EU-Gesetzentwurf: So verwirrend sind die "Veggie"-Bezeichnungen wirklich

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Verwechslungsgefahr? Vegane Alternativprodukte werden etwa in dieser Art gekennzeichnet.
Verwechslungsgefahr? Vegane Alternativprodukte werden etwa in dieser Art gekennzeichnet. Bild: K/Vegpool

Die EU plant einen neuen Gesetzentwurf, der bestimmte Bezeichnungen für vegane Burger, Käse-Alternativen und Co verbieten soll. Nächste Woche soll darüber abgestimmt werden! Angeblich geht es um Verbraucherschutz.

Doch wie verwirrend ist es für Verbraucher wirklich, wenn auf einem veganen Burger "Veganer Burger" steht?

Als die großen Fleisch-Hersteller vor ungefähr 10 Jahren entdeckten, dass viele Menschen den gewohnten Geschmack von industriellem Fleisch-Fast-Food zwar mögen, nicht aber dessen Nachteile für Gesundheit, Klima, Umwelt und Tiere, haben sie begonnen, vegane und vegetarische Alternativen zu entwickeln.

Ein veganer Burger. Bild: K/Vegpool

Auch zuvor gab es Fleischalternativen, die aber einer eher kleinen Zielgruppe in den Biomärkten und Reformhäusern vorbehalten waren. Auch in vielen osteuropäischen Ländern haben Fleischalternativen (als günstiger Fleisch-Ersatz) Tradition. Verwechslungsgefahr? Mitnichten!


Die modernen Alternativ-Produkte richten sich an Flexitarier, also Fleischesser, die ihren Fleischkonsum reduzieren möchten. Veganer sind nicht die Haupt-Zielgruppe solcher Produkte. Nicht zuletzt auch deshalb, weil viele Veganer industrielle Fertigprodukte eher ablehnen. Denn auch Fleischalternativen sind nicht immer gesund.

Veggie-Kennzeichnung ist obligatorisch

Damit solche Produkte trotz des oft höheren Preises gekauft werden, ist die Kennzeichnung als "Vegan" oder "vegetarisch" für die Hersteller absolut obligatorisch. Etliche bezahlen sogar viel Geld für die Lizenz, ihre Produkte mit einem V-Label von ProVeg kennzeichnen zu dürfen. Damit Verbraucher sofort sehen: Dieses Produkt ist vegan.

Denn "Vegan" (bzw. "vegetarisch") ist ja der Grund, warum Verbraucher zu diesen Produkten greifen und nicht zum Fleisch. Weil sie gerade kein Fleisch (oder andere Tierprodukte) verzehren möchten.


Ein Beispiel für ein solches siehst du oben (Kennzeichnung von uns).

  • Das Produkt wird bereits im Namen als "Vegan" bezeichnet.
  • Das Wort "Hähnchen" ist vom Hersteller durchgestrichen. Der Verbraucher sieht sofort: Hier ist kein Hähnchen drin.
  • Das Produkt wird mit einem V-Label "Vegan" von ProVeg ausgezeichnet.

Auf der Rückseite sieht es so aus (Kennzeichnung von uns):

Auch auf der Rückseite ist klar erkennbar: Dieses Produkt ist vegan.
Auch auf der Rückseite ist klar erkennbar: Dieses Produkt ist vegan. Bild: K/Vegpool

Die Bezeichnung "Schnitzel" ist im deutschen Sprachgebrauch seit Urzeiten auch für pflanzliche Produkte geläufig (man erinnere sich z. B. an die Sellerie-Schnitzel, die schon von den Urgroßeltern zubereitet wurden).


Ebendies gilt auch für die Bezeichnung "Burger" und "Würstchen". Generationen sind bereits gesund groß geworden, ohne jemals von einem Veggie-Produkt verwirrt worden zu sein.

Das Problem ist ganz offensichtlich nicht die Verwirrung der Verbraucher. Sondern der Boom der Veggie-Produkte.

Wer als Hersteller nicht längst auf den Veggie-Trend aufgesprungen ist, muss sich ernsthaft Sorgen um seine Marktanteile in Deutschland und Mitteleuropa machen. Das zeigen die Statistiken mehr als deutlich.

Das oben abgebildete Produkt stammt übrigens vom "Wiesenhof"-Konzern. Auch die "Rügenwalder Mühle" (einer der großen Fleischproduzenten in Deutschland und Pionier bei veganen Alternativen) gibt an, dass sich bislang trotz mehr als 80 Millionen verkaufter Veggie-Produkte nicht ein einziger Konsument wegen einer Verwechslung beschwert hätte.

Es verwundert daher nicht, dass sich auch viele Fleischkonzerne gegen den EU-Gesetzentwurf aussprechen.

Sollte vegane Wurst "Wurst" heißen dürfen?
Ja, auch vegane Wurst ist "Wurst"
Nein, Wurst muss aus Tier gemacht sein.

Man darf gespannt sein, ob sich die EU-Politiker vor den Karren der Agrar-Lobby spannen lassen werden. Oder ob sie die Zeichen der Zeit erkennen und eine Entscheidung für die Zukunft treffen. Denn die ist offensichtlich pflanzlich.


Und wenn Verbraucher erkennen, dass pflanzliche Produkte den gewohnten Geschmack liefern können, ohne Klimawandel, Umweltzerstörung und Tierquälerei zu unterstützen, dann wird es auch der EU schneller gelingen, ihre Klima-Ziele zu erreichen.

Ob die Petition von ProVeg gegen das Verbot geläufiger Veggie-Bezeichnungen Erfolg haben wird? Wir werden es kommende Woche erfahren!

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Autor: Kilian Dreißig

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EU-Gesetzentwurf zu Veggie-Bezeichnungen
(6 Antworten)
Letzter Beitrag: 02.11.2020, 12:25 Uhr


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