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Warum ist Sojamilch eigentlich so teuer?


Manchmal gilt die vegane Lebensweise als extravaganter Lebensstil, den sich nur Menschen mit viel Geld leisten könnten. Dieser Eindruck kann entstehen, wenn man sich die Preise ansieht, die für viele vegane Lebensmittel verlangt werden - darunter auch Sojamilch. Oft sind vegane Alternativ-Produkte 50-100% teurer als ihre tierischen Pendants. Doch wie kann das eigentlich sein?

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Eine vegane Lebensweise ist die kostengünstigste Lebensweise - wenn man auch die "versteckten Kosten" der Tierproduktion in die Berechnung mit einbezieht. Darunter Klimaerwärmung, Urwaldzerstörung, Verschmutzung der Weltmeere und auch die zunehmenden Zivilisationserkrankungen, die das Gesundheitssystem belasten. Es sind tatsächliche Kosten. Im Supermarkt oder Discounter sieht es aber genau umgekehrt aus: Sojamilch kostet dort oft deutlich mehr als Kuhmilch.

Eigentlich ist es verkehrt, von "versteckten Kosten" durch Tierprodukte zu sprechen - denn viele Schäden sind auch heute schon sehr deutlich erkennbar. Auch die zukünftigen Folgen (z. B. Flüchtlingsströme aufgrund des Klimawandels, Kriege (auch in Europa) und soziale Unruhen) sollten beim Kauf von Tierprodukten eigentlich mit berücksichtigt werden. Tatsächlich werden diese realen "Kosten" schlicht verdrängt.

Billige Tierprodukte sind teuer für Alle

Es sind reale Probleme, die mit Geld nicht immer zu beheben sind und die nicht nur die Verursacher allein, sondern alle Bewohner auf der Erde (und kommende Generationen) treffen. Darunter auch Menschen in Ländern, in denen kaum Tierprodukte verzehrt werden. Würde man nur die heute abschätzbaren, volkswirtschaftlichen Kosten im Preis der tierischen Lebensmittel einkalkulieren, müssten diese etwa das 10-20-fache dessen kosten, was man heute an der Kasse bezahlt. Selbst für Bio-Tierprodukte bezahlt man an der Kasse heute nur den Bruchteil des wahren Preises. Das Leid der Tiere bleibt natürlich auch dann unberücksichtigt.

Sojamilch besteht im Grunde aus Soja und Wasser
Sojamilch besteht im Grunde aus Soja und Wasser
Bild: K/Vegpool

Tierprodukte sind die Hauptverursacher der drängendsten ökologischen Probleme - und ließen sich doch so einfach vermeiden (Veganer werden). Auch deshalb, weil es sehr gute, pflanzliche Alternativprodukte gibt, bei denen man auf nichts verzichten muss. Doch diese wirken eben - auf den ersten Blick - manchmal etwas teurer.
Die Preise für vegane Lebensmittel sind dabei keinesfalls immer höher... wer sich ohne Fertig- und Alternativprodukte ernährt, kann als Veganer sogar viel Geld sparen.

Sojamilch oft mehr als doppelt so teuer wie Kuhmilch

Beim Vergleich zwischen Sojamilch und Kuhmilch fällt auf, dass Sojamilch oft mehr als das Doppelte kostet. Und das, obwohl Soja doch eigentlich eines der billigsten Nahrungsmittel überhaupt ist - schließlich werden 95% der weltweit angebauten Soja als Futtermittel an "Nutztiere" verfüttert.

Der Preis für Sojamilch wirkt auch deshalb überzogen, weil in einem Liter (je nach Hersteller) nur etwa 50-100 Gramm Soja stecken, während für einen Liter Kuhmilch deutlich mehr Soja verfüttert werden müsste (in der Praxis wird natürlich nicht nur Soja verfüttert). Ansonsten bestehen Kuh- und Sojamilch weitestgehend aus Wasser.
Wie entsteht also der Wert von Sojamilch?

