Urlaub

Teneriffa: Vegan auf der "Insel des Frühlings"

Teneriffa ist die größte Insel der kanarischen Inselgruppe und einer der Lieblings-Urlaubsplätze der Deutschen. Teneriffa gehört topografisch zu Afrika und hat ein ganzjährig mildes Klima mit Temperaturen tagsüber zwischen ca. 18 und 27 Grad. Die touristische Hochsaison ist im Winter, weil dann besonders viele Europäer vor der Kälte flüchten. Ursprünglich wurde Teneriffa (wie die anderen kanarischen Inseln) von den Guanchen bevölkert, die sich überwiegend von Obst und Gemüse ernährt haben sollen. Seitdem die Spanier Teneriffa vor einigen Jahrhunderten erobert haben, hat sich das kulinarische Angebot aber deutlich verändert. Wie es heute aussieht und wie Veganer auf Teneriffa Urlaub machen können, das erfahren Sie hier.

Teneriffa, die "Insel des ewigen Frühlings", bietet wunderbare Wachstumsbedingungen für Bananen, Avocados, Papaya, Tomaten, Kartoffeln und viele weitere Sorten an Obst und Gemüse. Obwohl Teneriffa nicht einmal 100 Kilometer lang ist, unterscheidet sich das Klima zwischen dem Norden und dem Süden deutlich. Grund dafür ist der Vulkan "Teide", der die von Norden ankommenden Wolken durch seine dichten Waldhänge praktisch "melkt" und sie abregnen lässt. So erhält der Norden wesentlich mehr Niederschlag und ist dadurch auch deutlich grüner und fruchtbarer. Gerade in der nördlichen Stadt La Laguna (und im nahen Anaga-Gebirge) grünt und blüht es das ganze Jahr über.

Meeresbrandung zwischen den Lava-Felsen
Meeresbrandung zwischen den Lava-Felsen
Bild: K/Vegpool

Teneriffa biete an sich gute Grundlagen für vegane Lebensweise

Auch wenn all dies eigentlich sehr gute Voraussetzungen für eine vegane Ernährung bietet, sind die heutigen Speisekarten - wie in den meisten touristischen Orten - reich an Fleisch. Veganismus ist praktisch unbekannt und nur wenige Restaurants und Imbisse bieten überhaupt vegane Gerichte an. Diese findet man u.a. in der Hauptstadt Santa Cruz im Nordosten von Teneriffa, oder auch in der Nähe der touristischen Hochburg Los Cristianos im Süden (z. B. den veganen Imbiss "K-Vegan", etwas versteckt im Obergeschoss eines Einkaufszentrums, unweit vom Hauptstrand). Für kulinarische, vegane Vielfalt ist Teneriffa im Moment aber noch nicht vorbereitet.

Die ursprüngliche, kanarische Küche, wie sie von den Ureinwohnern praktiziert wurde, ist weitgehend vegan, zugleich aber auch ziemlich schlicht. Tierprodukte kamen eigentlich nur in Form von selbst gefangenem Fisch auf den Teller. Ansonsten wurde viel mit "Gofio" gekocht, einem gerösteten (gewöhnunsbedürftigen) Getreidemehl, sowie mit Kartoffeln und dem regionalen Obst und Gemüse. Gafio wird auch heute noch oft von den Tinerfeños, den Inselbewohnern, verwendet.

Als Insel mit vulkanischem Ursprung ist Teneriffa für die industrielle Haltung von "Nutztieren" nicht geeignet. Fleisch aus regionaler Produktion ist daher kaum erhältlich - ein Großteil des Fleisches, das in "traditionellen" Restaurants verkauft wird, stammt daher aus Südamerika. Einzig Ziegen werden aber hier und dort gehalten, auch in den Gebirgen der Insel.

Als Veganer auf Teneriffa lieber selbst verpflegen

Wer als Veganer auf Teneriffa Urlaub machen möchte, sollte sich eine Unterkunft mit Selbstverpflegung buchen und mit frischen, regionalen Zutaten kochen. Auch private Unterkünfte werden zunehmend angeboten - zum Beispiel über Airbnb. der Vorteil bei privaten Unterkünften: Oft kann man eine voll ausgestattete Küche mitbenutzen.

Typisch kanarische "Papas arrugadas con mojo"
Typisch kanarische "Papas arrugadas con mojo"
Bild: K/Vegpool

Traditionell rein pflanzlich sind die kanarischen "Schrumpelkartoffeln" (Papas arrugadas), die mit roter und grüner Soße auf Öl- und Kräuterbasis (Mojo) serviert werden und in fast jedem kanarischen Restaurant für wenige Euro erhältlich sind. Obwohl sie als Beilagen angeboten werden, werden sie von einigen Tinerfeños durchaus auch mal als Hauptspeise verzehrt.

