Veganer Minimalist: Christof Herrmann im Interview


Christof Herrmann
Veganer Wanderer
Bild: privat
Christof Herrmann ist Blogger und Autor von Wanderführern. Seinen ehemals gut bezahlten Job als Programmierer hat er vor Jahren an den Nagel gehängt und sein Auto und zahllose weitere Gegenstände verkauft, um sich auf eine minimalistische Lebensweise zu konzentrieren.
„Weniger Dinge zu besitzen, bedeutet für mich mehr Zeit, mehr Geld, mehr Platz und mehr Möglichkeiten zu haben“, schreibt er auf seiner Seite. Dort berichtet er auch über seine Touren, liefert Wandertipps – und wunderschöne Fotos. Im Interview erzählt der vegane Wanderer, warum er mittlerweile vegan lebt.

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Vegpool: Hallo Christof, in Deinem Blog schwärmst Du vom Gefühl, einfach und bewusst zu leben. Was verstehst Du darunter?

Christof Herrmann: Hallo Kilian! Einfach oder minimalistisch zu leben, bedeutet für mich, sich vom materiellen Überfluss, negativen Beziehungen und unnötige Verpflichtungen zu befreien. Bewusst oder nachhaltig zu leben, bedeutet für mich, heute so zu agieren, dass unsere Welt morgen für möglichst viele Menschen lebenswert ist. Minimalismus und Nachhaltigkeit gehören meiner Meinung nach zusammen und können bei der Lösung vieler Probleme helfen. Deswegen blogge ich darüber.

Veganer Wanderer: „Ich habe diesen Schritt keine Sekunde bereut“

Vegpool: Seit Anfang 2014 ernährst Du Dich vegan. Wie kam es dazu?

Christof Herrmann: Ich bin Anfang 2012 aus ethisch-moralischen Gründen Vegetarier geworden. Nach und nach ist mir klar geworden, dass ich als Vegetarier ebenfalls Leid und Tod vieler Tiere verursache. Kälbchen werden nach der Geburt von der Mutter getrennt und geschlachtet. Männliche Küken von Legehennenrassen werden bei lebendigem Leib zerschreddert, weil sie wirtschaftlich nicht nutzbar sind. Ich habe diesen Schritt keine Sekunde bereut. Ganz im Gegenteil genieße ich diese neue Lebensgefühl. Und dass man als Veganer nichts mehr essen kann oder Mangelerscheinungen bekommt, ist ein Mythos. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall, wenn man nicht nur Süßes und Weißmehlprodukte isst. Ich lebe heute jedenfalls vielfältiger und gesünder als je zuvor.

Berghütten: Haben selten veganes Angebot.
Berghütten: Haben selten veganes Angebot.
Bild: Christof Herrmann

Vegpool: Du legst ganz schöne Strecken zu Fuß zurück. Was nimmst Du als veganen Proviant mit?

Christof Herrmann: Wenn ich eine Tagestour mache, picknicke ich gerne. Dann schöpfe ich aus dem Vollen und habe zum Beispiel Kichererbsenpüree, Taboulé und Energieriegel – allesamt selbstgemacht – dabei. Auf Fernwanderungen muss ich schauen, was es im Supermarkt vor Ort gibt. Obst, Gemüse, Salat, Vollkornbrot, Nüsse, getrocknete Früchte, etwas aus Tofu oder Hülsenfrüchte und vegane Schokolade gibt es eigentlich immer.

Wandern in abgelegenen Gegenden? Veganen Proviant selbst mitnehmen!

Vegpool: Wie gut ist die vegane Versorgung unterwegs, zum Beispiel in Gasthöfen und Pensionen?

Christof Herrmann: Schlecht! Wer in bestimmten Szenevierteln in der Großstadt lebt, mag fast glauben, dass sich mittlerweile halb Deutschland pflanzlich ernährt. Auf dem Land oder in den Bergen, wo die Wanderwege ja meist entlangführen, ist das Gegenteil der Fall: In den meisten deutschen Wirtschaften gibt es nicht ein einziges veganes Gericht. Man hat aber drei Chancen, nicht hungrig weiterzugehen. 1. Man stellt sich ein paar Beilagen aus Kartoffeln, Gemüse und Salat zusammen. 2. Man fragt nach, ob der Koch einem nicht etwas rein Pflanzliches – der Begriff vegan wird oft nicht verstanden – machen kann. 3. Man trinkt sieben Bier, die ja bekanntlich ein Schnitzel sind.

Vegpool: Mal zu den Schuhen: Vegane Wanderschuhe sind ja nicht immer leicht zu finden. Hast Du vegane Wanderschuhe? Welche Wanderschuhe kannst Du Veganern empfehlen?

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Christof Herrmann: Meine Wanderschuhe sind aus Leder. Als ich sie gekauft habe, war ich noch kein Veganer. Ich werde sie tragen, bis sie kaputt sind und mir dann vegane Schuhe zulegen. Auf meinen Touren habe ich für Hütte und Stadtbummel auch ein Paar Sole Runner T1 Allrounder dabei. Das sind federleichte Barfußschuhe, die für Veganer geeignet sind und ich empfehlen kann.

Minimalismus bedeutet nicht, von Erspartem zu leben oder nicht zu arbeiten

Vegpool: Trotz aller Einfachheit: Ganz ohne Geld klappt's doch auch nicht. Lebst Du von Angespartem oder wie verdienst Du Deinen Lebensunterhalt?

Christof Herrmann: Minimalismus bedeutet doch nicht, von Erspartem zu leben oder nicht zu arbeiten. Man beschränkt sich nur auf Sachen, die einem wichtig sind und die man gerne macht. Deswegen habe ich auch meinen Job als Programmierer an den Nagel gehängt. Ich arbeite seitdem als freier Autor. Mein erster Wanderführer ist bereits auf dem Markt, zwei weiteren folgen in den nächsten Monaten.

Vegpool: Was steht bei Dir als nächste Tour an?

Christof Herrmann: Im Sommer werde ich die Alpenüberquerung Salzburg-Triest machen. Vier Wochen werde ich aus einem 28-Liter-Rucksack leben, von Hütte zu Hütte wandern und die Berge und Freiheit genießen. Bin schon gespannt wie es mit der veganen Verpflegung in den Berghütten ausschaut. Werde zur Sicherheit stets Proviant für ein oder zwei Tage dabei haben.


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