Karnismus

Erstellt 29.07, 17:26 Uhr, von Zwoelfvegan. Kategorie: News & Aktuelles. 5 Antworten.

Karnismus
29.07, 17:26 Uhr
Hallo Leute.

Ich dachte mir: ,,Mensch, du hast einen Aufsatz über Karnismus geschrieben, keiner deiner Freunde ist interessiert daran, alle Leute die ihn gelesen haben hatten sich noch nicht mit dem Thema beschäftigt. Wenn dir keiner eine echte Meinung geben will/kann, warum dann nicht mal im Forum veröffentlichen, denn dort wirst du verstanden". Also stelle ich diesen 3-Seiten-Aufsatz hier ins Forum, und würde mich freuen, wenn ihr mir Tipps geben könntet, was ich noch so verbessern kann.


Karnismus

Wir leben in einer Zeit, in der es wichtiger denn je ist, sich mit seiner Zukunft und ihrem potentiellen Ruin zu befassen. Die Gedanken gehen diesbezüglich oft in die Richtung der zu versagen drohenden Klimapolitik. Oder an weniger Auto- und Flugverkehr, oder an Wasser- und Energieverschwendung. Doch den wichtigsten Faktor welcher für uns, für andere und für unser aller Umwelt das Aus sein wird, vergessen die meisten; Ein System in das wir hineingeboren werden ohne es zu hinterfragen, Ein System welches es (ethisch) rechtfertigt, dass wir andere, fühlende, denkende Lebewesen für uns züchten, gefangen halten, ausbeuten und töten. Ein brutales System, eine brutale Ideologie, für welche/s wir uns unbewusst entschieden haben. Es/Sie wird von uns unbewusst ausgewählt; Dies ist Karnismus.

Genauer gesagt ist Karnismus die Ideologie, welche es uns erlaubt und ethisch rechtfertigt nur bestimmte Tierarten, und von denen auch nur bestimmte Körperteile zu essen. Der Begriff wurde 2001 von der US-amerikanischen Sozialpsychologin und veganen Aktivistin Dr. Melanie Joy erdacht und gilt als das Gegenteil des Veganismus. Wir essen Fleisch, aber nicht, weil es für uns eine lebenswichtige Grundlage der Ernährung ist, sondern aufgrund des Geschmacks oder der Kultur. Es sollte an der Zeit sein hinter die Kulissen zu blicken…


Jährlich töten wir etwas mehr als 70 000 000 000 Landtiere. Dies ist knapp das zehnfache der aktuellen Weltbevölkerung. Solche immens hohen Zahlen sind selten greifbar, ganz besonders wenn es sich um Individuen handelt, was hier der Fall ist; denn, jedes einzelne dieser Tiere kann denken, fühlen, Liebe und Schmerz empfinden und hat einen eigenen Charakter, wie unsere Hunde, wie unsere Katzen. Wie kann es sein, dass wir diese als fühlende Lebewesen anerkennen, welche wir lieben und beschützen? Wir haben Angst, dass ihnen etwas passiert, wir geben ihnen Namen, Zuneigung und Liebe. Wie kann es sein, dass wir dann von Schweinen, Kühen, gar dem ,,Vieh“ sprechen? Denn diese Tiere haben genauso eigene Persönlichkeiten und fühlen Emotionen. Dennoch rauben wir sie aus und üben an ihnen Gewalt aus, welche sich jeglicher Vorstellungskraft entzieht. Denn, würde man Hündinnen in Kästen sperren bis sie ihre Welpen geboren haben, diese dann mästen, noch als Kinder, nach 180 Tagen schlachten, deren gehexeltes Muskelfleisch für 1,99 Euro verkaufen und auf die Verpackung ein Bild mit einem glücklichen Hund auf einer Weide mit einem Bauer, der ihn streichelt drucken würde, würden wahrscheinlich mehr als 95 Prozent der Deutschen auf die Straße gehen, und für das Stoppen dieser Gewalt kämpfen. Oder das Gleiche, wenn man Katzen Jahr für Jahr zwangsschwängern würde, deren Kinder direkt nach der Geburt von der Mutter trennen, die Männchen direkt umbringen, oder für Katzenfleisch mästen und dann umbringen, die Weibchen immer wieder künstlich befruchten, sie von ihren Kindern trennen und sie Milch geben lassen, wie eine Hochleistungsmaschine, bis sie nach einem Viertel ihres eigentlichen Lebens wegen Erschöpfung geschlachtet werden würden. Und warum, warum machen wir das dann mit Kühen, Schweinen, Hühnern, Schafen, Truthähnen, etc. Jahr für Jahr, Monat für Monat, Tag für Tag, Stunde für Stunde, Minute für Minute, Sekunde für Sekunde? Dr. Melanie Joy äußerte sich dazu mit ihrem Buch ,,Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen‘‘ und prägte so den Begriff Karnismus.


