Vegan werden

Die 5 Phasen des Vegan-Einstiegs


Immer mehr Menschen entscheiden sich, vegan zu werden. Sie möchten Tiere schützen, die Umwelt schonen und ihrer eigenen Gesundheit etwas Gutes tun. Veganismus ist nicht nur eine Ernährungsumstellung, sondern für viele Veganer auch eine Lebenseinstellung. Viele Menschen, die auf der Suche nach gesunden, glaubwürdigen Lebensmitteln und einer ethisch überzeugenden Lebensweise sind, werden früher oder später vegan. Doch die Umstellungsphase zur veganen Lebensweise verläuft nicht immer schnurgerade. Oft lassen sich rückblickend mehrere Phasen auf dem Weg zur veganen Lebensweise erkennen.

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Die meisten erwachsenen Menschen in Deutschland haben wohl schon einmal etwas von Veganern gehört. Medienberichte tragen sicherlich dazu bei. Tatsächlich ist Veganismus derzeit sogar ein wahres Mode-Thema in den Medien. Das ist schön, weil so viel mehr Menschen darauf aufmerksam werden. Gleichzeitig wird es der veganen Lebensweise nicht gerecht, sie wie eine vorübergehende Mode zu behandeln. Hinter Veganismus steckt schließlich weit mehr als der bloße "Verzicht" auf Tierprodukte.

Die erste Phase: Beschäftigung mit Veganismus

Die erste Phase des Vegan-Einstiegs beginnt mit der Beschäftigung mit Veganismus. Das kann auch ganz nebenbei geschehen. Die erste Reaktion ist häufig, Veganismus abzulehnen. Viele Menschen verbinden Veganismus immer noch mit Verzicht oder gesellschaftlicher Ausgrenzung. Auch, weil Ernährung Gewohnheitssache ist und stark durch soziale Normen und erlernte Verhaltensweisen geprägt wird.

Ein veganer Burger
Dieser vegane Burger widerspricht jedem Vegan-Klischee.
Bild: Panu Horsmalahti, flickr.com (bearb.), CC-BY

Kaum einer hat sich je aktiv entschieden, Fleisch und andere Tierprodukte zu essen - es wird einem erst anerzogen. Gesundheitliche, ethische und ökologische Aspekte der Ernährung spielen weiterhin bei den meisten Menschen nur eine untergeordnete Rolle. Wohl die meisten Veganer erinnern sich selbst daran, dass sie Veganismus früher zunächst abgelehnt hatten. Der schier ideologische Fokus auf eine Ernährung mit Tierprodukten wird von der amerikanischen Psychologie-Professorin Dr. Melanie Joy als Karnismus bezeichnet.

Die zweite Phase: Realisierung und Anerkennung der veganen Vorteile

Doch oft bleibt es nicht bei der Ablehnung der veganen Lebensweise. Wer sich einmal genauer mit den Hintergründen seiner Ernährung beschäftigt hat, wird immer wieder gute Argumente finden, vegan zu leben. Seien es Skandale in Massentierhaltungen, neue wissenschaftliche Erkenntnisse über die gesundheitlichen Vorteile einer veganen Ernährung oder auch einfach erste reale Kontakte zu Menschen, die vegan leben. All das kann bewirken, dass klischeehafte Vorstellungen hinterfragt werden - und dass man erkennt, dass Veganismus im Grunde nicht viel mehr ist, als eine Umstellung. Und dass Veganismus nicht bedeutet, Teil einer Gruppe oder Szene sein zu müssen.

Freunde beim Wandern
Man muss als Veganer keiner Szene angehören (es ist aber oft leichter).
Bild: Fotolia.com

Die Akzeptanz der guten Argumente, die hinter der veganen Lebensweise stecken, muss aber noch nicht zwingend dazu führen, dass man selbst vegan wird. Doch es ist schonmal ein wichtiger Schritt, zu erkennen, dass Veganismus durchaus eine gute Entscheidung sein kann - auch, wenn man diese selbst noch nicht treffen möchte. Vielleicht aus Sorge, nicht durchhalten zu können oder vor den Kommentaren aus dem Freundeskreis. Oft kann man einzelne Argumente durchaus nachvollziehen, andere aber nicht. Jedenfalls scheint das Thema in einem zu arbeiten.

