Moralexperiment zu Speziesmus

Erstellt 04.01.2021, 12:51 Uhr, von Sunjo. Kategorie: Umwelt & Tiere. 8 Antworten.

Moralexperiment zu Speziesmus
04.01.2021, 12:51 Uhr
Ein ganz interessanter Artikel zu diesem Moralexperiment, welches die Frage untersucht, ob (stark ausgeprägter) Speziesmus eher erlernt wird
https://www.spektrum.de/news/moralexperiment-fuer-kinder-ist-ein-hund-so-viel-wert-wie-ein-mensch/1813748
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Hi,

was hältst Du davon? :star:

LG!
04.01.2021, 19:31 Uhr
Hi Sunjo
danke für den Artikel. Gefühlsmäßig würde ich sagen, dass das Verhalten der Menschen gegenüber Tieren sich ändert, je nach dem , wie sie von ihrer Umgebung beeinflusst werden , also ob Kinder früh lernen auch andere Wesen zu respektieren und zu lieben oder nicht. Sicher sind manche Kinder am Anfang noch offener für Tiere ( es gibt aber auch schon Kinder die Tiere quälen ) aber wenn sie immer wieder erfahren, dass die Erwachsenen Tiere misshandeln oder eben schlechter bewerten, dann werden Kinder auch so - es mag natürlich Ausnahmen geben.


Lieben Gruß
METTA
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04.01.2021, 20:02 Uhr
Ich habe bis zum 8 LJ, in Russland, auf einem "Selbstversorgerhof" gelebt. Es war normal, dass ein geschlachtetes Schwein im Garten rumhing und auch sonst waren selbst Katzen ( als Schädlingsbekämpfer) und Hunde ( am Haus teilweise festgebunden, als Türklingel) eine Art vom "Nutz"tiere. Für mich waren Tiere halt da, schon süß aber ich hatte Null Bezug. Erst mit dem Einzug meiner zwei Kater im Sommer 2019 lernte ich die Tiere individuelle Persönlichkeit haben, sie sind ein Teil der Familie. Dafür musste ich zwar älter werden, als ein Kind :lol: aber wenn man mit Tieren zusammenlebt und sich auf sie einlässt, weiß man auch als Erwachsener zu schätzen. Meine Kater sind mehr als zwei Puschel, die bei mir mitwohnen. Sie gehören zur Familie und ihre Gesellschaft ist mir meist Wertvoller als die eines Menschen.
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04.01.2021, 22:45 Uhr
Sicher sind manche Kinder am Anfang noch offener für Tiere ( es gibt aber auch schon Kinder die Tiere quälen ) aber wenn sie immer wieder erfahren, dass die Erwachsenen Tiere misshandeln oder eben schlechter bewerten, dann werden Kinder auch so - es mag natürlich Ausnahmen geben


Das sehe ich ein bisschen anders. Was heißt am Anfang? Du kannst kein zwei- oder dreijähriges Kind mit einem Tier allein lassen, weil es einfach experimentell mit ihm umgehen wird und dabei die Gefahr, dass entweder das Tier oder das Kind zu Schaden kommt, sehr groß ist. Jedes Kleinkind ist unabsichtlich ein potenzieller Tierquäler. Erst durch Vorbilder lernt das Kind, etwas anderes in einem Tier zu sehen als ein interessantes Spielzeug. (Oder eben nicht, je nach Vorbild.)

Ich wehre mich dagegen, Kinder als moralisch den Erwachsenen überlegen darzustellen. Das können sie nicht sein, da ethisches Empfinden nicht angeboren ist und dann von den bösen Erwachsenen verdorben wird, sondern im Laufe der Entwicklung erst erlernt wird.


Die Kinder in der Studie waren fünf bis neun Jahre alt, also sicher nicht mehr von erwachsenen Moralvorstellungen unbeeinflusst. Das was sie an Werten haben, haben sie von Erwachsenen gelernt.


Dass sie nun eher als Erwachsene dazu tendieren, den Hund statt des Menschen zu retten, hängt vielleicht damit zusammen, dass sie sich mit dem Schwächeren mehr identifizieren. Das ist nur so eine Vermutung von mir.

Jedenfalls spricht die Tatsache, dass die Schweine deutlich schlechtere Karten haben, dafür, dass es hier nicht wirklich um Werte geht, sondern darum, ob man ein Tier „süß“ findet. Tauscht das Schwein gegen ein Pony und die Sache sieht wieder anders aus.

Mich stört außerdem der Beigeschmack, den das Wort Speziezismus hat. Wer von euch würde ernsthaft einen Menschen ertrinken lassen, um einen Hund zu retten?


