Deutschland vegan ernähren - geht das?

Erstellt 22.10.2020, 02:21 Uhr, von Vegbudsd. Kategorie: Allgemein vegan. 14 Antworten.

Deutschland vegan ernähren - geht das?
22.10.2020, 02:21 Uhr
Eine immer wieder nicht gestellte, aber nach meiner Meinung essentielle Frage an Veganer*innen ist für mich die Frage, wie der Umstieg auf vegane Lebensweise für die gesamte Bevölkerung in Deutschland / weltweit möglich wäre. Also wie wäre die Ernährung, Kleidung und die Herstellung anderer Produkte,die bisher nur mit tierlichen Inhaltsstoffen oder Bestandteilen der Herstellungsrezeptur hergestellt werden, auch ohne tierliche Anteile sicher zu stellen?


Wäre dies mit den bisher vorhandenen Ressourcen uneingeschränkt möglich, oder wo würden tatsächliche Defizite entstehen - oder würde es sogar viel leichter und für alle erträglicher? Wie würden die Tonnen an Fleisch und Milchprodukten, das Leder usw. vollständig vegan ersetzt? Wäre die hiesige Landwirtschaft dazu überhaupt in der Lage? Oder müssten mit Importen (woher auch immer) die Löcher gestopft werden?

Ginge das überhaupt? Und wenn ja, welche Folgen hätte das dann tatsächlich für die Umwelt und Menschen in anderen Ländern, von denen wir die Waren beziehen würden. Gige das ohne Gentechnik in ausreichendem Maß oder wären die Veganer dann die Treiber der Gentechnikindustrie. Wie müsste die gesamte Landwirtschaft umgestellt werden, wenn die komplette Tiergefangenhaltung zur Herstellung von Produkten vom Leder für Autositze und Lenkräder bis hin zur Milch oder Läuseblut zum Färben von Lebensmitteln beendet würde? Wie müsste man beginnen und welche Verwerfungen wären zu erwarten? Da fehlt sicher noch so einiges an Themen, die zu beachten wären. Freue mich auf die Diskussion, denn ohne richtige funktionierende Antworten auf diese Fragen werden wir es sehr , sehr schwer haben, dauerhaft erfolgreich zu werden. Andererseits: Bei guten und praktikablen Lösungen und Antworten auf die gestellten Fragen, wird es für die Tiergefangenhalter und Tiertöter um so schwerer, sich weiterhin dagegen zu stemmen - ihnen gehen schlicht die Argumente vollständig aus.

2x bearbeitet

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Hi,

was hältst Du davon? :star:

LG!
22.10.2020, 13:52 Uhr
Hallo Vegbudsd,
das ist eine große Frage, die wahrscheinlich nicht so einfach beantwortet werden kann. Denn da spielen zu viele Faktoren mit, sowohl ökonomische , als auch ökologische , psychologische ( wie man andere davon überzeugt, was ja hier im Forum auch oft angefragt wird ) etc. mit. Und auch in der Bildung, also von klein auf in der Kita und Schule zu lernen, dass es auch ohne tierische Produkte geht. Da fängt es ja schon an, dass dann viele Agrarlobbyisten sich z.B. jetzt schon über Bilderbücher beschweren, die das Leid der Tiere zeigen und auf der anderen Seite Veganer, denen es nicht genug ist, was dargestellt wird- wobei man da ja auch auf die Aufnahmefähigkeit der Kinder achten muss( in ländlichen Gebieten werden da aber auch Kinder in Schulen sein, deren Eltern schlachten - da muss wiederum darauf geachtet werden, dass diese Kinder nicht gemobbt werden.)
Und sicher wird auch der Konsum zurückgehen müssen, was den Lobbyisten des Kapitalismus gar nicht gefallen würde. Ja es gibt noch viele Unwägbarkeiten, die man berücksichtigen müsste.

Lieben Gruß
METTA
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22.10.2020, 14:51 Uhr
Du hast sicher Recht, das sind alles wichtige Aspekte, die man bei der Umsetzung nicht außer acht lassen darf.

