EU-Änderungsantrag zu Milch-Alternativen: Entscheidung steht bevor

Könnte bald in der Werbung verboten werden: Kaffee mit pflanzlichem Schaum. Bild: pixabay.com

Der EU-Änderungsantrag 171, der pflanzliche Milch-Alternativen zensieren will, soll zwischen dem 21. und dem 29. April bei den Trilog-Verhandlungen der EU-Institutionen zur Diskussion gestellt werden.

Der Änderungsantrag 171 verfolgt das Ziel, bestimmte Bezeichnungen für pflanzliche Milch-Alternativen zu untersagen.

  • Nützliche beschreibende Begriffe wie "Milchalternative", "verwendbar wie Kochsahne" oder "vegane Alternative zu Joghurt",
  • Informationen zu Allergenen, wie "enthält keine Milch",
  • vertraute Verpackungsformate, die denen von Kuhmilchprodukten nachempfunden sind,
  • visuelle Darstellungen von pflanzlichen Lebensmitteln, die an Molkereiprodukte erinnern – z. B. die bildliche Darstellung von Milchschaum auf einer Haferdrink-Verpackung,
  • sogar wissenschaftlich fundierte Aussagen, die pflanzliche Lebensmittel mit Milchprodukten vergleichen, wie z. B. "die Hälfte der CO2-Emissionen von Butter".

Agrar-Funktionäre argumentieren, dass Verbraucher getäuscht würden. Dagegen sprechen sich Verbraucherschutzorganisationen wie z. B. Foodwatch, aber auch die CECU und BEUC deutlich aus. Es sei kaum möglich, eine "Milchalternative" mit "Kuhmilch" zu verwechseln.


Der Pflanzendrink-Hersteller Oatly hatte sogar einen Idiotentest veröffentlicht, um aufzuzeigen, wie hanebüchen die Forderungen sind.

Dementsprechend ist der Änderungsantrag 171 auf breiten Protest gestoßen. Verbraucherinnen und Verbraucher, Umweltorganisationen und sogar eine große Molkerei haben sich dagegen ausgesprochen, pflanzliche Milchalternativen zu zensieren.

Zu den Kritikern des Änderungsantrags 171 gehören:

  • Über 435.000 Menschen, die eine öffentliche Petition unterzeichnet haben,
  • 21 Nichtregierungsorganisationen, darunter der WWF, Foodwatch und Greenpeace in einem offenen Brief,
  • Die Verbraucherorganisation CECU (Confederación de Consumidores y Usuarios) und die Europäische Verbraucherorganisation (BEUC),
  • 34 Mitglieder des Europäischen Parlaments in einem Brief,
  • 94 Lebensmittelunternehmen, die im grünen Sektor mit nachhaltigen Milchalternativen tätig sind,
  • ...

"Wir wehren uns seit den 1870er Jahren gegen wettbewerbsfeindliche Angriffe der Milchindustrie", ergänzte Dr. Jeanette Fielding vom Unternehmen Upfield. "Jetzt versucht dieser Antrag genau die Begrifflichkeiten, Verpackungen und Bilder zu verbieten, die der pflanzliche Sektor seit Jahrzehnten verwendet."


"Die Nachhaltigkeit selbst ist in Gefahr. Lassen Sie uns die Klimakrise ernst nehmen und pflanzliche Lebensmittel schützen", so Jasmijn de Boo, Präsidentin von ProVeg International.

Warum Pflanzenmilch so viel umwelt- und klimafreundlicher ist als Kuhmilch, erfahrt ihr hier.

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Autor: Kilian Dreißig
Veröffentlichung:

4,6/5 Sterne (17 Bew.)

Veganes Forum
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Änderungsantrag 171: Entscheidung erfolgt in Kürze
(8 Antworten)
Letzter Beitrag: 25.04.2021, 17:38 Uhr


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Schlagworte: Politisches Milch-Alternativen Protest


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