Therapie

Mit veganer Ernährung Krebs heilen?

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Kann Broccoli gegen Krebs helfen?
Bild: Fotolia.com


Eine Krebserkrankung ist für Betroffene und Angehörige ein großer Schock. Zwar haben sich die medizinischen Behandlungsmöglichkeiten gegen Krebs in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert - dennoch: Krebs ist eine ernsthafte Erkrankung, die Betroffenen, ihren Familien und Freunden viele Sorgen und Ängste bereitet. Und es wird wohl noch lange dauern, bis Krebs besiegbar geworden ist.

Dass Ernährung und Krebs häufig zusammenhängen, ist längst bekannt und ein wichtiges Thema der Präventiv-Medizin, die weltweit noch in den Kinderschuhen steckt. Eine ballaststoffreiche Ernährung soll zum Beispiel verschiedenen Krebsarten (u. a. Darmkrebs) vorbeugen können, während eine Ernährung auf Basis von Tierprodukten im Verdacht steht, bestimmte Krebsarten zu begünstigen. Sogar die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt vor dem Krebsrisiko durch rotes Fleisch.

Vegan kann bestimmte Krebsrisiken senken.

Es gibt also bereits heute sehr gute, wissenschaftlich fundierte Gründe, sich im Sinne der Gesundheit pflanzlich(er) zu ernähren. Und viele Untersuchungen weisen darauf hin, dass eine pflanzliche Ernährung (oder Diät) durchaus auch eine gewisse Heilkraft haben könnte. Allein: Richtig erforscht ist das ganze Themengebiet noch nicht. Wissenschaftler stehen erst am Anfang und es ist daher zu früh, zu beurteilen, ob pflanzliche Ernährung tatsächlich Heilkräfte gegen Krebs hat.

Wenn Krebs erst einmal da ist, ist guter Rat daher teuer.

Billig dagegen sind (im negativen Wortsinne) die vielen Empfehlungen, die man im Internet rund um Krebs bekommt.
Wer auf Facebook und in diversen Online-Foren nach Möglichkeiten zur Heilung von Krebs sucht, bekommt schier endlos viele Empfehlungen und Tipps gegen Krebs. Leider meist blanken Unsinn.

Angebliche Wundermittel gegen Krebs.

Da wird in Communities zu großen Mengen Karottensaft (oder Rote-Bete-Saft, oder Sauerkrautsaft) geraten, zu Broccoli-Samen, zum Verzehr von Backpulver, von bitteren Aprikosenkernen, Curcuma, Ingwer oder Schwarzkümmelöl. Himbeeren, nicht zu vergessen. Dazu kommen Empfehlungen zur reichhaltigen Nahrungsaufnahme, zum Nahrungsverzicht, zum Basenfasten, Saftfasten, zu Rohkost oder intermittierendem Fasten.

Doch auch wenn bestimmte Pflanzenstoffe durchaus optimistisch in wissenschaftlichen Studien untersucht werden, bedeutet das nicht, dass der Verzehr eines bestimmten Lebensmittels dieselbe Wirkung hätte, wie ein daraus isolierter Stoff.

Selbst wenn für bestimmte Pflanzenstoffe bereits eine immunstärkende oder antikarzinogene Wirkung nachgewiesen wurde, handelt es sich bei den meisten Laien-Empfehlungen um extrem unpräzise Wiedergabe von Hörensagen. Nur weil ein Buchtitel behauptet, Krebszellen würden keine Himbeeren mögen, bedeutet das noch lange nicht, dass sich durch den Verzehr von Himbeeren jeder Krebs heilen ließe.

Grundlagenforschung liefert keine Präparate.

In der Tat können bestimmte pflanzliche Stoffe eine Wirkung gegen Krebszellen haben. Doch die Bedingungen, unter denen mögliche, antikarzinogene Stoffe in der Grundlagenforschung untersucht werden, haben mit einer wirksamen Therapie einfach kaum etwas zu tun.

Oder anders gesagt: Wenn im Labor isolierte Krebszellen wirksam mit einem Präparat zerstört werden, steht noch lange nicht fest...

  • ...ob sich aus dem untersuchten Wirkstoff überhaupt ein Präparat herstellen lässt,
  • ...ob das Präparat auch bei nicht-isolierten Krebszellen im Körper angewendet werden kann,
  • ...ob das Präparat auf andere Körperzellen giftig wirkt und
  • ...welche Wechselwirkungen es gibt.

Die Entwicklung medizinischer Präparate ist zu komplex, um vorschnelle Schlüsse zu ziehen. Die Empfehlungen angeblicher Wundermittel hingegen wecken Hoffnungen, die sie meist nicht erfüllen können. Und sie setzen Patienten unter Druck, geben ihnen das Gefühl, "selbst Schuld" an ihrer Erkrankung zu sein. Dabei gibt es gar keine Möglichkeit, all die Tipps zu befolgen. Schon deshalb, weil sie sich oft widersprechen.

Kritik an der scheinbar völlig unfundierten Empfehlung vermeintlicher Wundermittel wird oft mit dem Vorwurf gekontert, man würde mit "der Pharma-Industrie" konspirieren.

Wissenschaftliche Forschung statt falscher Hoffnungen.

Und in der Tat ist es leicht, die Pharma-Branche zu verurteilen und ihr Geldmacherei auf Kosten von Patienten vorzuwerfen. Mit Chemotherapien lässt sich eben viel Geld verdienen. Nicht unvorstellbar, dass es auch in der Pharma-Industrie Bestrebungen gibt, kostengünstige, wirksame Mittel zu verhindern und weiter auf traditionelle Chemotherapie zu setzen. Die allerdings, und das muss man der Vollständigkeit halber dazu sagen, oft wirkt und in der Regel nach wissenschaftlichen Standards entwickelt und begleitet wird.

Die in vielen Fällen wahrscheinlich gerechtfertigte Skepsis gegenüber Pharma-Konzernen ändert nichts an der Wirksamkeit von pflanzlichen Präparaten. Anders gesagt: Es liegt nicht an der Industrie, wenn Himbeeren allein keinen Krebs heilen. Wenn konventionelle Methoden bessere Aussichten auf Erfolg haben, kann die Empfehlung wirkungsloser Wundermittel hingegen echte Heilungschancen verringern. Da kann der gute Wille, Hoffnung zu schenken, noch so nachvollziehbar sein.

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Empirische Untersuchungen sind der beste Weg, die Wirksamkeit eines Lebensmittels oder Präparates zu untersuchen. Und das braucht leider Zeit. Ohne fundierte, wissenschaftliche Forschung hingegen, tappen wir schlicht im Dunkeln. Ohne fundierte Forschung werden wir nie wissen, ob pflanzliche Ernährung tatsächlich helfen kann.

Die Krebstherapie sinnvoll ergänzen.

Das Gute ist: Auch während der konventionellen Krebstherapie spricht normaler Weise nichts dagegen, sich pflanzlich zu ernähren (in Absprache mit dem behandelnden Arzt). Eine vielfältige, bunt gemischte, leckere Ernährung könnte zumindest das Immunsystem stärken, die Stimmung heben und auch so der Heilung zuträglich sein.

Die Bitte nach einem guten Rat ist oft auch der Wunsch nach etwas Halt. Nach empathischer, moralischer Unterstützung in einer schweren Lebenssituation. Im Sinne der Betroffenen ist es daher oft besser, sich mit Tipps über vermeintliche Wundermittelchen etwas zurück zu halten und auf Institutionen zu verweisen, die sich empirisch mit diesem Thema beschäftigen.

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