Meine Frage zielte allerdings vor allem auf die technisch/landwirtschaftliche Umsetzbarkeit mit den derzeit vorhandenen Ressourcen und zur Verfügung stehenden Flächen. Denn es müssen ja Millionen von Tonnen an Fleisch und Milch dann künftig durch pflanzliche Produkte ersetzt werden, wenn wir die Menschen weiterhin satt bekommen wollen. Wenn dann auch noch der große Teil des Mistes und Dungs weg fällt, weil keine Tiere mehr gehalten werden, wird es nach meiner Kenntnis weniger Ertrag auf den Feldern geben, was die Versorgungssicherheit durchaus verringern könnte.

Habe gestern Abend Herrn Rukwied (Bauernverbandspräsident) zu den EU-Beschlüssen gehört. Er sprach unverblümt davon, dass man bei den Umweltschutzmaßnahmen usw. unbedingt die Versorgungssicherheit im Auge behalten müsse. Das kam mir vor wie im übelsten Mafiafilm so nach dem Motto: "Wir wissen, wo Deine Familie wohnt und Deine Tochter zur Schule geht!" Unausgesprochen aber durchaus durchblicken lassend: "Wenn ihr zu viele Umweltauflagen und Veränderungen einführt, kann es sein, dass wir keine Lebensmittel mehr produzieren... und Eure Wähler nix mehr auf dem Teller haben. Nur so ergibt der verwendete Terminus Sinn.
Sehr häßlich das!

Meine These: Auch die Landwirte haben durchaus ein eigenes Interesse, mit weniger oder gar keinem Tierleid ihre Brötchen verdienen zu können, frei von Anfeindungen und ständigem Rechtfertigungsdruck. Nur zeigt ihnen niemand den Weg dorthin und alle Versuche etwas in diese Richtung zu bewegen werden von Großlandwirten und ihren Funktionären ausgebremst und sabotiert. Im Ergebnis gibt es immer weniger Landwirte, die von ihrem Beruf auch auskömmlich leben können. Eigentlich müssten wir gemeinsam, also vegane Verbraucher und vegane Lebensmittel bereitstellende Landwirte eine neue Landwirtschaft starten, die genug Geld für die Landwirte bereitstellt und gleichzeitig eine gewaltfreie Ernährung garantiert. Die meisten kleinen und mittelständischen Landwirtschaftsbetriebe sind unzufrieden mit den Erträgen und ohne EU-Subventionen wäre das Überleben für diese Betriebe unmöglich.

Habe manchmal das Gefühl, dass da zu viel Ideologie und zu wenig Logik im Spiel ist.
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22.10.2020, 15:52 Uhr
Zitat Vegbudsd:Unausgesprochen aber durchaus durchblicken lassend: "Wenn ihr zu viele Umweltauflagen und Veränderungen einführt, kann es sein, dass wir keine Lebensmittel mehr produzieren....

Das Problem an der Sache ist, dass ohne Umweltauflagen und Veränderungen auch keine Lebensmittel mehr produziert werden. Dann ist der in Jahrtausenden entstandene fruchtbare Boden nämlich weg. Ohne Veränderungen schätzt man die dafür noch verbleibende Zeit auf 60 Jahre.
Ein Ansatz wäre, den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit in den Lebensmittelpreis mit aufzunehmen. Landwirte, die den Boden nur vergiften, auslaugen und wegerodieren lassen, müssen (!) für den geringeren und zukunftsgefährdenden Einsatz schlechter entlohnt werden als die, die sich für nachhaltige Landwirtschaft einsetzen, dafür aber momentan keinerlei Belohnung erhalten.
Das ist einer der Ansätze aus der Doku "Unser Boden, unser Erbe".

Um den Bogen zur Ursprungsfrage noch hinzubekommen: Ist unsere tierproduktreiche Ernährung oder generell die Ernährung im Überfluss, bei der so viel verschwendet wird, nicht sowieso nur möglich, weil wir in Deutschland nicht nur den eigenen Boden und eigene Ressourcen nutzen, sondern dazu noch fleißig importieren? Warum sollte man dann bei veganer Ernährung plötzlich den Anspruch haben, ohne Importe auskommen zu müssen und dies gar noch als Totschlagargument zu nutzen?

Oder nochmal aus einer anderen Richtung gedacht: Wenn es aufgrund des Klimawandels immer häufiger zu Ernteausfällen kommt (Dürre, Starkregen, Schädlinge, etc.), dürfte sich die Frage, ob wir es uns noch leisten können, landwirtschaftliche Nutzfläche für Tierfutter zu verschwenden, ziemlich schnell erledigt haben.