Die Hauptmahlzeiten sollte man besser zu Hause zubereiten - am besten aus frischen Zutaten vom regionalen Markt. Hier erhält man oft auch Gemüse aus Bio-Anbau. Ansonsten findet man alle Grundnahrungsmittel in den Supermärkten wie Hiperdino, Carrefour, Lidl oder Mercadona. Es gibt in praktisch jedem Dorf einen kleinen Dorfladen, wo man auch regionale Spezialitäten erhält. Vegan-Tipp: Avocados wachsen auf der Insel und sind ungleich günstiger als die importierten Früchte in Deutschland. Gleiches gilt für Bananen und Papaya.

Pflanzendrinks, Aufstriche, Eis und Co: Auf Teneriffa kein Problem

Die Versorgung mit Pflanzenmilch ist auf Teneriffa sehr gut. Man erhält Soja-, Reis- und Haferdrink in fast jedem Supermarkt. Auch Soja-Joghurt und Soja-Eis werden häufig angeboten. Einige Pflanzendrinks sind mit Vitamin D angereichert, dessen Herkunft fraglich ist (Vitamin D3 ist häufig nicht vegan). Es gibt aber meist auch "Natur"-Drinks.

Puerto de la Cruz am Abend
Puerto de la Cruz am Abend
Bild: K/Vegpool

Würzige, vegane Aufstriche sind schwieriger zu finden. Als Aufstrich eignen sich aber auch einige Dips, zum Beispiel der "Platános de Canarias", ein würzig-süßlicher Dip auf Basis von Bananen, hergestellt vom teniferischen Hersteller Buenum.

Als Snack für Ausflüge eignen sich Vollkornkekse (vegan sind z. B. einige Sorten von "Vitalday") oder selbst gemischtes Studentenfutter aus Nüssen und Trockenfrüchten, sowie Brot und besagte Dips.

Die Trinkwasserqualität auf Teneriffa

Das Leitungswasser auf Teneriffa sollte man nicht zum Verzehr nutzen, da es teilweise stark mit Flour und Rückständen aus der Landwirtschaft belastet sein soll. Es gab kürzlich sogar behördliche Trinkwarnungen - Abkochen genügt nicht! Die Teniferos greifen praktisch immer auf Wasser aus Plastikflaschen zurück - auch zum Kochen. Im Supermarkt enthält man große Wasserbehälter mit acht Litern für etwa einen Euro.

Der "Playa Jardin" auf Teneriffa: Dunkler Sandstrand
Der "Playa Jardin" auf Teneriffa: Dunkler Sandstrand
Bild: K/Vegpool

Und sonst so?

Der Norden von Teneriffa ist grüner und für Natur- und Wanderfreunde sehr empfehlenswert. Insbesondere ein Ausflug ins Anaga-Gebirge (Start in Carmen de la Cruz) sollte auf dem Programm stehen (zum Beispiel nach Punta del Hidalgo). Im Süden ist es wärmer und meistens sonnig. Dafür ist die Umgebung auch deutlich trockener und teilweise fast steppenartig.

Die Naturstrände ("Playas") in Teneriffa sind oft mit schwarzem Sand bedeckt, manchmal aber auch steinig. Am "Playa la Arena" wechselt der Belag sogar saisonal: Im Winter wird der Sand von den Wellen fortgespült, um zum Sommer wieder angeschwemmt zu werden. Typisch für Teneriffa und die kanarischen Inseln sind die Felsen aus getrockneter Lava, an denen sich die Wellen des Atlantischen Ozeans brechen. Oft bilden sich im Laufe der Zeit so genannte "Charcos", also natürliche Becken, in denen man auch bei starkem Wellengang teilweise noch baden kann. Im Winter herrscht an vielen Stränden Badeverbot aufgrund starker Strömungen. Einen weißen Strand findet man zum Beispiel in der Nähe von Santa Cruz - er wurde in den 1970-er Jahren künstlich mit Sahara-Sand angelegt und wird durch vorgelagerte Wellenbrecher geschützt.

Der "Playa Jardin" am Abend
Der "Playa Jardin" am Abend
Bild: K/Vegpool

Die meisten Strände und Ausgangspunkte für Wanderungen sind mit dem öffentlichen Nahverkehr, den "Titsa"-Bussen, gut erreichbar. Die Preise für die Busse sind sehr niedrig und mit dem "Bonobus"-Ticket (das man mit 15 oder 25 Euro "auflädt") erhält man sogar noch einen deutlichen Rabatt auf die einzelnen Fahrten. Man kann auf Teneriffa also auch gut ohne Mietwagen Urlaub machen.