Sojamilch: Selbst herstellen spart Geld

Tatsächlich wäre Sojamilch deutlich billiger, wenn man sie selbst herstellt. Ein Kilo Bio-Sojabohnen kostet für Endverbraucher etwa 3-4 Euro. In einem Liter Sojamilch sind 50-100 Gramm enthalten - der Wareneinsatz beträgt also etwa 15-40 Ct. pro Liter. Dazu kommen die Kosten für Wasser und Strom, sowie für die Anschaffung der nötigen Ausstattung (z. B. Sojamilchbereiter) und für die Lagerung. Auch die eigene Arbeitszeit müsste man natürlich einkalkulieren.

Dass Selbermachen meistens billiger ist, ist bekannt. Allerdings stellt sich in diesem Zusammenhang ja eher die Frage, warum handelsübliche Sojagetränke so teuer sind.
Ein Teil des Geldes für die Herstellung von Sojamilch wird für die Zutaten verwendet. Die meisten Sojamilch-Hersteller in Deutschland verwenden Soja aus biologischem Anbau - dies trifft meistens auch auf die Sojadrinks von Discountern zu. Einige Hersteller beziehen einen Teil ihrer Soja aus Europa und fördern damit einen regionale(re)n Anbau.

Bio-Siegel auf einem Produkt
Beim Vergleich auch die Qualität berücksichtigen
Bild: K/Vegpool

Bio-Soja ist mit konventionellen Futtermitteln nur schwer zu vergleichen. Unter anderem deshalb, weil Bio-Soja frei von Gentechnik sein muss - und daher in vielen Gegenden der Welt gar nicht mehr angebaut werden kann. Zu groß wäre der Schaden durch eine Kontaminierung durch das Nachbarfeld (der Futtermittel-Anbau öffnet der Gentechnik Tür und Tor). Einige Hersteller züchten zudem spezielle, für Lebensmittel gut geeignete Sojabohnen und lassen diese von Vertragsbauern anbauen, anstatt auf dem Weltmarkt einzukaufen. Auch das treibt den Preis nach oben.

Bio-Sojamilch mit Bio-Kuhmilch vergleichen

Da die meisten Hersteller Bio-Sojamilch erzeugen, erhält man fast überall Bio-Sojamilch. Wer Kuhmilch mit Sojamilch vergleichen möchte, sollte hier also auch die Produktqualität und -Zertifizierung vergleichen. Ein Liter Bio-Milch kostet beim Discounter Aldi Süd derzeit ca. 1,15 Euro. Der dort verfügbare Sojadrink kostet ca. 90 Ct.

Bei einigen Soja-Produkten handelt es sich zudem um Markenprodukte, die nach besonderen Unternehmensstandards hergestellt werden und auch ein Lebensgefühl vermitteln. Diese Produkte sollte man ebenfalls mit der entsprechenden Produktklasse bei den Tierprodukten vergleichen.

Sojamilch wird steuerlich mehrfach benachteiligt

Tierprodukte wären deutlich teurer als pflanzliche Produkte, wenn die Rohstoff-Preise gleich wären und es keine staatliche Förderung gäbe. Praktisch jeder landwirtschaftliche Betrieb (auch für den Anbau von Pflanzen) erhält zwar Subventionen, doch nach Berechnungen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sind die Subventionen für Massentierhaltungen deutlich höher. Kein Wunder, dass Milchprodukte so billig sind. Kleine, bäuerliche Betriebe erhalten vergleichsweise wenig staatliche Unterstützung.

Laktoseintoleranz
Laktoseintoleranz zeigt auch, dass Milch keine Menschennahrung ist
Bild: Dave_Pot, Fotolia.com

Dazu kommt, dass Verbraucher für Kuhmilch nur 7% Mehrwertsteuer bezahlen, während es für Sojadrinks mit 19% mehr als das Doppelte ist. Und das, obwohl Sojamilch auch aus gesundheitlicher Sicht viele Vorteile gegenüber Kuhmilch hat (angefangen bei der Tatsachee, dass etwa 75% der Weltbevölkerung gar keinen Milchzucker vertragen).

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Nicht zuletzt gelten Sojadrinks immer noch oft als "Alternative" zu Kuhmilch, also als eine Art Ersatz. Mit Sojamilch wird weniger Geld umgesetzt und die Produktionsmengen sind geringer als bei Kuhmilch. Kleinere Produktionsstrukturen treiben den Preis ebenfalls nach oben.

