Erzeugung von Tierprodukten wie Fleisch, Milch und Eier findet man dagegen praktisch nur Tierrechtler.


Wenn es darum geht, Tierleid zu verhindern, gehen Tierrechtler einen großen Schritt weiter als Tierschützer. Sie fordern die Beendigung industrieller Tierhaltung, nicht bloß eine Anpassung der Ausbeutung. Dafür ernten sie mitunter den Vorwurf, nicht realpolitisch zu arbeiten.

Im Alltag findet man meistens einen Mix aus Tierschutz- und Tierrechtsarbeit. Beides lässt sich auch wunderbar miteinander vereinbaren. Die praxisbezogene Tierschutzarbeit, bei der Tieren direkt geholfen wird, und die eher theoretische Aufklärungsarbeit der Tierrechtler, die das System der Tierquälerei durchbrechen möchte.

Autor: Kilian Dreißig
4,8/5 Sterne (19 Bew.)

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Tierrechte / Tierschutz - wo ist der Unterschied?
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Letzter Beitrag: 09.01.2020, 08:16 Uhr


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