Vorurteile: Wie asketisch ist Veganismus wirklich?

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Wenn von veganer Ernährung die Rede ist, denken viele Menschen an Askese, an Selbstkasteiung und Verzicht. Auch wenn die wachsende Zahl der Veganer zunehmend dazu beigetragen hat, Klischees an die Wirklichkeit anzupassen, fragen sich doch immer noch viele Menschen, wie asketisch vegane Ernährung ist.

Der Begriff "Askese" beschreibt eine strenge, auf Verzicht orientierte Lebensweise. Sie dient meist der Erfüllung religiöser oder ideeller Ziele. Und der Verzicht auf Fleisch erscheint für viele Menschen auch durchaus asketisch. Sie denken bei Tofu an Wellpappe und glauben, "vielfältige Ernährung" würde bedeuten, an der Selbstbedienungs-Theke in der Tankstelle auch mal Würstchen statt Hackbraten zu wählen.

Wer unter solchen Voraussetzungen die Tierprodukte weglässt, müsste wohl in der Tat mit den Servietten Vorlieb nehmen!

Bei der Frage, wie asketisch vegane Ernährung wirklich ist, befreien wir uns einfach mal von der Vorstellung, an die klassische, deutsche Fernfahrer-Küche gebunden zu sein.

Die wichtigsten veganen Lebensmitteln zählen:

  • Getreide (z. B. Brot, Reisgerichte, Mais, usw.)
  • Hülsenfrüchte (z. B. Falafel, Erbsen, Bohnen, Soja, usw.)
  • Gemüse (von Auberginen über Blattgemüse, Karotten, etliche Kohlsorten bis zur Zucchini)
  • Obst (inkl. Beeren)
  • Pilze
  • Nüsse und Saaten (z. B. Haselnüsse, Walnüsse, Cashews, Sesam, Sonnenblumenkerne)
  • Kräuter und Gewürze

Innerhalb dieser Gruppen befinden sich über 300 Grundzutaten, die wir in Deutschland ohne größere Probleme erhalten. Immer mal wieder haben wir analysiert, wie viele Zutaten daraus ein durchschnittlicher Mensch (Fleischesser) in Deutschland hauptsächlich verzehrt. Es sind kaum mehr als 15-20. Nämlich vor allem Getreide, Fleisch, Tomaten und Milchprodukte, die sich in den verschiedenen Gerichten (von Pizza über Spaghetti bis Lasagne) wiederholen.

Oder anders gesagt: Kulinarische Askese findet man in Deutschland vor allem in der klassischen Küche.

Veganer essen nicht grundsätzlich und immer gesund und vielfältig. Aber schon die Beschäftigung mit der eigenen Ernährung ist oft der Auslöser, sich deutlich vielfältiger zu ernähren. Denn wer nicht weiß, was ihm zur Verfügung steht, gibt sich zu schnell mit Eintönigkeit zufrieden.

Und das kann wahre Gesundheits-Vorteile mit sich bringen!

Die großen Ernährungsorganisationen raten seit Jahren dazu, mindestens fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag zu verzehren. Viele Menschen kommen mit Müh und Not auf zwei. Dabei wird ein Mangel an Obst und Gemüse bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unter den 10 wichtigsten Krebsrisiken aufgeführt.

Anders gesagt: Meist ist es ein Mangel an Phantasie oder Ernährungs-Wissen, die einen zu dem Gedanken verleitet, vegane Ernährung sei besonders asketisch. Nicht zuletzt haben Vorurteile aber auch eine ganz andere Funktion: Sie bestärken einen darin, alles so zu belassen, wie bisher.

Vegane Ernährung hat mit Askese also nichts zu tun. Doch die Angst vor der Askese lässt viele Menchen in der tatsächlichen Einfallslosigkeit verharren.
Übrigens: Wenn Du dachtest, dass Veganismus asketisch sei, dann gehörst Du vielleicht auch zu den Menschen, die Veganismus unbewusst ablehnen.

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