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Interview

Warum die staatliche Vegan-Definition noch nicht ausreicht.


Lange Zeit konnten Hersteller von Lebensmitteln relativ frei definieren, was sie unter "vegan" verstehen. Nun haben sich die Minister der Länder auf eine einheitliche Definition geeinigt, was als "vegan" deklariert werden darf.
Der Bio-Landwirt Daniel Mettke, Experte im bio-veganen Netzwerk (BVN), erklärt im Interview, warum ihm die Definition nicht weit genug geht - und warum es seltsam erscheint, dass Obst und Gemüse vor der Ernte nicht als Lebensmittel gelten.

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Vegpool: Hallo Daniel, bislang war es rechtlich nicht ganz klar, was eigentlich "vegan" bedeutet. Doch nun gibt es eine rechtsverbindliche Definition, die die Verbraucherschutzminister aufgestellt haben. Ist das nicht ein gutes Zeichen?

Daniel Mettke: Prinzipiell bin ich da zwiegespalten. Einerseits erkenne ich die ordnende Wirkung einer solchen staatlichen Definition an, andererseits bedeutet es eben auch eine Festlegung, die in der Regel nur einen Minimalkonsens darstellt. Als Beispiel dafür wäre die EU-Öko-Verordnung zu nennen, auf deren Grundlage der Begriff "biologisch", "ökologisch" bzw. "organisch" im Lebensmittelbereich geschützt ist. Wer sich hier wie dort aber mehr Inhalt und Werte wünscht, wird sich sowohl bei "öko" als auch bei "vegan" auch weiterhin auf privatrechtliche Definitionen und Labels verlassen müssen.

Vegan-Definition betrifft Lebensmittel erst nach der Ernte.

Vegpool: Dennoch reicht Dir die Definition noch nicht aus. Warum?

Daniel Mettke: Sie beschränkt sich, wie ich im Zuge der Auseinandersetzung mit dem Thema feststellen musste, nur auf Lebensmittel, nicht auf Kosmetika und andere Bereiche, wo eine vegane Kennzeichnung notwendig ist. Die landwirtschaftliche Produktion von für den Verzehr gedachter Stoffe ist ebenfalls nicht Teil des Wirkungsbereiches dieser Rechtsnorm. Das interessiert das Lebensmittelrecht nicht.

Vegpool: ...denn dort gelten pflanzliche Lebensmittel auch erst als Lebensmittel wenn sie geerntet wurden, korrekt? Welche Auswirkungen hat das?

Daniel Mettke: Genau. Als Biogärtner musste ich über mein Unwissen in diesem Zusammenhang schwer schlucken, denn auch mir wurde immer in der Werbung suggeriert, dass die Produktion der Rohware wesentlichen Anteil für die Produktqualität eines Lebensmittels ist. Der ganze Ökolandbau dreht sich genau darum. Biogärtnerinnen und -gärtner sind Produzenten, aber solange wir nichts geerntet haben, haben wir es nicht mit Lebensmitteln zu tun. Ich finde das schizophren.

Wertvorstellungen, die über die Freiheit von tierlichen Bestandteilen in Lebensmitteln hinausgehen.

Vegpool: Welche Verbesserungen würdest Du Dir wünschen?

Daniel Mettke: Nun, erstmal muß man das, was der VEBU mit seinem Einsatz zur Schaffung einer Rechtsnorm für vegane Lebensmittel da erreicht hat, würdigen. Das kann aber nur der Anfang sein. Denn die britische Vegan Society bezeichnet Veganismus in ihrem Memorandum von 1979 als "Philosophie und Lebensart". Daran sind Wertvorstellungen geknüpft, die über die Freiheit von tierlichen Bestandteilen in Lebensmitteln hinausgehen. Genau genommen geht es da um "alle Formen der Ausbeutung und Grausamkeiten an Tieren für Essen, Kleidung oder andere Zwecke zu vermeiden und darüber hinaus die Entwicklung tierfreier Alternativen zu fördern“. Darin sehe einen dicken, blinkenden Pfeil, der auf die Landwirtschaft weist.

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Vegpool: Wäre eine rein vegane Landwirtschaft heute überhaupt möglich?

Daniel Mettke: Zweifellos. Besonders einfach ist es sogar wenn man kein überzeugter Biokunde ist, da tierfrei düngen mit synthetischen Düngemitteln recht einfach ginge und sich Pflanzen natürlich auch in hermetisch abgeschlossenen Hydrokulturen anbauen lassen. Das o.g. Memorandum geht aber weiter: der Veganismus soll sich eben auch positiv auf die Umwelt auswirken und da haben wir mit synthetischen Düngemitteln und rein technologischen Lösungen ein Problem. Organisch gebundene Nährstoffe sind gut für den Boden und die Agrar-Ökosysteme. Man kann sie auch gut rein pflanzlich im bio-veganen Landbau zuführen.


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