Gewinn und Vermarktung als Trend-Getränk

Nicht zuletzt verfolgen die Hersteller von Sojamilch natürlich auch ein wirtschaftliches Interesse. Wer Sojamilch produziert, möchte mit Sojamilch auch Gewinn einfahren. Und da Sojadrinks immer noch gut als "Spezial"-Lebensmittel verkauft werden können, lässt sich gute Gewinnmarge kalkulieren - entsprechendes Marketing vorausgesetzt. Dadurch haben auch die Lebensmittelhändler einen Anreiz, die Sojaprodukte in ihre Regale aufzunehmen.

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Und nicht zuletzt werden viele Sojadinks nicht nur als Kuhmilch-Ersatz für Veganer vermarktet, sondern als fettarme aber hochpreisige Lifestyle-Produkte, die sich an Sportler und figurbewusste Menschen richten. Das ist übrigens ein Hauptgrund dafür, dass Sojagetränke in vielen europäischen Ländern auch in Gegenden zu finden sind, in denen Veganismus selbst ganz unbekannt ist.

Eins ist aber gewiss: Mit dem Wachstum des Marktes für vegane Sojadrinks (und andere Pflanzendrinks) werden auch die Preise fallen. Während Sojamilch vor einigen Jahren noch knapp 2 Euro pro Liter gekostet hat, erhält man einfache Produkte inzwischen für 90 Cent. Das ist nicht nur aus ökologischer und volkswirtschaftlicher Sicht billiger als Kuhmilch - sondern auch auf dem Preisschild.


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Kommentare

Alex
Kommentar #3 31.07.2017, 19:54 Uhr
Gleich vorweg, ich bin kein Veganer, trinke aber Sojamilch gerne als pflanzliche Proteinqulle, da ich Sportler bin.

Warum Sojamilch teurer als "normale" Mlich sein sollte konnte ich noch nie verstehen. In Österreich ist die Diskounter-Milch übrigens sogar günstiger als normale Milch, trotzdem noch immer viel zu teuer. Noch spannender, die Diskounter-Mlich wird sogar vom gleichen Hersteller produziert wie die Luxus 2-3-Euro Sojamilch, absolute abzocke.

Warum Vegane Produkte Bio und Gentechnik frei sein müssen ist auch unlogisch. Biologische Landwirtschaft ist alles andere als Nachhaltig und ein weiteres Luxus-Segmenter der Lebensmittelindustrie.

Anyway, ich mag Sojaprodukte und hoffe das sie irgendwann, wenn die Hippies mit Ihren Rette-die-Welt durch Veganismus Murks fertig sind, auch günstiger werden. Wer freiwillig mehr bezahlt wird auch ausgenutzt, so ist das halt in der Wirtschaft.

Luke
Kommentar #2 08.06.2017, 11:53 Uhr
"Laktoseintoleranz zeigt auch, dass Milch keine Menschennahrung ist" was soll dieser Blödsinn! Es gibt auch genug Menschen die Soja nicht vertragen. Wenn man jeden mitzählt der von Soja pupsen muss oder der ähnlichem, dann kommt man ebenso auf eine Zahl, wie die bei den Menschen mit Laktoseintoleranz. Denn bei den 75% ist bestimmt auch jeder mitgezählt worden der von Kuhmilch pupsen muss.

Es tut mir leid, aber ich finde diesen Artikel sowas von einseitig!
Aber was anderes ist ja nicht zu erwarten, wenn die Seite "vegpool.de" heißt!

mfg
Luke

Andrea V Rupp
Kommentar #1 11.03.2016, 22:38 Uhr
Ich finde wir sollten uns von der Geiz ist geil Mentalität verabschieden und lieber auf Qualität achten. Sojamilchfür 90 Cent würde mich schon fast alamieren, schliesslich lasse ich mich ungerne von der Industrie verschaukeln.
90 Centfür 1 Liter Sojamilch, wer ist da der Produzent, ist die überhaupt Bio, oder bekomme ich für diesen Preis die Gentechnik mit geliefert?
Will ich schuld sein, wenn immer mehr biovegane Betriebe aufgeben müssen und will ich den Dreck aus den USA trinken oder essen?
Nein und nochmals nein! Als Veganerin habe ich schliesslich auch eine politische Verantwortung

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