Foodwatch stänkert gegen Naturkost-Hersteller. Zu Recht?

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Die Vergabe des "Goldenen Windbeutels" an Zwergenwiese ist ziemlich albern!Die Vergabe des "Goldenen Windbeutels" an Zwergenwiese ist ziemlich albern!
Bild: foodwatch/picture alliance/Udo Fischer (bearbeitet)


Foodwatch vergibt jedes Jahr einen Negativpreis für die "dreisteste Werbelüge": Den "Goldenen Windbeutel". Damit werden Unternehmen zum Beispiel für irreführende Werbung kritisiert.

In diesem Jahr hatte Foodwatch offenbar nichts Besseres zu tun, als ein paar Nischenprodukte zur Wahl zu stellen - und nach einer "Abstimmung" fies gegen ein Produkt aus dem Bio-Fachhandel zu stänkern. Ein Kommentar.


Im Fernsehen läuft Tag für Tag Werbung für die widerlichsten Produkte. Tierprodukte aus Massentierhaltung werden hier in einer Schein-Idylle angepriesen, Produkte voll gesundheitsschädlicher Zusatzstoffe als "gesund" deklariert.

Man könnte meinen, eine Vebraucherschutzorganisation wie Foodwatch setzt alles daran, hier endlich für die nötige Verbraucherbildung zu sorgen!

Doch offenbar liegen die Aktivisten im Tiefschlaf. Wie anders lässt es sich sonst erklären, dass die Campaigner mit ihrer Verleihung des "Goldenen Windbeutels" 2019 ausgerechnet einen Naturkost-Hersteller an den Pranger stellen?

Und nein, nicht für Glyphosat, für Gammelfleisch oder weil ein "regionaler" Bauer Soja aus Brasilien verfüttert! Nein, es geht um ... (unheilschwangeres Grollen im Hintergrund)... eine Bio-Tomatensoße, die mit Apfeldicksaft gesüßt wird.

Zwergenwiese stellt sich der Kritik

Im Jahr 2019 ging der "Goldene Windbeutel" von Foodwatch ernsthaft an den Naturkost-Hersteller Zwergenwiese. Grund für die Auszeichnung mit dem Negativpreis ist der Zusatz von Zucker - in Form von Apfeldicksaft - in einer Tomatensoße für Kinder.

Und eines sei gesagt: Süßungsmittel haben in Kinderprodukten nichts verloren. Auch Apfeldicksaft gehört zu den Zuckern, die man in seiner Ernährung besser reduzieren sollte. Zwergenwiese hat also definitiv eine Aufgabe und sollte sich nicht hinter Ausreden verstecken. Foodwatch darf das kritisieren.


Allein die Priorität erscheint mir völlig absurd.

Denn aus Apfeldicksaft in Kinder-Tomatensoße einen künstlichen Skandal zu inszenieren ist einfach nur blamabel. Da gibt es echt größere Probleme! Und die Übergabe des "Goldenen Windbeutels" ist dann auch zu Recht ein bisschen zum Fremdschämen. Aktionismus für die Kameras.

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Dass die Aktion von Foodwatch einfach nur schräg ist, wird noch dadurch unterstrichen, dass Zwergenwiese sich bereiterklärt hat, den Preis anzunehmen. Einmalig in der Geschichte des "Werbelügen"-Preises! Auch das zeigt, dass Zwergenwiese - anders als die großen Lebensmittelhersteller - durchaus selbstkritisch mit den Anschuldigungen umgeht.


Hier etwas zu verändern hätte womöglich auch ohne Sturm im Wasserglas geklappt. Die mediale Reichweite hätte sinnvoller genutzt werden können.

Die Naturköstler übergaben dann auch ihrerseits eine goldene Zwergenmütze, mit der Bitte, doch künftig den Kontakt zu suchen, statt der Konfrontation.

Was hat Foodwatch mit dem inszenierten Drama nun erzielt?

Klar, es ist ein "Skandal", wenn sich herausstellt, dass auch Bio-Hersteller süßen. Und wow: Es waren sechs-und-dreißig-tausend-Verbraucher, die abgestimmt haben. Als hätte das in einem Land der Ernährungsignoranz irgendeinen qualitativen Wert.

Wie viele der Teilnehmer haben wohl nur deshalb gegen Zwergenwiese gestimmt, damit auch "die Ökos" mal eins aufs Dach bekommen?

Natürlich hat Foodwatch Recht, dass die Verbraucher ja selbst abgestimmt hätten. Doch die Aktivisten treffen durch die Auswahl der Produkte eine redaktionelle Vorentscheidung. Und sie machen Stimmung, die über eine sachliche Kritik hinaus geht. In diesem Jahr hat bei Foodwatch offenbar der Ernährungs-Populismus gewonnen.

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Kritik: "Goldener Windbeutel" von Foodwatch geht an Naturkost-Hersteller
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Letzter Beitrag: 04.12.2019, 17:32 Uhr


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