Rhetorik

Whataboutism - was ist das eigentlich?

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Den Begriff "Whataboutism" hört man in kontroversen Diskussionen immer wieder. Dieser englische Kunstbegriff lässt sich nur schlecht ins Deutsche übersetzen (etwa "Was-sagst-Du-dazu-ismus") und bezeichnet einen rhetorischen Trick, bei dem von einem Thema abgelenkt wird, indem Einwände eingeführt werden, die nur scheinbar ein Gegenargument sind, aber in Rahmen der konkreten Diskussion weitgehend wertlos sind.

Whataboutism ist damit auch ein Mittel des Rabulismus, also der (zweifelhaften) Kunst, in Diskussionen auch ohne gute Argumente stets die Oberhand zu behalten - durch Verhöhnung, Übertreibungen, Verweis auf Ausnahmefälle, gespielte Empörung und so weiter. Also durch all diese Tricks, die eine inhaltlich fundierte Diskussion sabotieren.

Rabulismus, die "schwarze Rhetorik", wird auch in Kursen für Politiker, PR-Fachleute und Manager vermittelt. Rabulismus hat unzweifelhaft das Ziel, eine Diskussion zu manipulieren und lässt sich in den meisten politischen Talkshops gut beobachten. Whataboutism wird von Rabulisten besonders gern genutzt.

Auch in der Diskussion über Veganismus in der Öffentlichkeit, gibt es immer wieder Whataboutism zu finden. Ein paar klassische Beispiele für Whataboutismen sind:

  • Vegane Produkte enthalten aber oft viel Salz (wenn es darum geht, dass vegane Ernährung viele gesundheitliche Vorteile hat),
  • Veganer fliegen aber auch in den Urlaub (wenn es darum geht, dass ein veganer Lebensstil statistisch deutlich umweltfreundlicher ist),
  • Veganer kümmern sich nicht um Menschen (wenn es darum geht, dass sich Aktivisten für eine vegane Lebensweise engagieren).

Whataboutismen lenken vom ursprünglichen Thema ab, indem sie Pseudo-Argumente betonen, die echte Argumente scheinbar entkräften und diese als lächerlich, übertrieben oder scheinheilig darstellen. Whataboutismen sind oft Gegenvorwürfe von Menschen, die sich angegriffen fühlen. "Kehr doch erst einmal vor der eigenen Haustüre" ist gewissermaßen ein Sprichwort gewordener Whataboutism.


Die "Gegenargumente" müssen dabei nicht grundsätzlich falsch sein. Es ist zum Beispiel durchaus richtig, dass Fliegen nicht so recht zu einem ökologischen Lebensstil passt. Der Whataboutism verfolgt hier das Ziel, die vegane Lebensweise mit scheinbar inkonsequenten, scheinheiligen Veganern in Verbindung - und dadurch in Verruf - zu bringen. Die Aussage: Da Veganer offenbar auch fliegen, ist Veganismus ökologisch also auch nicht besser als jede andere Ernährungsform.

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Die Tatsachen: Selbst wenn Veganer gleich oft fliegen würden wie Nicht-Veganer, berührt das die Ökobilanz ihrer Ernährungsform nicht. Wer als Veganer ebenso oft fliegt wie ein Nicht-Veganer, trägt statistisch immer noch weniger zur Klimabelastung bei als ein viel fliegender Fleischesser. Der Unterschied bei der Ernährung liegt bei bis zu 90% Energieersparnis! Also an sich ein wirklich triftiges Argument.


Whataboutismen setzen ungleiche Argumente scheinbar gleich und erschweren dadurch eine inhaltlich fundierte Diskussion. Klassisch ist, dass das vermeintliche "Gegenargument" eigentlich gar keines ist. Auch wer sich für Tiere einsetzt, kann sich ebenfalls für Menschen engagieren. Whataboutism ist also gewissermaßen Rufschädigung für gute Argumente und die, die sie nutzen.

Dabei setzt Whataboutism nicht unbedingt mutwillige Boshaftigkeit voraus. Es ist ein weit verbreitetes Phänomen - und bestimmt hat jeder Mensch schon einmal unbewusst ein Whataboutism genutzt. Da Whataboutism gute Argumente nur scheinbar entkräftet, ist es sinnvoll, sie zu erkennen und sie einzuordnen. Denn Whataboutismen sind, wenn man so will, Argumente-Ersatz. Sie wirken vor allem auf emotionaler Ebene, bröckeln aber bei genauerer Betrachtung schnell.

Autor: Kilian Dreißig
4,6/5 Sterne (66 Bew.)
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