Mailserie: Veganer Ökostrom

Argumente

Warum Veganer (leider) keine Nutztiere retten


Für viele Veganer ist der Tierschutz der wichtigste Gründ für ihre vegane Lebensweise. Diese Veganer möchten Tiere nicht quälen, sie nicht ausbeuten und töten - und dies daher auch nicht an der Kasse im Supermarkt in Auftrag geben. Tatsächlich ist die vegane Lebensweise der effektivste Weg gegen die qualvolle, systematische Ausbeutung von Tieren, die aus wirtschaftlichen Gründen zu "Nutztieren" deklariert wurden. Der Gedanke ist klar: Wenn man keine Tierprodukte kauft, bezahlt man nicht dafür, dass Tiere ihrer Produkte halber leiden müssen.
Und doch retten Veganer allein durch ihre Lebensweise kein einziges Nutztier.

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Der Grund, warum Veganismus allein keine Nutztiere rettet, ist eigentlich einleuchtend, wenn auch etwas deprimierend: Die Tiere, die heute bereits leben, werden mit größter Wahrscheinlichkeit getötet. Durch staatliche Subventionen und die gleichzeitig sehr hohen, einkalkulierten Anteile an "Ausschussware" spielt der Boykott durch Veganer in der Tierindustrie praktisch keine wirtschaftliche Rolle. Heute werden schon etwa 30% aller Schweine nach der Schlachtung ensorgt. Auf so viele Tierprodukte kann man als Veganer gar nicht verzichten.

Industrielle Tierhaltungen werden großzügig mit Subventionen aus Steuergeldern unterstützt - auch vegane Steuerzahler bezahlen mit. Die Auswirkungen von Veganern sehen Marketing-Experten eher in ihrer (partiellen) Meinungshoheit und in ihrer Rolle als "Multiplikatoren". Die rein wirtschaftliche Boykottwirkung selbst ist für Unternehmen der Fleischindustrie wohl kaum messbar. Anders sieht dies natürlich für kleine, vegane Unternehmen aus, die auf jeden Kunden zählen

Veganismus rettet wohl kein einziges Nutztier

Nutztiere werden nur dann gerettet, wenn sie aus der Tierhaltung freikommen, zum Beispiel, weil sie von Tierschützern aufgenommen werden und ihren Lebensabend auf einem Lebenshof genießen können. Die vegane Lebensweise an sich rettet also mit höchster Wahrscheinlichkeit kein einziges Nutztier.

Lebendes Huhn
Veganismus rettet leider auch keine Hühner
Bild: jans canon (bearb.), CC-BY

Sicher - es ist ein schöner Gedanke, dass Veganismus zumindest die Tiere der Zukunft rettet, weil die Züchtung wegen sinkender Nachfrage eingestellt wird. Und doch stellt sich hier die Frage, ob ein Tier, das erst zukünftig geboren werden könnte, überhaupt ein Tier ist. Es ist ein Tier, das nicht existiert - also kein Tier. Zumindest wenn man nicht von Tierseelen und Wiedergeburten ausgeht.

Fleisch oder nicht - sollten Kinder selbst entscheiden?
Ja
Nein

Die Frage nach dem Wert des Tierlebens

Es grenzt sicherlich an Haarspalterei, zu definieren, ob ein Tier gerettet werden kann, bevor es geboren wurde. Denn Fakt ist, dass all die Tiere, die heute in stickigen Anlagen vor sich hinvegetieren, gar nicht leiden müssten, wenn sie gar nicht erst gezüchtet worden wären. Hier stellt sich automatisch die Frage nach dem Wert des Lebens. Ist es besser, gar nicht zu leben, statt in Qualen zu leben?

In der Diskussion über den Wert des Lebens wird interessanter Weise der Lebenswert eines Nutztieres von den Menschen am höchsten eingeschätzt, die Tiere am intensivsten ausbeuten. Die gelegentlich geäußerte Kritik von Funktionären der Landwirtschaft, Veganer wollten Tieren ihr die Chance auf ein Leben verwehren, ist daher reichlich fadenscheinig.

Veganer retten allein durch ihre Lebensweise zwar keine (bereits lebenden) Nutztiere - doch Konsumenten von Tierprodukten fördern aktiv die Ausbeutung von Tieren, indem sie Nachfrage schaffen. Sie unterstützen es, dass Tieren ihr einziges Leben genommen wird - für den kurzen Genuss von Fleisch, Milch und Eiern. Wer Tierprodukte konsumiert, unterstützt ein System, das stetig weitere Tiere züchtet, um sie aus wirtschaftlichen Interessen auszubeuten und zu töten. Mit all ihrer Qual, dem Leid und der Hoffnungslosigkeit.

Warum Veganismus die Grundlage für eine gewaltfreiere Gesellschaft ist

Mit der Verbreitung der veganen Lebensweise wird die Nachfrage nach Tierprodukten früher oder später so stark sinken, dass sie die ohnehin einkalkulierten Ausschüsse übersteigt. Dies rettet zwar keine Nutztiere, könnte aber zunächst die (Qual-)Züchtung von Tieren beenden, deren alleiniger Lebenszweck es wäre, ausgenutzt und getötet zu werden. Eine vegane Lebensweise fördert zudem tierfreundliche, vegane Unternehmen. Sie ist außerdem Voraussetzung für eine Gesellschaft, in der die Bedürfnisse und Eigenschaften von Tieren endlich wahrnehmen zu können - statt sie aus Eigeninteresse zu verdrängen. Veganismus ist ein großer Schritt gegen das (vermeintliche) Recht des Stärkeren.

Es ist der Wunsch vieler Veganer, Tiere vor Ausbeutung zu retten. Und ohne die krasse Subventionierung der Tierhaltungen wäre es deutlich einfacher, durch seinem Konsum wirtschaftliche Entscheidungen zu treffen. Heute scheint es leider so, dass allein durch die vegane Lebensweise kein Nutztier gerettet wird. So gerne Veganer es auch wollten. Dennoch gibt es sehr gute Gründe, vegan zu leben. Und noch bessere Gründe für Vegetarier und Fleischesser, vegan zu werden.


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Argumente rund um Veganismus:

Kommentare

kilian
Kommentar #2 03.08.2017, 00:03 Uhr
Hallo MAsterCrumbl,
der Artikel behandelt die Frage, ob Veganer "Nutztiere" retten. Also Tiere, die existieren, nicht welche, die gar nicht erst gezüchtet werden. Das geht aus dem Artikel auch recht deutlich hervor.
Beste Grüße
K. Dreißig

MAsterCrumbl
Kommentar #1 02.08.2017, 20:59 Uhr
So ein Bullshit !!! da versteht jemand nicht wie Angebot und Nachfrage funktioniert xD
es geht darum das weniger Tiere in diese Qual geboren werden sodass weniger Tiere produziert werden und somit langsam aber sicher das System ins Schwanken kommt ... die größte Macht hat einfach der Verbraucher mit seiner Entscheidung

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