Vegan in Israel

Interview: „Israel ist ein veganer Himmel“


Veganismus boomt nicht nur in Deutschland und Mitteleuropa – auch in Israel ist ein regelrechter Trend zur veganen Ernährung entstanden. Ori Shavit, Betreiberin der israelischen Seite „Vegans on Top“, berichtet im Interview von den aktuellen Entwicklungen in Israel – und warum sie selbst von einer passionierten Fleisch-Genießerin zur Veganerin geworden ist.

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Vegpool: Hallo Ori, Du bist professionelle Köchin und hast als Restaurantkritikerin für das bekannte israelische Magazin „On The Table“ geschrieben. Nicht gerade ein veganer Job, was?

Ori Shavit: Kein bisschen! Bis vor drei Jahren war in meinem Leben nichts vegan. Ganz im Gegenteil: Ich habe so lange über Essen geschrieben und nicht einmal ein Wort über veganes Essen verloren. Das war für mich das Gegenteil von Gastronomie. Ich hätte nie gedacht, dass das lecker und interessant sein könnte. Ich habe also alles gegessen und über alles geschrieben - außer über veganes Essen. Letztendlich gab es zu der Zeit aber auch wenig veganes Essen in Israel.

„Ich wurde vegan, weil ich die Folgen meiner Ernährungs-Entscheidungen endlich verstanden habe.“

Vegpool: Du bezeichnest Dich selbst als Hedonistin (Genießerin) - warum wurdest Du Veganerin?

Ori Shavit: Veganerin Ori Shavit, Israel
Veganerin Ori Shavit, Israel
Bild: Revital Topiol
Ich wurde nicht vegan, weil ich Essen nicht mehr genießen konnte, ein tolles Glas Wein oder ein schönes Abendessen in einem Erste-Klasse-Restaurant. Ich wurde vegan, weil ich die Folgen meiner Ernährungs-Entscheidungen endlich verstanden habe. Dass es viel mehr gibt, als „lecker“ und „nicht lecker“ - vor allem, wenn es um die höllischen Zustände geht, denen wir unschuldige Tiere aussetzen, nur um ein passables Fleischgericht, einen guten Käse oder ein Omelett zu genießen. Ich habe mich entschieden, nicht für diese entsetzlichen Machenschaften zu bezahlen, lebende Wesen zu quälen und zu töten, sie wie Produkte zu behandeln, statt wie lebende, fühlende Kreaturen. Erst später entdeckte ich, dass die vegane Ernährung auch sehr gut für meine Gesundheit und für die Umwelt ist. Als Bonus!

Vegpool: Bist Du immer noch Genießerin?

Ori Shavit: Eigentlich schon ziemlich, ja. Ich liebe Essen, es ist eine große Leidenschaft von mir und ich würde nie eine Einladung zum Abendessen oder auf einen Drink ausschlagen. Der einzige Unterschied ist heute, dass ich es mit Verantwortung tue – auch Dank des tollen, veganen Essens-Angebots, das wir heute in Israel haben, und natürlich auch durch gemeinsames Kochen und Lehren, wie man kreative, farbenfrohe und leckere vegane Lebensmittel genießen kann.

Veganes Dessert
Veganes Dessert
Bild: Ori Shavit

„Israel ist ein veganer Himmel.“

Vegpool: Wie ist das vegane Leben in Israel?

Ori Shavit: In der Tat ist Israel ein veganer Himmel. Unsere Nationalgerichte – Hummus und Falafel – sind komplett vegan und man kann überall veganes Essen bekommen. Wir haben zwar nicht viele 100% vegane Restaurants hier (wie haben ein paar, die richtig gut sind), aber es gibt eine große Menge an vegan-freundlichen Locations, die speziell vegane Menüs und viele Möglichkeiten bieten. Alle größten Kaffee-Ketten haben aufgehört, Sojamilch extra zu berechnen und so weiter. Wir sind ein mediterranes Land und unsere Küche ist daher perfekt für Veganer – mit vielen Früchten, Gemüsen, Getreiden und Linsen.

Vegpool: Du sagtest mal, es gäbe eine Vegane Essens-Revolution in Israel. Was geschieht dort?

Ori Shavit: Wie ich schon sagte, ist in den letzten drei Jahren viel passiert. Damals gab es fast kein veganes Essen in Restaurants und kaum jemand wusste viel über Veganismus, geschweige denn, was es genau ist. Die Medien haben das Thema kaum behandelt - daher hat niemand von diesem Lebensstil und von den Gründen, die dafür sprechen, gehört. Doch dann, vor drei Jahren, begannen sich die Dinge zu verändern. Zunächst gab es einen Vortrag von Gary Yuorofsky, den viele Menschen hier auf Youtube angesehen haben (bis heute etwa 200.000 Abrufe in Israel und viel mehr in allen Ländern der Welt http://gary-tv.com). Er wurde so viral und hat so viele Menschen beeinflusst, dass Gary gleich zweimal zu sehr erfolgreichen Touren zu uns kam.