Hier noch ein paar Urlaubstipps für aktive Teneriffa-Urlauber. Übrigens: Die stark beworbenen Freizeitparks wie der Wasser-Erlebnispark "Siam Park", der "Parques Exóticos" oder der "Loro Parque" halten Tiere als Attraktion. Wer Zoos und Zirkusse aus Tierschutzgründen ablehnt, sollte lieber andere Attraktionen besuchen.

  • Gemütlicher Stadtbummel in Santa Cruz, La Laguna oder Puerto de la Cruz
  • Besuch eines Naturstrandes mit schwarzem Sand
  • eine Wanderung im Anaga- oder Teno-Gebirge, oder im Teide-Nationalpark
  • Typisch kanarische "Papas arrugadas con Mojo" in einem kleinen, versteckten Lokal probieren (Schrumpelkartoffeln mit würzigen Soßen)
  • ein Besuch im Meerwasserschwimmbad (z. B. in Puerto de la Cruz)
  • Surfen (Wellenreiten) in Los Cristianos oder Puerto de la Cruz
  • ein Bad in einem natürlichen Charco (Naturbecken) nehmen
  • einen regionalen Bauernmarkt besuchen und sich über die Auswahl an regionalem, selbst angebauten und sonnenverwöhntem Obst und Gemüse freuen
  • Die Sterne beobachten (Teneriffa ist ein Lichtschutzgebiet)


Vegan-Newsletter
Sie stimmen der Datenverarbeitung zu. Abmeldung jederzeit möglich. » Mehr Infos
Suchen nach: teneriffa, vegan, urlaub | veröffentlicht: | recycled:
Möchten Sie den Artikel nutzen?

Wie hat's Ihnen gefallen?

5/5 Sterne (7 Bew.)
Jetzt in Ihrem Netzwerk teilen!

Fragen, Anregungen, Kritik? Schreiben Sie einen Kommentar!

Übersicht »

Reise und Urlaub - ganz vegan:

Kommentare

Lilly
Kommentar #4 23.08.2017, 22:25 Uhr
Das stimmt. Leider wusste ich bis vor kurzem gar nicht, dass Essig oder Wein oft mit Gelatine gefiltert wird und habe es deshalb hier geschrieben, falls es anderen genauso geht, wie mir.

kilian
Kommentar #3 22.08.2017, 22:11 Uhr
Liebe Lilly,
jeder muss für sich entscheiden, wie er mit "Randbereichen" wie der Essig-Klärung umgehen möchte. https://www.vegpool.de/magazin/kann-man-ganz-vegan-leben.html

Lilly
Kommentar #2 22.08.2017, 22:06 Uhr
Achtung die Mojo ist normalerweise nicht vegan, denn es wird ganz normaler Essig benutzt. Essig wird oftmals mit Gelatine gefiltert. Es gibt auch einige Mojos mit Käse.

Christine
Kommentar #1 03.03.2016, 11:44 Uhr
DANKE für euren ausführlichen Bericht mit Fotos! Lebe seit 10 Jahren auf der Nachbarinsel La Gomera im Valle Gran Rey, wo es 3 hübsche Bioläden mit lecker frischem Obst&Gemüse und ner guten Auswahl an allem, was man sich sonst so wünscht für die Selbstversorgung gibt. Vegan is auch hier bislang noch mehr in InsiderKreisen üblich. Allerdings hat die Amazonia, welche Delfinfahrten anbieten auf vegane Paella umgestellt vor ca. 2 Jahren! Das hat mich riesig gefreut - scheinbar haben mehr Menschen nachgefragt ; ) Und es gibt auch schon Lokale, welche auf Nachfrage gerne etwas Passendes zubereiten & auch Smothies & frisch gepresste Säfte anbieten. Die frischen Zumos (Fruchtsäfte) gibt es übrigens fast überall. Wir selbst leben in einem Permakulturwohnprojekt, wo auch oft bewußt lebende, interessante Menschen zu Gast sind, Liebe Grüße aus unserm Paradiesgarten, Christine

Veröffentlichen Sie einen Kommentar!




Spam-Schutz:

Wir behalten uns vor, Kommentare zu veröffentlichen. Für ausführlichere Diskussionen nutzen Sie bitte das Vegan-Forum.
Bitte beachten Sie auch unsere Datenschutzerklärung.