Töten Veganer wirklich mehr Tiere als Fleischesser?

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100% Weidehaltung kommt in Deutschland so gut wie nicht vor.
Bild: pixabay.com


In den Weiten des Internets findet man alle möglichen Behauptungen rund um eine vegane Lebensweise. Eine davon lautet, Veganer würden mehr Tiere töten als Fleischesser. Grund dafür sei, dass für den maschinellen Anbau von Obst und Gemüse, sowie durch die Ausbringung von Ackergiften, unzählige Kleintiere wie Insekten oder Kleinsäuger getötet würden.
Also mal Hand aufs Herz: Sind Fleischesser womöglich die wahren Tierschützer?

Immer wenn wir Artikel finden, die in dieses Argumentationsmuster passen, werden wir genau an eine Sache erinnert: Dass Fleischessen heutzutage zutiefst ideologisch ist. Menschen, die sich als kritische Geister verstehen, verwenden bei diesem Thema plötzlich Argumente, die fadenscheinig und konstruiert sind.

Ist es also unwahr, dass für Veganer mehr Tiere getötet werden als für Fleischesser?

Die Argumentation, dass für Veganer mehr Tiere sterben würden als für Fleischesser, beruht auf einem simplen rhetorischen Trick. Die Rede ist dabei nämlich von "bewussten Fleischessern", die ausschließlich Fleisch von Rindern aus Weidehaltung verzehren. Und von Veganern, die Obst und Gemüse aus industriellem Anbau essen, bei dem sowohl Maschinen als auch Spritzmittel zum Einsatz kommen.

Fleisch aus reiner Weidehaltung ist in Deutschland schlicht eine Fiktion. Denn bereits eine Fütterung mit Heu zählt nicht mehr zur Weidehaltung, da Heu ebenfalls maschinell geerntet wird, wodurch ebenfalls Tiere getötet werden.

Und warum essen die Veganer in dem phantasievollen Vergleich eigentlich nicht handgepflücktes Obst und von Hand geerntetes Gemüse?

Weil es ein ideologischer, wirrer, wertloser Vergleich ist, wie ihn Rabulisten in Talkshows verwenden, um Verbrauchern Fleisch aus industrieller Massentierhaltung als "natürliches Stück Lebenskraft" anzupreisen.

Schein-Argument als Nebelleuchte

Ziel einer solche Schein-Diskussion ist, dass nur eine wesentliche Botschaft hängen bleibt: Fleisch essen würde Tiere schützen. Das ist zwar offensichtlich absurd, aber auch typisch für eine Ideologie.

An dieser Stelle könnte die Diskussion beendet sein. Denn das Märchen von den Fleischessern, die weniger Tiere töten als Veganer, ist nichts weiter als eine rhetorische Nebelleuchte.

Denn in Deutschland kommen heute beinahe 100% des Fleisches aus industrieller Massentierhaltung. Von Tieren, die mit Kraftfutter gefüttert werden, das z. B. aus Soja oder Getreide produziert wird. Denn "Nutztiere" sind längst Nahrungskonkurrenten des Menschen. Für ein Kilo Fleisch werden - je nach Tierart - etwa 10-15 Kilo Futter benötigt. Davon werden 90% von den Tieren zu Gülle und Wärme umgewandelt. Während andernorts Menschen verhungern.

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Würde auf Anbauflächen direkt Obst, Gemüse und Getreide angebaut, bräuchte man weniger Energie, weniger Landflächen, weniger Ackergifte, weniger Transporte und so weiter. Es könnten mehr Menschen satt werden - und die Gefahr des Aussterbens der Menschheit würde deutlich verringert werden (mehr als 15.000 Wissenschaftler warnen seit Jahren eindringlich davor!).

Der "Verzicht" auf Tierprodukte reduziert die Öko-Bilanz der eigenen Ernährung mitunter um 80 Prozent, oder mehr. Und genau das tun Veganer. Nicht perfekt, aber sie töten dadurch deutlich weniger Tiere als Fleischesser. Und schon gar nicht aus Vorsatz. Logisch.

Wenn man einmal davon ausgeht, dass Fleischesser ausschließlich und wirklich ohne Ausnahme Fleisch aus Weidehaltung verzehren (und auch kein Gemüse und Obst), während Veganer weiterhin das gespritzte und maschinell geerntete Gemüse und Obst aus konventionellem Anbau verzehren, dann kann es schon sein, dass für diese Art der pflanzlichen Ernährung mehr Tiere sterben.

In dieser abstrakten Phantasie-Welt könnten Veganer dann aber auch gleich auf handgeerntetes Gemüse und Obst umsteigen, für das keine Tiere getötet werden.

Und das beweist? Gar nichts! Weil es mit dem Alltag nichts zu tun hat.

Eine Diskussion die darüber geführt wird, ob Veganer nun eigentlich wirklich konsequent handeln, hat genau einen Zweck: Von den Folgen des eigenen Konsumverhaltens abzulenken. Auch bezeichnet als Whataboutism.

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