Vielleicht sollte ich noch hinzufügen, dass ich als Kind genau das getan hätte.
1x bearbeitet

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04.01.2021, 23:34 Uhr
Zitat Akel-Ei:Wer von euch würde ernsthaft einen Menschen ertrinken lassen, um einen Hund zu retten?

Naja, der eigene Hund oder die eigene Katze stehen vielen (allen?) Menschen näher, als so ein namenloser Flüchtling, der im Mittelmeer ersäuft, oder? Und leistet nicht sogar auch die Ernährung von Millionen von Haustieren mit Fleisch einen nicht unbedeutenden Beitrag dazu, dass Menschen die Lebensgrundlage entzogen wird (durch Landraub, Lebensraumumnutzung, Klimawandel, etc.)? Da ist dann einfach eine Frage, wen man zur Familie zählt und wen nicht.
Deswegen würde ich auch nicht eigenes Haustier gegen unbekannten Menschen zur Debatte stellen, sondern unbekanntes Tier und unbekannten Menschen. Und ja, auch da wäre mir der Mensch wichtiger. Ehrlich gesagt, finde ich es auch nicht wirklich die richtige Definition von Speziesmus, wenn uns Menschen andere Menschen näher stehen. Wir sind sicher keine bessere Spezies als andere, aber auch hier ist es nicht merkwürdig, dass uns unsere eigene Spezies näher steht als andere. Interessant wird es meiner Meinung nach wirklich erst, wenn es um die Frage geht, ob man eher den Hund, die Katze oder das Schwein rettet. Lieber ein Haustier (einschließlich der ausgenutzten) oder doch lieber Wildtiere im natürlichen Lebensraum?
Und wenn man dann zu dem Ergebnis kommt, dass das Beste für die Tiere (einfach nur in Ruhe lassen, wie Hagen Rether sagt) auch dem Menschen nützt, dann ist es nur noch ein kleiner Schritt zum Veganismus.
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05.01.2021, 12:13 Uhr
Zitat Sunjo:...
Deswegen würde ich auch nicht eigenes Haustier gegen unbekannten Menschen zur Debatte stellen, sondern unbekanntes Tier und unbekannten Menschen. Und ja, auch da wäre mir der Mensch wichtiger. ...

Ein interessantes Gedankenexperiment - vielen Dank Sunjo für den Anstoß hier!
Ich habe länger darüber nachgedacht, und muss, um ganz ehrlich zu sein, zugeben, dass ich das Tier retten würde - wenn ich nur pur die Situation betrachte. Begründung: Ich würde dem schwächeren, also dem Tier helfen, und darauf hoffen, dass der Mensch, dem viel mehr Fähigkeiten gegeben sind, sich selber zu retten, etwas länger durchhält. Der Mensch kann besonnener bleiben, eine Notsituation besser überschauen, ggf. besser die Luftanhalten, oder einen Ast greifen oder oder, während das Tier rein instinktiv nur handelt... Nein, mir wäre der Mensch nicht wichtiger. Für mich haben tatsächlich beide dasselbe Lebensrecht. Und von dem Standpunkt aus müßte man den schwächeren zuerst retten, so, wie bei einem Schiffsunglück zu erst Frauen und Kinder in die Rettungsboote gelassen werden.

Ggf. wäre mir allerdings in unserer Menschenwelt bang darum, dass ich dann dran bin gegenüber unseren Gesetzen, weil es dann unterlassene Hilfeleistung wäre und ich eine "Sache" einem Menschen vorgezogen hätte. So gesehen müßte ich in der Situation dann obendrauf abwägen, wie sehr mir mein eigener Lebenskomfort nach der Rettung wichtig wäre...

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05.01.2021, 14:56 Uhr
Hi Salma
das wäre aber im Moment nur, solange eben die Gesetze die Tiere nur als "Sache" sehen. Und daran muss halt gearbeitet werden. Das wäre mal eine gute Geschichte für den Ferdinand von Schirach: also dass ein Mensch ein Tier rettet und einen Menschen vernachlässigt und dann vor Gericht kommt...

lieben Gruß
METTA
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06.01.2021, 14:47 Uhr
Ja, liebe Metta, ich hoffe es soooo sehr, noch erleben zu dürfen, dass sich das "Tierrecht" dem "Menschenrecht" angleicht!

Was denkst Du über diese Schirach-Inszenierungen?
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06.01.2021, 16:25 Uhr
Hallo Salma
ich selbst habe sie nicht ganz gesehen ; nur den Schluss, da ich unten am meinem PC saß und Bernd und unser Sohn oben an Bernds PC.


Lieben Gruß
METTA
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