Es steht außer Frage; der Klimawandel schreitet voran, und wir müssen jetzt handeln, denn, wenn wir dies nicht tun, werden wir es nicht allzu bald bereuen. Unsere Tierhaltung ist allgemein (einer) der größte(-n) Wasser-, Flächen- und Ressourcenverbraucher, und produziert 14,5 Prozent aller klimaschädlichen Treibhausgase wie Kohlenstoffdioxid und Methan. Dazu ist sie auch für einen Großteil der abgeholzten (Regen-) Wälder verantwortlich, denn die Tiere fressen enorm viel, vor allem Soja und Mais; 80-98 Prozent der Sojaernte wird für unsere Tierhaltung verwendet. Wir zerstören also unsere Umwelt, einfach nur, weil wir zu faul oder willensschwach sind, tierische Produkte aus unserem Speiseplan zu streichen. So einfach wie heute war es noch nie, auf tierische Produkte zu verzichten. Wir geben also den Karnismus an Generationen weiter, welche dieses Wissen, oder besser gesagt diese Tradition auch an weitere Generation übertragen werden, wobei sie dadurch noch mehr mit Hitze und Unwettern zu kämpfen haben. Besonders Menschen in großen Teilen Afrikas müssen schon heute unter den Folgen des Klimawandels stark leiden. Dazu kommt noch, dass das Volk in 80 Prozent der Länder, welche einen Nahrungmittelsüberschuss produzieren, in Armut lebt, da wir diese Pflanzen in den Industrieländern an unsere Tiere verfüttern. Aktuell könnten wir mehr als 10 000 000 000 Menschen ernähren (aktuell leben 7,8 Milliarden Menschen auf dem Planeten Erde), aber wir ernähren stattdessen zig Milliarden Tiere. Wir müssen unser Bewusstsein nutzen, denn dieses ist die größte Gefahr für diese grausame Industrie und ein Schritt in Richtung weniger Armut und Leid.


Die meisten Menschen in Deutschland sterben an den Folgen von Krebs und Herz- Kreislauferkrankungen. Viele Wohlstandskrankheiten wie beispielsweise Diabetes sind auch sehr verbreitet. Die Weltgesundheitsorganisation hat verarbeitetes Fleisch, also Fleisch, welches zum Beispiel durch salzen, räuchern, pökeln oder fermentieren haltbar und schmackhaft gemacht wird, in die höchste Stufe der krebserregenden Stoffe eingestuft, zusammen mit beispielsweise Rauchen, Plutonium und Asbest. Rotes Fleisch wurde in die Kategorie ,,potentiell krebserregend‘‘ eingestuft. Alles in einem kann man sagen, dass in Fleisch, oder generell in tierischen Produkten zwar zum Beispiel Calcium in Milch oder Eisen und Proteine in rotem Fleisch sind, aber in (fast) jedem tierischen Produkt steckt/stecken auch Cholesterin, Transfette, gesättigte Fettsäuren, Hormone, keine Ballaststoffe, kaum Vitamine, auch oft Antibiotika (-Rückstände), Blut und Eiter. Letztere drei oftmals da die Tiere meistens in den eigenen Fäkalien und Dreck leben und hohes Verletzungsrisiko besteht. Da den Tieren Antibiotika zugeführt wird, besteht eine enorme Gefahr für Antibiotikaresistenzen.


