Petition: "Grüne", keine faulen Kompromisse zur Kastenstandhaltung von Sauen!

Frederik liebt es, mit dem Rüssel in der Erde zu wühlen.
Auch die Mutter vom geretteten Ferkel Frederik (Hof Butenland) lebte wohl in Kastenstandhaltung. Bild: K/Vegpool

Über 625.000 Menschen haben die Partei "Bündnis 90/Die Grünen" in einer Petition dazu aufgefordert, keinem faulen Kompromiss zur Kastenstandhaltung von Muttersauen in Deutschland zuzustimmen.

Die Kastenstandhaltung bezeichnet ein System, in dem Muttersauen in der Ferkelzucht in engen Metallkäfigen gehalten werden (die von der Industrie beschönigend als "Ferkelschutzkorb" bezeichnet werden). Sie sind so eng, dass sich die Muttertiere nicht einmal umdrehen können. Sie sind regelrecht fixiert. [1]

Ein Kampagnenvideo der Tierschutz-Organisation "Vier Pfoten" zeigt, was die Kastenstandhaltung für die Tiere bedeutet:

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Die Haltungsverordnung besagt zwar, dass Schweine in Seitenlage ihre Gliedmaßen ungehindert ausstrecken können müssen. Doch selbst diese Minimal-Anforderung wird in gängigen Mastbetrieben nicht erfüllt.


Daher haben deutsche Gerichte bestätigt, dass diese Haltungsform illegal ist. [2] In Ländern wie Schweden und Großbritannien ist diese Art der Tierhaltung längst verboten.

Auch in Deutschland ist sie illegal, wird aber bisher von den Behörden geduldet.
Beobachter sprechen angesichts des routinierten Wegsehens längst von Alltags-Kriminalität in der Agrarbranche.

Nun soll diese entsetzliche Haltungsform legalisiert und verlängert werden!

Agrar-Ministerin Julia Klöckner (CDU) kündigte vor Kurzem eine Neuregelung der Haltungsverordnung an.

Der Entwurf läuft darauf hinaus, dass die Kastenstandhaltung einfach formell legalisiert wird, indem der Passus über das Ausstrecken der Tiere gestrichen wird. Diese neue Regelung soll dann 17 Jahre lang gelten.

"Ein paar beherzte Striche, und schon wäre die Sache legal und dem Rechtsstaat genüge getan", schreibt der "Spiegel" in einem lesenswerten Artikel.


Bei den "Grünen" wird Widerstand zwar laut verkündet - allerdings hat der grüne schleswig-holsteinische Agarminister Jan Albrecht einen "Kompromiss"-Vorschlag entworfen, der mehr als nur fadenscheinig wirkt.

Der "Kompromiss" weicht inhaltlich kaum von den CDU-Vorschlägen ab und unterscheidet sich im Wesentlichen dadurch, dass das ausgestreckte Liegen der Muttersauen in Seitenlage "ohne bauliche Hindernisse" möglich sein müsse. Die nächste Muttersau gilt dabei nicht als "bauliches Hindernis".

Durch den Bestandschutz von Umbauten könnte die Kastenstandhaltung somit bis zu 20 Jahre lang "legal" bleiben - obwohl sie offensichtlich eklatant gegen den Tierschutz verstößt.

Die Deutsche Juristische Gesellschaft für Tierschutzrecht e. V. hat dazu eine Stellungnahme veröffentlicht. [3]

Kurz gesagt: Es handelt sich vor allem um Wortspiele und Tricksereien, mit denen für die Tiere nichts erreicht werden kann.


Auch innerhalb der grünen Partei gibt es daher heftige Kritik am "Kompromiss"-Vorschlag, doch bislang sieht es so aus, als würden die "Grünen" daran scheitern, eine klare Haltung gegen die Kastenstandhaltung zu entwickeln.

Dabei geht es bei der Kastenstandhaltung einzig darum, die Tierproduktion in Deutschland so billig wie möglich zu machen - auch für den Export. Subventioniert aus Steuergeldern. Auch Veganer zahlen mit.

Die Grünen haben eine historische Chance, die Legalisierung der tierquälerischen Kastenstandhaltung abzuwehren - und damit ein wichtiges Zeichen für eine weniger tierquälerische und weniger umweltzerstörerische Tierhaltung zu setzen.

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Autor: Kilian Dreißig
Veröffentlichung:

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"Grüne" könnten Klöckners Antrag zur Kastenstandhaltung verhindern...
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Letzter Beitrag: 04.07.2020, 14:36 Uhr


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Schlagworte: Protest Tierhaltung Tierquälerei Politisches


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