Gesundheit

Sollten sich Veganer impfen lassen?

Regelmäßig im Frühjahr wird in den Medien ausgiebig über Impfungen diskutiert. Impfungen sollen vor gefährlichen Krankheitserregern schützen und mittelfristig sogar dazu beitragen, diese Erreger auszurotten. Dies könne aber nur gelingen, wenn jeder mitmacht.
Auch der „Herdenschutz“ durch Impfungen wird immer wieder erwähnt – der Schutz für Menschen also, die selbst nicht geimpft werden können. So bekommt die Impfung gleich auch noch eine moralische Bedeutung.
Doch sind Impfungen für Veganer sinnvoll? Und sind Impfstoffe überhaupt vegan?

Impfung als Training für's Immunsystem

Impfungen basieren auf der Idee, das Immunsystem zur Produktion eigener Antikörper gegen bestimmte Erreger zu stimulieren. Dafür werden geringe Mengen inaktiver Erreger als Impfstoff verabreicht. Es handelt sich also gewissermaßen um ein Training für das eigene Immunsystem, ohne die Gefahr einer echten Ansteckung.
Bei der Produktion der Impfstoffe werden allerdings praktisch immer tierische Zellkulturen verwendet.

Medizinische Spritze
Medizinische Spritze
Bild: Partha S. Sahana, flickr.com, CC-BY
Nach Auskunft des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), dem Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel in Deutschland, können Viren zur Erzeugung von Impfstoffen nur auf tierischen und menschlichen Zellkulturen vermehrt werden. „Es gibt keinen Impfstoff, der die Kriterien für vegetarisch oder gar vegan im strengen Sinn erfüllt“, so die Pressesprecherin des PEI, Dr. Susanne Stöcker. Zur Herstellung von Grippe-Impfstoff werden z. B. bebrütete Hühnereier verwendet. Doch auch viele andere tierische Zellen werden zum Start neuer Zellkulturen genutzt, darunter z. B. Zellen aus Hundenieren. Detaillierte Informationen zu einzelnen Impfstoffen und den verwendeten Zellkulturen findet man online unter pei.de/impfstoffe.

Tierische Zellkulturen zur Erzeugung von Impfstoffen

Zellen zur Erzeugung von Zellkulturen werden in der Regel nicht jedes Mal neu aus Tierprodukten gewonnen. Nur die ursprünglichen Zellen stammen vom Tier und werden oft über längere Zeit („bis zu Jahrzehnten“) verändert und weiter kultiviert. Eine Alternative zu tierischen Zellen sind übrigens menschliche Zellen, z. B. humane diploide Lungenfibroblasten (für Impfstoff gegen Röteln). Manche Zellen werden auch aus menschlichen Tumoren gewonnen.

Impfstoffe, die mit tierischen Zellkulturen gewonnen wurden, sind streng betrachtet nicht vegan, selbst wenn diese Zellen am Schluss im Impfstoff nicht mehr nachweisbar sind. Außerdem werden Impfstoffe vor der Zulassung – und auch zur Chargenprüfung danach – in tödlichen Tierversuchen getestet. Aktuell sind Impfstoffe praktisch immer mit Tierleid verbunden, auch wenn die Verbindung zwischen Impfdosis und direktem Tierleid über sehr viele Ecken verläuft.

Sollten sich Veganer impfen lassen?

Die vegane Lebensweise ist eine Bereicherung für alle Bereiche des Alltages. Schwere Krankheiten und deren Vorbeugung (z. B. die Impfung) gehören nicht zum normalen „Alltag“ – es sind Sondersituationen, in denen freie Entscheidungen oft nicht möglich ist, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Die Entscheidung, ob man sich selbst gegen bestimmte Krankheiten impfen lässt, oder nicht, sollte mit dem Arzt seines Vertrauen geklärt werden. Die eigene Gesundheit sollte nicht auf's Spiel gesetzt werden.

Die Frage, ob man sich als Veganer impfen lassen sollten, muss jeder für sich selbst beantworten. Der Versuch, 100% vegan zu leben, kann aber auch schnell ins Zwanghafte abgleiten. Lieber sollte man sich auf die positiven Möglichkeiten konzentrieren, Tieren zu helfen, und sich bei gesundheitlichen Fragen auf seinen Arzt verlassen.

Um eine Veränderung in der medizinischen Forschung und Entwicklung zu erzielen, ist eine gesellschaftliche Diskussion und weitergehende Forschung nötig. Zahllose Forscher arbeiten bereits an Tierversuchs-Alternativen und an Zellkulturen, für die kein Tier leiden muss.



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