98 Prozent unserer tierischen Produkte stammen aus konventioneller Massentierhaltung, aber selbst wenn man sich die Eier von der Bäuerin nebenan, und sich sein Fleisch vom Bio-Metzger des Vertrauens holt, rechtfertigen wir immer noch ein System, in welchem wir Tiere für uns züchten, töten und kontrollieren, und das alles für einen unnötigen Zweck. Das menschliche Verdauungssystem ist nicht dafür ausgerichtet, Fleisch in größeren Mengen zu konsumieren. Wir können die Bilder aus der Tierhaltung nicht sehen, weil sie Gewalt zeigen. Also warum konsumieren wir ,,Produkte‘‘, deren ,,Produktion‘‘ wir nicht ertragen können? Wenn man einmal in einem Betrieb war, er kann sogar besser als der Durchschnitt sein, weiß man, dass dort unvorstellbares Leid entsteht. Ich selber war in zwei konventionellen Kuhbetrieben und einem konventionellen Schweinebetrieb, alle 3 waren besser als der Durchschnitt, und was ich dort, besonders in dem Schweinestall gesehen, gerochen und gehört habe, habe ich bis heute nicht verarbeiten können. Hinterfragen wir unseren Konsum und überlegen wir uns, ob es gerechtfertigt ist, Tiere für den eigenen Genuss zu töten, und ob es nicht komisch ist, dass wir Hunde lieben und Schweine essen. Denn das ist Karnismus.


Ist lang, ich weiß, ich würde mich aber wirklich über Kritik freuen, damit ich ihn noch weiter verbessern kann.

vlg
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30.07, 11:54 Uhr
.. und das mit ZWÖLF!! :clap: :clap: :clap: ich bin total begeistert von deiner ausdrucksweise, deinen herleitungen und all den themen, die du zusammenfasst und in verbindung setzt!! mega!! :star: :star: :star: :star: :star:

wieviel zeit hast du in den aufsatz gesteckt? gaaaaanz mega toll!! :thumbup:

ein punkt, den du noch reinbringen könntest, der auch mit der antibiotica-resistenz und der intensivhaltung von zuchttieren und lebensraumverengung der wildtiere zusammenhängt, sind neben aktuell corona auch bereits weitere viren/krankheiten, die drohen, auf den menschen überzugehen und pandemisches potential haben.


vielleicht passen auch noch schlagworte wie kognitive dissonanz und speziesismus o. ä.


und da du aufzählst, wieviele "nutztiere" wir jährlich halten und schlachten, ggü wieviele menschen auf der erde leben, wäre die zahl noch erwähnenswert, wieviele wildtiere es überhaupt nur auf der welt gibt (zahl mal gelesen, aber wieder vergessen, ein bruchteil leider nur).


am schluss des aufsatzes, um überprüfbar zu sein mit deinen aussagen, würde ich noch die quellen angeben. dann können interessierte dort entsprechend sich auch noch vertiefen.


aber ehrlich, dass sind alles nur tips, keinerlei kritik. denn das hast du sowas von toll geschrieben!!! ich müsste nachdenken, was für alberne aufsätze ich mit 12 geschrieben habe. boah, du wirst der bewegung in deinem leben noch weiter mega viel helfen können, und ich mag am liebsten dein ganzes leben lang mitlesen, was du weiter im leben so tust und denkst, wo du in zukunft dich engagierst, was du lernen/studieren wirst usw...
in mir hast du einen fan!!!


berichte bitte, wie die leute regieren, denen du den text zur verfügung stellst!
2x bearbeitet

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30.07, 14:09 Uhr
hier noch der Link zu Kilians Artikel über Karnismus
https://www.vegpool.de/magazin/karnismus.html
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30.07, 17:40 Uhr
Hast du den Aufsatz einfach so geschrieben oder ist der für die Schule? :-)

Ich habe mich gerade in den letzten Monaten sehr mit diesem Thema beschäftigt, da ich ursprünglich meine Bachelorarbeit darüber schreiben wollte. (Habe mich dann doch umentschieden, weil ich bei dem Thema meiner Meinung nach leider nicht objektiv genug bleiben kann)

