Bundestag verlängert Erlaubnis zur betäubungslosen(!) Kastration von Ferkeln

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Bild: PETA (bearb.)


Die betäubungslose Kastration von Ferkeln bleibt noch mindestens bis zum Jahr 2020 in Deutschland erlaubt. Diese Verlängerung macht Tierschützer fassungslos - und nicht nur diese. Einem schmerzempfindlichen Lebewesen die Hoden ohne Betäubung heraus zu schneiden, grenzt nicht nur an Barbarei - es ist genau dies.

Schweinefleisch in Deutschland stammt weiterhin aus massiver Tierquälerei. Die Verlängerung geht auf einen Gesetzentwurf von CDU/CSU und SPD zurück. [1]

Die betäubungslose Kastration von männlichen Schweinen erfolgt aus Wirtschaftsgründen. Wenn die männlichen Schweine die Geschlechtsreife erreichen, könne das Fleisch durch die vermehrte Ausschüttung von Androstenon einen "Ebergeschmack" annehmen.

Eine Impfung ("Immunikastration") wäre zwar möglich, ist aber teurer, als die betäubungslose Kastration und wird daher von Agrar-Verbänden abgelehnt. Im Internet gibt es zahlreiche Videos, die diesen Vorgang dokumentieren.

Tierschutzgesetz bleibt weiter wirkungslos.

Während Tierhalter in Deutschland immer wieder darauf hinweisen, dass Deutschland das "strengste Tierschutzgesetz der Welt" habe, zeigen sich hier wieder einmal die erschreckenden Tatsachen. Die Agrarindustrie hat es bisher immer geschafft, wirksame Regelungen zu verhindern. Das Tierschutzgesetz in Deutschland hat seinen Namen nicht verdient.

Es besteht ein riesiges Ungleichgewicht zwischen Bauern, Verbrauchern und Verbänden, die sich für einen empathischen Umgang mit Tieren einsetzen - und den landwirtschaftlichen Industrieverbänden, die aus reiner Gier Ferkeln die Hoden ohne Betäubung heraus schneiden lassen, sie in dunklen Massentierhaltungen mästen und ihnen nur Qual und keinen Funken Lebensfreude zugestehen.

Bauernverbände weisen stets auf Arbeitsplätze hin - dabei sind es gerade die industrialisierten Verfahren, die Arbeitsplätze vernichten. Die massenweise Haltung von Tieren verfolgt den Zweck, Arbeiter überflüssig zu machen und Geld zu sparen. Industrielle Schweinehaltung zerstört Arbeitsplätze, belastet die Umwelt, fördert den Klimawandel, quält Tiere - und das für Produkte, die laut WHO das Risiko für verschiedene Krebsarten (darunter Darmkrebs) erhöhen. [2]

Auf den Produkt-Verpackungen sind dann allenfalls lachende Comic-Schweine zu sehen. Wenn überhaupt irgendein Tier zu sehen ist. Aus dem öffentlichen Bewusstsein sind die "Nutztiere" ohnehin längst verschwunden. So fällt es auch Verbrauchern leicht, sie zur "Sache" zu degradieren und ihnen jedes Recht auf Leben abzusprechen.

Nur eines von vielen Beispielen

Die Verlängerung der Erlaubnis, Ferkel betäubungslos zu kastrieren, ist nur ein Beispiel für die ungesunde Macht, die die Agrar-Verbände in Deutschland haben. Es ist, als könnten sie sich jedes Gesetz einfach wünschen - und schon wird es umgesetzt. Auf Wunsch gibt es dann auch noch ein staatliches "Tierwohl-Label" obendrauf (das selbst vom industrie-freundlichen Tierschutzbund abgelehnt wird [3]).

Durch die Subventionen der Agrar-Industrie (mit Steuergeldern, die auch Vegetarier und Veganer zahlen), werden Tierquäler weitgehend den marktwirtschaftlichen Zwängen enthoben. Angesichts der Folgen für Tiere und Umwelt, angesichts der unzähligen Tierschutz-Skandale, Fälle von Medikamenten-Missbrauch und den Folgen für die Umwelt fällt es da auch Experten manchmal schwer, noch Unterschiede zur organisierten Kriminalität zu erkennen.

  • Das Schreddern von Küken wurde zwar in Niedersachsen pro forma verboten - dafür bleibt das Vergasen erlaubt. Und: Das Verbot gilt auch erst dann, wenn die nötige Technik verfügbar ist. Also theoretisch in 100 Jahren. [4]
  • Als kürzlich erneut Videoaufnahmen aus deutschen Schlachthöfen veröffentlicht wurden, die massive Verstöße gegen das Tierschutzgesetz dokumentierten (und auch, dass Behörden daran beteiligt waren), folgte prompt die Forderung von CDU- und FDP-Politikern, solche Aufnahmen künftig zu verbieten. [5][6] Nicht das Gesetz wird hier verteidigt, sondern die Tier-Industrie. Und das, obwohl der Bundesgerichtshof hierzu bereits eindeutig geurteilt hatte. [7]
  • In Nordrhein-Westfalen endet das Verbandsklagerecht noch in diesem Jahr. Ein weiterer Rückschritt für den Tierschutz. [8]
  • Durch die Subventionierung wird etwa jedes fünfte Schwein in Deutschland direkt für den Müll produziert. [9] Vegan oder vegetarisch essende Steuerzahler zahlen mit.

Tierschutzgesetz als Marketing-Trick?

Deutschland hat ein Tierschutzgesetz - aber im Bereich der Tierwirtschaft ist es praktisch zahnlos. Es wirkt vielmehr wie ein Marketing-Trick: Verbraucher glauben an einen starken Tierschutz, der jedoch nicht stattfindet. Die betäubungslose Kastration von Ferkeln ist das beste Beispiel (aber leider nicht das einzige).

Um der Übermacht der Agrar-Industrie zumindest symbolisch entgegenzutreten, werden Bauern, Umweltverbände, Verbraucherschützer und Menschenrechts-Organisationen am 19. Januar 2019 in Berlin auf die Straße gehen. Unter dem Motto "Wir haben es satt" werden sie sich für eine ökologisch nachhaltigere Landwirtschaft stark machen. Treffpunkt ist um 12 Uhr am Brandenburger Tor. Mehr Infos auf der Seite der Veranstalter

Als veganes Verbraucherportal informieren wir unabhängig rund um die Vorteile einer veganen Lebensweise. Wir möchten aufzeigen, wie leicht es ist, vegan zu werden - und welche Vorteile das hat. Zum Schutz der Tiere, der Umwelt und der eigenen Gesundheit. Veränderung muss bei den Verbrauchern beginnen.

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