In dieser Phase scheint oft auch noch ein wenig die Hoffnung mitzuschwingen, gute "Gegenargumente" zu finden. Irgend etwas, das einen überzeugt, dass man sich die - mutmaßlich schwierige - Vegan-Umstellung doch noch sparen kann. Denn wer will schon gesund leben, wenn er bequem leben kann. Viele Veganer kennen diese Gedanken von früher. Die Umstellung selbst ist - verglichen mit den Vorurteilen dazu - meist eher ein Klacks. Und man kann auch als Veganer bequem leben - wenn es einmal zur Gewohnheit geworden ist.

Die dritte Phase: Veganismus zum eigenen Nutzen

Und irgendwann bemerkt man, dass Veganismus gut zu einem passen könnte. Vielleicht auch nur zu Hause, vielleicht nicht ganz konsequent... man muss ja nicht übertreiben. Dennoch ist es ein wichtiger Punkt, zu erkennen, dass Veganismus in seiner ganz individuellen Form durchaus zu einem passen kann. Weil diese Lebensweise ehrlich ist, den gesellschaftlichen Vorstellungen von Ethik am meisten entspricht - und dazu auch noch gesundheitliche Vorteile haben kann.

Gesunde Ernährung und Sport
Persönliche Vorteile erkennen
Bild: Fotolia.com (bearb.)

Man erkennt, dass man sich nicht nach Trends oder Gewohnheiten richten muss, wenn man selbst vegan leben möchte. Man kann ja auch vegan leben und niemandem davon erzählen (auch wenn das nicht immer einfach ist) Vielleicht entscheidet man sich, einen veganen Versuch zu wagen. Vielleicht behält man sich noch ein paar "Ausnahmen" vor, um sich nicht vor sich selbst und seinem Umfeld rechtfertigen zu müssen.

Die vierte Phase: Der Vegan-Einstieg

Dies ist natürlich die sichtbarste Phase des Vegan-Einstiegs, der allerdings schon lange vorher begonnen hat. Es ist gleichzeitig auch die kritischste Phase. Denn jetzt wird aus Theorie Praxis. Die Umstellung auf eine vegane Ernährung ist - theoretisch - nur eine Frage der Zeit und Umgewöhnung. Nach 6 Wochen sollte einem eine vegane Ernährung schon sicher gelingen, auch wenn man im Laufe der Zeit natürlich immer weitere Erfahrungen und Informationen sammeln wird.

Doch es gibt beim Vegan-Einstieg auch einen Gegner: Den inneren Schweinehund. Dieses Mischwesen setzt nämlich alles daran, den Umstieg zu erschweren. Nicht weil es nicht vegan leben möchte, sondern weil es einfach gerne den gewohnten Gang geht. Der innere Schweinehund meldet sich besonders dann, wenn man im Stress ist oder Hunger hat. Er möchte gewohnte, fettige, süße, tier-haltige Speisen, und zwar sofort. Der innere Schweinehund wird sich beruhigen, sobald er erkannt hat, dass auch vegane Nahrungsmittel vortrefflich schmecken und satt machen können. Mehr dazu: Vegan werden in einem Schritt.

Der innere Schweinehund
Innerer Schweinehund - innerer Gegner.
Bild: fotolia.com

Der innere Schweinehund lässt in den ersten Tagen und Wochen der Vegan-Umstellung immer mal wieder Zweifel auftauchen. Sollte man es wirklich tun? Dieses Stück Bullette sieht aber doch sehr verlockend aus... Vielleicht doch lieber erstmal vegetarisch leben? Und so weiter. Der innere Schweinehund ist fies, aber berechenbar. Je besser man sich auf die Umstiegs-Phase einstellt, umso leichter ist es, den inneren Schweinehund im Griff zu behalten.

(Die fünfte Phase: Eingewöhnung)

Mit der Zeit gewöhnt man sich an die vegane Lebensweise und stellt vielleicht sogar gesundheitliche Verbesserungen fest. Im Forum auf Vegpool berichten viele Teilnehmer von Hautverbesserungen, verschwundenen Allergien, gewollter Gewichtsabnahme und besserem Lebensgefühl. Sobald man Kontakte zu anderen Gleichgesinnten knüpft und allmählich die wahre Vielfalt der veganen Lebensweise entdeckt, wird die vegane Lebensweise zu einer sehr angenehmen Gewohnheit. Und man hat stets das Gefühl, ohne größeren Aufwand gesund, nachhaltig und wirklich tierfreundlich zu leben. Dann hat sich jede einzelne Phase des Vegan-Einstiegs wirklich gelohnt.


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