An sich finde ich den Aufsatz sehr gut, aber ich habe ein paar kleine Anmerkungen:
1. Du gehst nur sehr wenig darauf ein, was Karnismus eigentlich ist. Wenn das das übergeordnete Thema sein soll, würde ich da nochmal mehr über die Eigenschaften davon schreiben. (z.B. die 3 Ns oder dass sich die karnistischen Gesellschaften je nach Kultur unterscheiden)
2. Ich finde die Stelle mit "zu faul oder willensschwach, um was zu ändern" im Zusammenhang mit Karnismus nicht so passend. Es geht ja darum, dass man in einer Gesellschaft aufwächst, in der Tiere zu essen ganz normal ist und die Norm. Sie sind von dieser anerzogenen Lebensweise so überzeugt oder hinterfragen das einfach nicht.
3. Einige Informationen schneidest du nur an und erklärst sie dann nicht. Du könntest ja kurz beschreiben, warum der Konsum von Tierprodukten zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes führen kann. Für Krebs hast du das ja getan, aber die anderen Krankheiten einfach aufzuführen kann zu Verwirrung und Unverständnis führen.
4. Da du erwähnst, dass der Konsum von Fleisch ein unnötiger Genuss ist, wäre es wahrscheinlich noch sinnvoll kurz zu schreiben, dass wir alle lebensnotwendigen Nährstoffe auch ohne tierische Produkte aufnehmen können, inklusive B12. Mit der Aussage, dass unser Körper große Mengen Fleisch nicht verdauen kann, wäre ich vorsichtig. Ja, der Körper braucht viel länger um tierische Produkte zu verdauen und sie verursachen Entzündungen besonders im Darmtrakt, aber rein theoretisch kann der menschliche Körper Fleisch verdauen.


Ich finde es auch sehr lobenswert, dass du dich in deinem Alter schon mit so wichtigen Dingen beschäftigst und auch dafür sorgen willst, dass andere aufgeklärt werden. :-)
Tatsächlich kam ich damals auch das erste Mal in der Schule mit diesem ganzen Thema in Berührung. Unser IT-Lehrer hat uns eine Stunde einfach mal einen Aufklärungsfilm gezeigt und ich war danach sehr schockiert und wurde das erste Mal vegetarisch. Vielleicht schaffst du es ja auch zu einem Umdenken zu bewegen. :thumbup:
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31.07, 15:30 Uhr
Erstmal vielen Dank, auch für die Kritik, ich verbessere den Aufsatz grade.

Ich weiß nicht, Salma, die Leute reagieren unterschiedlich: Von ,,Was is das n für n Müll?" über ,,Och, hast du keine Hobbys?" und ,,Ok, was is das?" bis hin zu ,,Zeig mal her, ich wills mir mal anschauen" ist so ziemlich alles mit dabei, wobei der Großteil natürlich negativ ist.


Aktuell lese ich auch ,,Tierethik" von Frederike Schmitz, ,,Vegan ist Unsinn" von Niko Rittenau, Patrick Schönfeld und Ed Winters, und ,,Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen" von Melanie Joy. Und ja, ich hab ja im Aufsatz was von letzterem Buch erwähnt, obwohl ich es noch nicht gelesen hatte, ich habe mich aber mit dem Buch, Leseproben und Rezensionen befasst.

Ich werde mir eure Tipps zu Herzen nehmen, aber zum Beispiel kann ich die Quellen nicht mehr angeben, da steckt so viel drin, für jedes einzelne Wort gibt es vermutlich fünf Quellen, da ich so viel damit befasst habe, die unterschiedlichsten Websites, Bücher Filme, Videos, etc.

glg


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02.08, 15:49 Uhr
Das ist toll, dass Du daran weiterarbeiten willst :thumbup: Und dich von den negativen Reaktionen nicht herunterziehen läßt!!!

Das mit den Quellen: versuche es Dir aber, für die Zukunft anzutrainieren, zu den Fakten die Quellen zu notieren. Das ist für wissenschaftliches Arbeiten sehr wichtig (muss man mit 12 vermutlich noch nicht ;) ). Zumal Dir immer wieder jemand begegnen wird, der dann sagt, dass ein Behauptung nicht stimme, sie Dir widerlegt, mit einem anderen Artikel oder einer anderen Forschung, und dann muss Du mit deinen Quellen dagegen halten können....
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