Auf die Welt gesehen: in Vegetationszonen, in denen keine Landwirtschaft möglich ist, würde ich aktuell Tierhaltung nicht grundsätzlich ausschließen.


Und auch schon mehrfach angesprochen: Nährstoffrückführung geht auch über die Stoffwechselendprodukte von uns Menschen.
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04.11.2020, 12:05 Uhr
Hi,
ernst zu nehmende Frage. Ich würde gern mit Ja antworten und sofort an so eine Utopie glauben, aber ob uns dafür die Ressourcen zur Verfügung stehen bezweifle ich
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04.11.2020, 14:38 Uhr
Man muss sicher erstmal berücksichtigen, dass Deutschland viel mehr Industrie- als Agrarland ist. Würden wir es denn überhaupt schaffen, uns nichtvegan selbst zu versorgen? Auch wenn wir bereit wären auf alles nicht Notwendige zu verzichten (denns Biomarkt hat gerade Heidelbeeren aus Argentinien im Angebot, was ja wohl echt nicht sein muss, aber ich schweife ab....), würden die landwirtschaftlich nutzbaren Flächen ausreichen? Und wenn wir auf vegan umstellen wollen, wohin mit den ganzen vorhandenen Millionen Tieren, die Weideland und Futter brauchen, das dann erstmal für uns nicht zur Verfügung steht? Wie alt wird eine Kuh? Mindestens so lange würde es dann ja dauern bis wir überhaupt anfangen könnten, auf komplette vegane Selbstversorgung zu setzen.
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04.11.2020, 16:54 Uhr
Natürlich könnte Deutschland seine Bevölkerung selbst vegan ernähren, das würde selbst wenn die Menschen dazu bereit wären Jahrzehnte dauern. Die Ackerflächen würden ausreichen, die meisten Flächen werden für Tierfutter gebraucht. Viele Bauern haben auch Ackerland brach liegen und bekommen Subventionen dafür damit sie es nicht bewirtschaften, irre ! Wir haben im Land jede Menge so genanntes " Superfood " ( alles Gemüse und Obst der Saison ), das brauchen wir nicht aus fernen Ländern. Eine Kuh wird normal ca. 25 - 30 Jahre alt, der Tierbestand würde allmählich abgebaut werden müssen. Es würden ja immer noch Tiere geschlachtet wegen dem Fleischkonsum, es dürften nur keine mehr gezüchtet und gemästet werden.
1x bearbeitet

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05.11.2020, 00:11 Uhr
Zitat Smaragdgruen:...Eine Kuh wird normal ca. 25 - 30 Jahre alt, der Tierbestand würde allmählich abgebaut werden müssen....

Lieber Smaragdgruen, ich teile Deine Einschätzung, dass das natürlich machbar wär :thumbup:
Das einzige Detail was ich noch hinzufügen möchte: Die Kühe aus der industriellen Sklavenhaltung werden ja leider niemals so alt, sie sterben ja viel früher, da sie ja genetisch auf Raubbau gezüchtet worden sind, und wie ich las, müssen ca die Hälfte der Rinder nach wenigen Jahren getötet werden, weil sie derart schlimm erkranken.
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05.11.2020, 07:40 Uhr
Ja Salma, da hast du recht. Meist werden die Kühe nach 4 oder 5 Jahren geschlachtet weil die Milchleistung nach lässt und mehr Krankheiten drohen. Das natürliche Alter dieser Tiere sinkt jedoch durch Überzüchtung.
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05.11.2020, 10:41 Uhr
Hallo Smaragdgruen
wegen der liegenbleibenden Ackerflächen, das wäre wahrscheinlich nicht das Problem, da das ja - meines Wissens- auch für den Boden selbst gut ist, nicht jedes Jahr bewirtschaftet zu werden.


Einige Tiere , aber eben nicht zum Schlachten, braucht man ja auch für Beweidung von bestimmten Flächen, z.B. Schafe bei den Dämmen an der Ostsee oder auch hier zum kurzhalten des Grases, aber auch Kühe könnten sicher an bestimmten Stellen eingesetzt werden, aber das könnten ja dann auch Kühe aus Lebenshöfen machen.
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