Arbeitslosigkeit

Vegan mit Hartz 4


Hartz 4 (bzw. Arbeitslosengeld 2) gilt als Grundsicherung für Bedürftige. Wer Hartz 4 empfängt, hat nach den aktuellen Regelsätzen kaum mehr 4 Euro am Tag für Lebensmittel zur Verfügung. Wer mehr ausgeben möchte, muss in anderen Bereichen Abstriche machen. Vielfältigkeit ist damit ausgeschlossen - unabhängig von der Art der Ernährung.

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Doch viele Menschen, die selbst das Gefühl der Ungerechtigkeit kennen, entscheiden sich, nicht auch noch gegenüber Tieren ungerecht zu sein. Eine einfache und schmackhafte vegane Ernährung ist - mit etwas Begeisterung für die Zubereitung - auch für Hartz 4-Empfänger möglich und dabei meist deutlich gesünder, als eine Ernährung auf Basis von Fleisch-Fertigprodukten.

Dieser Artikel soll auch Menschen mit geringem Einkommen inspirieren und helfen, sich möglichst gesund und vielfältig vegan zu ernähren. Eine wirklich abwechslungsreiche Ernährung ist mit den aktuellen Regelsätzen von Hartz 4 derzeit wohl kaum möglich - egal bei welcher Ernährungsform.

Die wichtigsten Grundsätze für eine kostengünstige, gesunde Ernährung sind:

  • Speisen selbst zubereiten
  • Frisches Obst und Gemüse gegenüber teureren Fertigprodukten bevorzugen
  • Wenn möglich größere Gebinde an Grundnahrungsmitteln kaufen, statt (im Verhältnis) teurere 1-Portion-Packungen
  • Größere Mengen kochen, einen Teil kühlen und am nächsten Tag mit frischen Lebensmitteln kombinieren (das macht die Ernährung vielfältiger und kann z. B. die Eiweißzusammensetzung verbessern). Wenn eine bestimmte Obst- oder Gemüsesorte vergünstigt angeboten wird, kann auch auf Vorrat gekocht und eingemacht bzw. eingefroren werden.
  • Wer zusammen mit Freunden kocht, spart, weil größere Mengen eingekauft werden können und im Verhältnis weniger Produkte alt werden

Beispiel: Eine Packung Tiefkühlgemüse mit ca. 750 Gramm kostet etwa soviel wie ein Kilo Bio-Karotten bzw. mehr als doppelt soviel wie Karotten aus konventionellem Anbau. Das meiste Geld fließt hier in die Verarbeitung. Doch wer gerne selbst kocht, wird einen frisch zubereiteten Gemüse-Wok wohl sicherlich einem Fertigprodukt aus der Mikrowelle vorziehen.

Beispiel: Gemüsewok und Dessert

Besteht aus

  • Lauch, ca. 30ct/kleine Stange
  • Karotten, ca. 200 Gramm/30 ct
  • Paprika rot, ca. 40 ct
  • Kidneybohnen ca. 40ct/Dose
  • Zwiebel, ca. 1,50/Kilo (Bio), 30ct
  • Rapsöl, ca. 1,50/Liter, 3 ct.
  • Meersalz und Kräutern, ca 15 ct bei Tiefkühlkräutern.

dazu gibt es

  • Reis, parboiled, ca. 90 ct/Kilo. 20 ct.

Zum Nachtisch gibt's Vanillepudding mit Mandarinenkompott.

  • Bio-Sojadrink, 1 Euro, 250 ml = 25 ct
  • Puddingpulver: ca. 10 ct.
  • Zucker: ca. 5 ct
  • Mandarinenkompott, halbe Dose, ca. 25 ct
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Insgesamt betragen die Kosten also ca. 2,75 Euro - die Gemüsemenge ist bereits großzügig berechnet.

Natürlich erfordert die Zubereitung zunächst den Kauf größerer Gebinde. Doch diese können an anderen Tagen zu weiteren Gerichten verarbeitet werden.


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Kommentare

vier72
Kommentar #3 23.05.2015, 09:15 Uhr
Im Rahmen einer Bachelor-Thesis zum Themengebiet "Gesundheit, Armut, SGB II" entstand die Idee eines kulinarisch-ökonomischen Selbstversuchs: Ist eine gesunde Ernährung unter den Rahmenbedingungen des Arbeitslosengeld Zwei Bezugs möglich? Wieviel Aufwand ist dafür erforderlich? Kann trotz des kleinen Budgets auf Tierprodukte verzichtet werden - natürlich ohne gesundheitliche Einbuße zu befürchten? Wieviel Tier kann ich mir leisten? Bedeutet Hartz IV den Verzicht auf alle gustatorischen Freuden? Diesen und anderen Fragen gehe wir mit unseren Beiträgen auf den Grund.

Butterfly
Kommentar #2 05.11.2013, 15:28 Uhr
Hallo, Becky, ich finde Deinen Beitrag wirklich beeindruckend. Auch wenn man alle Tipps und Tricks drauf hat, ist es sicherlich doch sehr schwer von € 25,00 in der Woche zu leben. Vegan zu essen finde ich dann sparsam, wenn man seine Brotaufstriche selber macht. Sehr gut finde ich Karottenbutter oder Sellerieauftstrich mit Walnussstückchen. Vielleicht sollte es mal eine Rezepttabelle mit Preisangaben geben.

Becky
Kommentar #1 26.06.2013, 20:29 Uhr
Pudingpulver ist nicht wegan da ist Laktose drin also Milchzucker und ander Milch Erzeugnisse. Ich selbst bekomme auch nur Harz 4 von den normalen regel satz aber nur 300 euro davon bleiben mir nach weiteren Abzügen nurnoch 100 euro für Lebensmittel im Monat heißt 25 Euro in der Woche also 3,57 am Tag. Da dies so ist habe ich angefangen mich als Selbstversorger zu üben. Kräuter, Karotten, Tomaten, Sogar Bärlauch werden von mir in Große Töpfe gezogen, auch frühlingszwiebeln und Lauch. Wenn man wirklich zum wohle der Tiere und der Umwelt vegan leben will dann fallen einem auch dinge ein wie sie funktionieren. Eben z.B. das mit den Selbst anbauen. Ich habe wenig platz und kann dennoch eine ecke machen die mein kleiner Wohnungsgarten darstellt.

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