Berechnung

Wie für vegetarische Produkte Tiere sterben

Veröffentlichung:
3 verschiedene TofusortenFür diese Tofusorten werden zum Glück keine Tiere geschlachtet.
Bild: K/Vegpool


Der Trend zu einer fleischfreien Ernährung hält seit vielen Jahren an. Auch große Lebensmittel-Hersteller haben den Trend längst erkannt und haben eigene vegetarische und vegane Produkte entwickelt. Sogar große Fleischkonzerne gehören inzwischen zu den Herstellern fleischloser Lebensmittel.
Doch wer vegetarisch isst, um die Tötung von Tieren nicht zu fördern, der sollte in vielen Fällen auch die vegetarischen Produkte liegen lassen. Warum das so ist, erfahren Sie in diesem Artikel.

Für vegetarische Produkte wie Aufschnitt, Würstchen und Co sterben mithin sogar mehr Tiere als für Produkte aus Fleisch. Was zunächst unglaublich klingt, lässt sich recht einfach erklären:

Für vegetarische Produkte sterben oft mehr Tiere

Ein großer Teil der vegetarischen Produkte, die in den Supermarkt-Regalen zu finden sind, basieren auf Ei. Die Erzeugung von Eiern ist jedoch unweigerlich mit der Tötung von Küken und "Legehennen" verbunden. Männliche Küken eignen sich natürlich nicht als Legehenne, sind aber aufgrund ihrer Züchtung auch nicht für die Fleischerzeugung zu gebrauchen. Sie werden in den meisten Fällen direkt nach dem Schlüpfen getötet. Unzählige Tiere sterben so jedes Jahr auch in deutschen Brütereien.

Hahn - seltener Anblick in der EierproduktionHähne überleben in der Eierindustrie fast nie
Bild: joe06wds Bildtitel: Peter Hahn, CC-BY

Obwohl sich gegen diese Praxis schon seit vielen Jahren Protest regt, hat der Gesetzgeber das "Küken-Schreddern" noch nicht verboten. Auch die Legehennen, die schon nach wenigen Monaten völlig ausgemergelt sind, werden früh getötet - um so zumindest noch als Suppenhuhn verwertet werden zu können. Die Tötung geht gewissermaßen direkt auf das Konto der Ei-Verbraucher. Wer nicht möchte, dass Tiere für ihn getötet werden, der findet in Hühnereiern (und daraus hergestellten Produkten) leider keine Alternative.

Rechnung: Warum für vegetarische Produkte manchmal mehr Tiere sterben

Für vegetarische Produkte, die auf Basis von Eiklar aus Hühnereiern hergestellt werden, müssten womöglich sogar mehr Tiere sterben als für Produkte aus Fleisch. Die zugrunde liegende Rechnung ist einfach:

Ein geschlachtetes Schwein "liefert" ungefähr 80 Kilo Fleisch. Ein mittleres Hühnerei wiegt etwa 70 Gramm und enthält ca. 40 Gramm Eiklar, den Rohstoff für einige vegetarische Produkte.
Um 80 Kilo Eiklar zu gewinnen benötigt man also 2000 Eier (80.000/40).

So viele Eier müssen erst einmal gelegt werden. Doch die Rechnung geht noch weiter. Denn wir fragen uns ja, wie viele Tiere nun für die selbe Menge Eiklar sterben.

HühnereierAuch für Eier werden Tiere getötet.
Bild: Justus Blümer , CC-BY

Ein Huhn lebt in der industriellen Legehaltung ungefähr 1,5 Jahre und erreicht die Geschlechtsreife (Legereife) mit etwa 5 Monaten. Das Huhn legt also 13 Monate lang Eier, bevor seine Leistung nachlässt und es als Suppenhuhn endet.
Die Legeleistung einer Hybrid-(Inzucht-)-Legehenne liegt bei etwa 300 im Jahr, also bei ca. 25 im Monat. In ihrem Leben legt eine Henne in einer klassischen Lege-Fabrik also durchschnittlich 325 Eier. In 2000 Eier fließt also gewissermaßen die gesamte Legeleistung von mehr als sechs Hennen.