5% Veganer in Israel

Israelisches Gericht
Israelisches Gericht
Bild: Ori Shavit
Zu dieser Zeit begann auch die kulinarische, vegane Szene zu erwachen. Ich habe begonnen, spezielle vegane Nächte in einigen der besten Restaurants in Israel zu bewerben; Köche bereiteten veganes Essen zu und realisierten, dass es eine große vegane Zielgruppe dafür gab. Die Medien fingen an sich zu interessieren und die Menschen hörten immer mehr darüber. Dann wurde die 269-Bewegung in Tel Aviv gegründet und entwickelte sich zur internationalen Bewegung und so weiter - bis hin zum Gewinner der letzten „The Big Brother“-Reality-Show, der ein veganer Aktivist war. Also ja, man kann definitiv sagen, dass es eine vegane Revolution in Israel gibt. 5% der Bevölkerung sind Veganer und es werden immer mehr. Das ist, soweit ich weiß, mehr als an jedem anderen Ort der Welt.

Vegpool: Was denkst Du , was sind die häufigsten Gründe für die Menschen in Israel, Veganer zu werden?

Ori Shavit: Ohne Zweifel sind die Tierrechte und deren Missachtung durch die Lebensmittelindustrie die Hauptgründe in Israel, vegan zu werden. Es gibt auch viele Menschen, die vegan werden, weil sie gesünder essen möchten. Nur ein paar entscheiden sich aus Umweltgründen dafür, aber das ist sicherlich ein Aspekt, den viele Leute ebenfalls in Betracht ziehen.

Vegane Restaurants in Israel

Vegpool: Wohin sollten Veganer gehen, die Israel besuchen?

Ori Shavit: Es gibt viele coole Orte die man in Israel besuchen sollte – ich nenne mal ein paar:

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Nanuchka – ein georgisches, bekanntermaßen hektisches Restaurant und das einzige auf der Welt, das von tonnenweise Fleisch und Käse über Nacht auf 100% vegan umstellte. Sie servieren tolles Essen und noch besseren Alkohol in einer schönen Bar. http://nanuchka-tlv.com/

Zakaim – ein vom lokalen Koch persönlich betriebenes Restaurant, das herrliche gewürzte Gerichte aus Gemüse und Getreide in schöner Atmosphäre serviert. (a personal local chef restaurant, serves beautiful spicy dishes of vegetables and grains with great atmosphere.)

269Live Liberation Farm – der erste Lebenshof in Israel und dem mittleren Osten, ungefähr eine halbe Stunde Fahrt nördlich von Tel Aviv gelegen. Ein schöner, inspirierender Ort wo man freie Tiere treffen kann, die aus der Hölle befreit wurden und von den großartigen Menschen auf der Farm behandelt und geliebt werden. http://269farm.com/.

Hier ist ein Führer für vegan-freundliche Restaurants in Israel: http://vegansontop.co.il/israeli-vegan-dining-guide/

Vegpool: Was sind die beliebtesten, veganen Gerichte in Israel?

Ori Shavit: Das sind natürlich Hummus und Falafel, aber es gibt auch viele andere vegane Gerichte die man einfach bekommen kann, wie Hamburger oder Shawarma aus pflanzlichen Zutaten, aber auch Salate, gekochte Veggie-Gerichte, Eiscreme und Kuchen. Veganes Frühstück gibt es bei den meisten Kaffee-Ketten.


Zur Seite von Ori Shavit: Vegans on Top
Das Interview wurde auf Englisch geführt - Übersetzung von Kilian Dreißig.



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Kommentare

ramsy
Kommentar #3 17.12.2014, 19:47 Uhr
stimmt, suad! aber mir gehen diese hummus-kriege zwischen uns und den israelis auf die nerven.
wenn der veganismus die israelische Politik etwas humaner machen könnte, können sie die Gerichte ruhig ihre eigenen nennen. ;)

flo
Kommentar #2 30.11.2014, 00:38 Uhr
hey, ist doch egal woher falafel und hummus kommt und wer es erfunden hat. geht nur drum dass es vegan ist und auch in israel oft gegessen wird.
also guten appetit an alle die falafel und hummus mögen!
LG
FLO

suad farah
Kommentar #1 29.11.2014, 14:44 Uhr
mit aller liebe und respekt für Ori aber Hummus und Falafel und vieles mehr sind arabisch-palästinensische gerichte die immer zu unserem essen gehört haben sowie Ful, braune bohnen die gekocht und mit olivenöl, zitrone, salz und knoblauch als frühstück gegessen wird wo mensch bis mittags satt ist ... darüberhinaus haben wir sehr viele gerichte die von grünzeug, am berg gesammelt , gekocht wird !

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