Pferdesport

Reiten: Mein bester Freund, das Schlachtpferd

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Stolzes RossStolzes Ross
Bild: Feliciano Guimarães, flickr.com (bearb.) Bildtitel: Horse, CC-BY


Ein Pferd als treuer Freund und Begleiter, als Gefährte auf ausgedehnten Ausflügen in die Natur – was gibt es Schöneres? Wohl nicht ganz grundlos besagt der Volksmund, das Glück der Erde läge auf dem Rücken der Pferde.
Doch wie sieht es eigentlich für das Pferd aus?

Wohl die meisten Reiter würden ihrem Pferd niemals etwas zuleide tun wollen. Reiten und Tierquälerei? Für manch einen Reiter unvorstellbar. Nicht wenige Hobby-Reiter ernähren sich vegetarisch oder vegan und engagieren sich im Tierschutz.
Doch oft wird das Reiten von Reitern auch verklärt. Denn wie sieht es für das Pferd aus?

Krankheit durch Reiten

Leider führt das Reiten bei Pferden häufig zu Erkrankungen. Nicht nur ein zu schwerer Reiter, sondern auch die Haltung und die mangelnde Bewegungsfreiheit (eingezäunte Weide, ohne Herdengefüge) schaden dem Pferd langfristig. Erkrankungen des Bewegungsapparates und fütterungsbedingte Krankheiten (z. B. Hufrehe) lassen sich oft unmittelbar oder mittelbar auf die Haltung und Nutzung des Pferdes zurückführen. Ganz zu schweigen vom „Reitsport“, wo dem Pferd unter Wettbewerbsbedingungen Höchstleistungen abverlangt werden. Mit dem natürlichen Verhalten eines Pferdes hat dies nichts zu tun. Viele dieser „Sportpferde“ landen schon im jungen Alter beim Pferdemetzger – oder sterben gleich auf der Rennbahn. Wohl kaum ein Pferdefreund würde ein Pferd so behandeln.

Pferd: Zweck-Freundschaft oder echte Liebe?Pferd: Zweck-Freundschaft oder echte Liebe?
Bild: Carl Wycoff, flickr.com (bearb.) Bildtitel: Shaker Horses, CC-BY

Das Reitpferd – Schlachttier oder Freund?

So innig die Beziehung aus Reitersicht oft auch sein mag – meist endet sie dann, wenn das Pferd zum Reiten nicht mehr geeignet ist. Es verliert damit den Daseinszweck, der ihm zugedacht wurde.
Auch ein krankes Pferd kann noch viele Jahre leben. Die Haltung auf der eigenen Weide jedoch, ohne Gegenleistung („Gnadenbrot“), ist für viele Pferdehalter zu teuer, so dass sie das Pferd lieber zum Pferdemetzger bringen. Dort bekommen sie oft sogar noch eine Prämie oder sparen sich zumindest die Kosten für das Einschläfern und für die Entsorgung des Körpers.

In der EU werden die meisten Pferde formell als Nutztiere zur Fleischerzeugung gehalten! Der Eintrag wird im „Equidenpass“ des Tieres deklariert und hat fürs Pferd oft schwerwiegende Folgen. Auch in sehr vielen Reitvereinen sind die geliebten Reitpferde formell nicht mehr als Fleischlieferanten. Fragen Sie doch mal nach!

Für Pferdehalter ist es meist bequemer, im Equidenpass einzutragen, dass das Pferd zur Schlachtung bestimmt ist. Denn bei Bedarf (z. B. im Alter) können diese Tiere einfach zum Verzehr getötet werden – ein weiterer „vernünftiger Grund“ ist nicht nötig. Das Pferd als Lebewesen mit eigenem Lebensinteresse spielt hier keine große Rolle.

Gute Behandlung? Nicht für alle Pferde.

Pferde, die zur Fleischproduktion bestimmt sind, erhalten im Krankheitsfall nur bestimmte, zugelassene Medikamente. Damit soll eine Verunreinigung des Fleisches verhindert und die spätere Fleischqualität sichergestellt werden. Im Falle eines Unfalls kann das zum Beispiel bedeuten, dass auf Schmerzmittel verzichtet und das Tier ohne Weiteres zum Pferdemetzger transportiert wird.


Pferde, die „nicht zur Schlachtung bestimmt“ sind, können bestmöglich behandelt werden. Hier dürfen im Notfall alle geeigneten Medikamente genutzt werden („Therapienotstand“). Dafür gibts natürlich keine Schlacht-Prämie und der Tierkörper muss nach dem Tod entsorgt werden. Das geht allerdings auf Kosten des Halters und der entscheidet sich daher meist für die Deklaration als Schlacht-Tier. Auch, weil man die Eintragung – theoretisch – später noch ändern kann.

Pferde, die formell der Fleischerzeugung dienen, können später auch als „nicht zur Schlachtung bestimmt“ umgeschrieben werden. Andersherum ist das nicht möglich. Viele Pferdehalter halten sich daher die Option offen, das Tier später noch umzudeklarieren. Diese Optionierung führt schnell dazu, dass Tiere, die man eigentlich niemals hätte schlachten wollen, angesichts der Behandlungskosten doch beim Schlachter enden.

Weißer Schimmel – nicht immer beliebtTrabender Schimmel
Bild: Andrea & Stefan Bildtitel: Sahira, CC-BY

Freunde benutzt man nicht

Die tiefe Zuneigung vieler Reiter zu ihren Pferden ist ein wundervolles Gefühl. Leider ist es viel zu oft nicht möglich, einem Reitpferd wirklich gerecht zu werden. Menschen neigen dazu, Tieren menschliche Eigenschaften zu geben. Doch wer weiß, was die Tiere wirklich fühlen? Kann ein Stall, eine Weide und viel Liebe die Freiheit eines Pferdes wirklich ersetzen – die Herden und unendliche Weiten?


Ein Besuch beim Pferdeschlachter zeigt, wie viele Pferde sterben, weil ihr Skelett verbogen ihre Hufe entzündet und ihr Wesen verkümmert ist. Weil sie als „Reittier“ geliebt und später einfach entsorgt wurden. Die Liebe zu Pferden kann auch erlebt werden, ohne die Tiere zu benutzen – zum Beispiel in einer der zahllosen Auffangstationen für alte Pferde.

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Kommentare

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Kommentare

#1: METTA
30.08.2019, 19:43 Uhr
Hallo Kilian, danke für den Beitrag ich habe vor Jahren mal öfters einen Gnadenhof für Pferde besucht, da konnte man auch viel Elend sehen und viele Geschichten hören: ich hatte z.B. ein Patenpferd einen großen Rappen ( Friese) der früher für eine Pferdeshow verwendet wurde und dann abgestoßen wurde, als er nicht mehr so konnte wie verlangt wurde. Ein anderes Pferd war am Anfang aggressiv gegen Frauen, weil ihn wohl seine Besitzerin übel behandelt hat und so weiter….. Viele Hobbyreiter machen sich beim Kauf eines Pferdes wahrscheinlich zu wenig Gedanken darüber , was an Kosen auf sie zukommen kann, wenn ein Pferd krank wird, das ist wahrscheinlich erheblich mehr als bei Hund oder Katze, und da kann es ja auch schon teuer werden. Und was die Rennerei oder die Kunstreiterei betrifft, sieht man ja oft bei Turnieren oder Rennen, was das für Folgen für die Pferde haben kann… :-( Lieben Gruß METTA
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