Welche Rechnung ist denn nun korrekt?
Andere Rechnungen (z. B. von Stern-Journalist und Veganer Derik Meinköhn) gehen sogar von 11 Hennen aus, die für vegetarische Produkte ein Schwein "ersetzen". Grund ist wohl, dass von einem höheren Fleischertrag pro Schwein ausgegangen wurde. Letztendlich dienen solche Berechnungen aber nur einem Zweck: Aufzuzeigen, wie viele Tiere eben auch für manch ein vegetarisches Produkt sterben.

Zum Glück gibt es tierfreundliche und schmackhafte Alternativen

Die Rechnung bedeutet natürlich nicht, dass es besser wäre, ein Schwein zu töten und wieder Fleisch zu essen. Sie führt aber deutlich vor Augen, dass vegetarische Produkte nicht zwingend tierfreundlicher sind - ja sogar mehr Tiere töten könnten. Es gibt also gute Gründe für Tierfreunde, einen kritischen Blick auf die Zutatenliste von fleischlosen Fleischalternativen zu werfen. Inzwischen gibt es ein breites Sortiment an veganen Produkten, die genau so schmecken wie Fleisch, ohne dass ein Tier dafür sterben müsste. Zum Glück ist es ganz einfach, vegan zu werden.

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Vegane Würstchen und Fleischalternativen basieren meist auf Seitan (Weizenprotein) oder Tofu (Sojaprotein). Sie sind nicht nur tierfreundlich, sondern auch noch deutlich ökologischer. Denn so können Ackerflächen direkt für die Erzeugung von Lebensmitteln genutzt werden, statt für den Anbau von Futtermitteln für Tiere.

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Kommentare

#4: Moby
12.08.2016, 08:01 Uhr
Fortsetzung: Die Kuh wird künstlich befruchtet, um ein Kalb zu gebähren - Und um wiederum Milch zu geben, die man selbst nutzen will, und somit das Kalb tötet, da man ür Dieses keine Milch übrig lassen will - Esseidenn, es ist weiblich, dann geht es denselben Weg wie seine Mutter, und darf noch eine Zeitlang streng dosiert "Unsere" Milch trinken. Für jede geborene Milchkuh (Äquivalent zur Legehenne) stirbt also statistisch 1 (Männl.) Kalb, welches ebenso ungeeignet zum Durchfüttern ist, während die Milchkuh nach 2-3 Würfen, die nur der Milchproduktion dienen, ebenfalls ausgedient hat, wie auch die Legehenne. Nur dass hier die Kuh dabei noch ca. 6 Jahre alt werden kann. (Nebenbei ein techn.Hinweis: "Bitte korrigieren Sie die URL (http://...) oder lassen Sie das Feld frei." Überflüssige Schikane!)
#3: Moby
12.08.2016, 07:59 Uhr
Für Vegetarier Ganz informativ & verständlich geschrieben; & auch für mich war auch die genauere Errechnung noch eine wertvolle neue Info. Bei der Errechnung der 6 Hennen jedoch, habt ihr leider versäumt, die selbe Menge nochmal Männl.Küken zu betonen. Das wurd im Kontext dann regelrecht ignoriert. Selbst als das Thema auf die Rechnung mit 11(!) Hennen zu sprechen kam. Ihr werft die Frage in den Raum, ob es nun 6, oder fast doppelt soviel: 11 Hennen sind. Es sind ohnehin mind. doppelt so viele HÜHNER. Also müsen wir von 12-22 Hühnerleben pro Schweineleben ausgehn. Ferner geht ihr im folgenden Absatz leider direkt zu den Alternativen über & versäumen die günstige Gelegenheit, in einem weiteren Abschnitt zu erwähnen, dass es bei der Milch ähnlich läuft: (Es wird quasi suggeriert, dass eine "Lakto-Vegetarische" Ernährung ebenfalls die Ideal-Lösung wär.)
#2: Hans Gerodetti
17.07.2016, 22:18 Uhr
Die einfachste Lösung: Nur noch vegan essen!
#1: robert
17.07.2016, 17:49 Uhr
"Inzwischen gibt es ein breites Sortiment an veganen Produkten, die genau so schmecken wie Fleisch, ohne dass ein Tier dafür sterben müsste." Warum muss vegetarische / vegane Kost wie Fleisch schmecken?
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