Argumenten-Check

Ist Veganismus eine Ersatzreligion?


Veganer behaupten zwar, sie wollten etwas gegen Tierausbeutung, Umweltzerstörung und Zivilisationskrankheiten tun... doch eigentlich wollen sie sich nur selbst besser fühlen. Sie sind auf der Suche nach "Richtig" und "Falsch" und wollen sich durch ihre Lebensweise über andere Menschen stellen. Im Grunde ist Veganismus nur eine Ersatzreligion.
So zumindest lautet ein verbreitetes Vorurteil. Doch was steckt wirklich dahinter?

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In der Tat: Es gibt wohl auch unter den Veganern sehr viele Menschen, die danach streben, ein zufriedenes Leben zu führen. Ohnehin gehen Psychologen davon aus, dass wir Menschen zu echtem Altruismus (also zu rein selbstlosem Handeln) gar nicht in der Lage sind. Alles was wir tun, wird demnach zumindest durch die Hoffnung auf ein gutes Gefühl angefeuert. Oder durch die Hoffnung, schlimmeres Leid für uns selbst zu verhindern.

Ein solches Gefühl könnte sein, sich nach guten Argumenten zu richten und sich dadurch "besser" zu fühlen. Es könnte im Gegenteil auch das Gefühl sein, die Veganer und ihre eigentliche Motivation ("Ersatzeligion") durchschaut zu haben. Oder aus Angewohnheit Fleisch zu essen und die guten Gegen-Argumente zu ignorieren, aus der Sorge, im sozialen Umfeld sonst ausgeschlossen zu werden.

Vegan leben - für uns und für andere

Auch wenn wir handeln, um uns selbst gut zu fühlen, hat unser Tun auch Einfluss auf andere Menschen, auf Tiere und Umwelt. Und: Die guten Argumente für eine vegane Ernährung werden nicht schlechter, wenn sie auch uns selbst ein besseres Gefühl verleihen können. Sie werden dadurch eher besser.

Ein erhobener Zeigefinger (hier: Statue des Paulus)
Du sollst Dich nicht besser fühlen als ich!
Bild: Allie_Caulfield, flickr.com (bearb.), CC-BY

Es ist sicherlich wahr, dass sich auch Veganer gut fühlen und sich nicht für Umwelt und Tiere aufopfern möchten.
Der Begriff einer "Ersatzeligion" kann man in diesem Zusammenhang getrost dem Reich der Plattitüden zuordnen. Allein schon deshalb, weil eine Ersatz-Religion eben keine Religion ist. Viel eher gleicht die reflexartige Verdrängung und Herabwertung von rationalen, pro-veganen Argumenten einer Ideologie (Siehe Karnismus, die Ideologie hinter dem Fleischverzehr). Die Verdrängung geschieht auch hier offenbar mit dem Ziel, sich besser zu fühlen.

Kurz gesagt: Jeder handelt, um sich besser zu fühlen. Zeit also, sich um stichhaltige Argumente zu kümmern.

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Die Aussage, Veganer wollten sich "nur" selbst besser fühlen, dient dazu, die offensichtlichen Vorteile der veganen Lebensweise für Tiere und Umwelt als rein "egoistisch" darzustellen und damit abzuwerten. Dies ist auch eine häufig genutzte Methode des Rabulismus (also der fragwürdigen Kunst, in Diskussionen immer Recht zu behalten).
Doch auch wer vegan lebt, um sich selbst besser zu fühlen, tut damit - ganz nebenbei - viel Gutes für seine Gesundheit, für Tiere und Umwelt. Vorteile, von denen man selbst nicht unbedingt etwas hat.


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