Verwahrlosung ist keine Form von "veganer Ernährung"

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Nochmals: Verwahrlosung ist nicht dasselbe wie "vegane Ernährung".Nochmals: Verwahrlosung ist nicht dasselbe wie "vegane Ernährung".
Bild: K/Vegpool / Screenshot


Alle paar Monate erscheinen in der deutschen Presse reißerische Meldungen über Kinder, die dem Anschein nach aufgrund "veganer" Fehl-Ernährung ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten, oder deren Eltern deshalb verurteilt wurden. Ein Kommentar von Kilian Dreißig.

Die Überschriften der Skandal-Meldungen lauten etwa so:

  • "Gericht verurteilt Eltern wegen veganer Ernährung der Tochter" (Spiegel Online)
  • "Tochter streng vegan ernährt – Eltern verurteilt" (Der Tagesspiegel)
  • "Eltern wegen streng veganer Ernährung des Kindes verurteilt" (Zeit)
  • "Elternpaar wegen streng veganer Ernährung der Tochter verurteilt" (Süddeutsche)
  • ...

Das Wissen über die vielen Fälle, in denen Kinder von ihren Eltern nicht ausreichend Fürsorge erhalten, macht mich - wie wahrscheinlich jeden halbwegs empathischen Menschen - traurig.

Und der öffentliche Druck für politische Veränderung fehlt weiterhin.

Stattdessen findet in der Presse regelmäßig eine reißerische Hetzjagd gegen Veganer statt, und insbesondere gegen vegane Eltern. Da werden Zusammenhänge erfunden und frei interpretiert... Hauptsache irgendwas mit "vegan".


Wenn ein Kind unter Verwahrlosung leidet und bloß Kartoffelchips bekommt, dann bleibt das auch Verwahrlosung und wird nicht plötzlich zur "streng veganen Ernährung". Auch wenn Kartoffeln zugegebenermaßen pflanzlich sind.

Doch gute Arbeit ist vielen Journalisten offenbar zu billig. Wo liest man schon über die tausenden nicht-vegan ernährten Kinder mit Übergewicht, allein in Berlin, die auf ein Leben mit Diabetes Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs vorbereitet werden?

Übergewicht ist eine Folge von Fehlernährung. Eine Folge, die die Lebenserwartung drastisch senkt. Man darf davon nicht ablenken. Doch genau das tun konstruierte "Vegan"-Artikel.

Interessant wird Verwahrlosung offenbar erst, wenn man sie mit "streng vegan" in Verbindung bringen kann. Das klingt nach fiesen Eltern, nach karger Kost, nach Ideologie. Es bestätigt die Leser vor ihrem Wurstbrötchen darin, dass sie und ihre dicken Kinder ja alles richtig machen. Bloß nicht mehr Gemüse - könnte ja auch "streng vegan" sein. Bloß nicht zu radikal (so wertfrei dieser Begriff in dieser verrückten Welt auch ist).


Und nein: Am Thema "vegane Fehlernährung bei Kindern" toben sich nicht nur die Boulevard-Blätter aus. Auch Spiegel Online, Zeit und Süddeutsche Zeitung machen bei der Hetze gegen vegane Eltern offenbar nur zu gerne mit.

Auch wenn es sich um eine haarsträubende Agenturmeldung vom anderen Ende der Welt handelt, nutzen unanständige bis bösartige Schreiberlinge die verbreiteten Vorurteile in der Gesellschaft nur zu gern. Kostenlose Reichweite - da kann man offenbar nicht einfach Anstand walten lassen.

Wir haben das Thema auf Vegpool oft genug behandelt. Doch was helfen schon Zahlen und Fakten, wenn die Leser doch Emotionen wollen?

Was hilft das Wissen, dass inzwischen selbst Kinder "Altersdiabetes" bekommen, weil sie mit Tierprodukten und Fertigfraß vollgestopft werden? Dass Kinder mit Übergewicht auf ein Leben mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs vorbereitet werden? Dass die WHO offiziell vor einem Mangel an Obst und Gemüse - und vor zu viel rotem Fleisch - warnt?


Das sind nicht Einzelfälle vom anderen Ende der Welt. Anders als bei den konstruierten Vegan-Artikeln geht es hier tatsächlich um die Ernährung.

Ja, natürlich stillen vegane Mütter ihre Kinder. Jap.

Es wäre die Arbeit der Journalisten, die Fakten zu präsentieren. Oder Artikel auszulassen, die nur mit Biegen und Brechen zu einem "Vegan"-Thema werden.

Denn haarsträubende Artikel machen immun für die wirklich wichtigen Themen. Was, wenn es wirklich Neuigkeiten gäbe, die auch für vegane Eltern relevant sind? Würden wir einfach darüber hinweg lesen, weil wir es gewohnt sind, dass sensationsgierige Journalisten uns gequirlten Senf auftischen?

Ich kann veganen Eltern nur raten, sich weiterhin an die wissenschaftlich fundierten Fachkanäle zu halten und sich vom künstlichen Spektakel der Presse nicht beirren zu lassen.

Falschmeldungen und konstruierte Skandale schaden nicht bloß "den Veganern". Sie schaden Allen, die an Tatsachen interessiert sind.

Autor:
4,8/5 Sterne (50 Bew.)
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