23.09.2021 17:30 Uhr BMEL Berlin - Solidaritätsraddemo

Region: Berlin.

Erstellt 13.09, 14:51 Uhr, von Salma. Kategorie: Regional vegan. 13 Antworten.

04.10, 14:52 Uhr
Zitat Salma:
Aber wir sind ja hier, um uns auszutauschen, und ich bin gespannt, was Du Sunjo von der Konferenz in Leipzig alles berichten kannst!!

Ich habe tatsächlich den Referenten zum Thema Holocaustvergleich am Sonntagmorgen noch dazu befragen können. Er meinte, er müsste sich dazu schon nochmal etwas intensiver mit dem Vergleich beschäftigen (ein redlicher Vergleich sucht nicht nur nach Gemeinsamkeiten, sondern auch nach Unterschieden). Anders als beim Holocaustvergleich, der im Falle einer Gleichsetzung falsch und nicht nur deshalb unbedingt zu vermeiden ist (!), gibt es beim Sklavereivergleich nicht sofort offensichtliche Unterschiede. Man müsste sich die verschiedenen Formen von Sklaverei nochmal im Detail ansehen. Aus dem Vortrag des Vortages hab ich aber für mich persönlich mitgenommen, dass man den verschiedenen Opfergruppen auch jeweils ihr individuelles Leid anerkennen und nicht durch Vergleiche und unzulässige Gleichsetzungen die Diskussion vom eigentlichen Thema ablenken und damit mögliche Mitstreiter verprellen sollte.
Zu erwähnen sei noch, dass die Eskalation des Konflikts von anderen Augenzeugen (einer davon stand im Gespräch mit dabei) der fehlenden Kooperationsbereitschaft des Aktivisten mit dem kritischen Banner zugeschrieben wurde.
Zitat sennaciulo:
Nicht alle Menschen haben die Zeit und andere Voraussetzungen, um Diskussionen über den gerade angesagten Sprachgebrauch zu verfolgen, und es kann nicht angehen, wenn Menschen, die offensichtlich keine böswillige Absicht haben, wegen so etwas angemacht werden.

Jede Person, die für etwas kritisiert wird, was sie vorher nicht bedacht hatte, sollte sich zunächst die Zeit nehmen, die Kritik zu überdenken und falls Gegenargumente vorhanden sind, diese sachlich vorzutragen. Oder falls es an Gegenargumenten mangelt, den Fehler einzusehen, einzugestehen und nicht zu wiederholen. Fast immer ist die sofortige Ablehnung einer Kritik nicht die vernünftigste Reaktion. Und der konkrete Fall war nicht trivial und sofort zu klären. Banner einpacken und weiter für die Tiere mitdemonstrieren, wäre meiner Meinung nach die richtige Entscheidung gewesen.
Zitat Salma: Irgendwo ist auch mal gut mit Gendern und Respektieren von allerlei menshclichen Befindlichkeiten, finde ich jedenfalls.

Das sehe ich in der Schlussfolgerung also anders. Ich sehe dazu aber außer meiner Distanzierung dazu keinen weiteren Diskussionsbedarf, da sich dieses Forum ja vor allem an Einsteiger richtet und diese Diskussion sehr deutlich in den Fortgeschrittenen-/Aktivistenbereich fällt.
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04.10, 17:01 Uhr
Liebe Sunjo, Danke, dass Du Dir so viel Zeit genommen hast, in verschiedenen Posts von Leipzig zu berichten, und auch den Vortragenden noch befragt hast. :thumbup:
Zitat Sunjo: ...Zu erwähnen sei noch, dass die Eskalation des Konflikts von anderen Augenzeugen (einer davon stand im Gespräch mit dabei) der fehlenden Kooperationsbereitschaft des Aktivisten mit dem kritischen Banner zugeschrieben wurde. ...
Da muss ich den Aktivisten in Schutz nehmen: er fragte seinerseits, ob er mitlaufen könne, wenn er das Banner abnähme. Aber da man ihm sehr vehement begegnete, ihn mit mehreren Personen anging, bevorzugte er, unter Protest, zu gehen. Allein die Lautstärke seines Protests könnte man als Eskalation deuten, inhaltich fand ich seine Argumente sehr logisch.

Zitat Sunjo: ... dazu keinen weiteren Diskussionsbedarf, da sich dieses Forum ja vor allem an Einsteiger richtet und diese Diskussion sehr deutlich in den Fortgeschrittenen-/Aktivistenbereich fällt.
Gerade diese KZ-/Sklaverei-Vergleiche nutzen doch auch Vegan-Neulinge, weil ihnen die Dinge wie SChuppen plötzlich von den Augen fallen. Deshalb finde ich es schon auch passend, hier darüber zu reflektieren....
Zitat Sunjo: ... Anders als beim Holocaustvergleich, der im Falle einer Gleichsetzung falsch und nicht nur deshalb unbedingt zu vermeiden ist (!)...

Zitat DaisyDuck:...Bei der „Holocaust-Vergleich“-Diskussion darf man aber nicht vergessen, dass dieser Vergleich zuerst von Holocaust Überlebenden selbst gezogen wurde!
Der bekannteste ist vermutlich der Literatur Nobelpreisträger Isaac Bashevis Singer: „Sie haben sich eingeredet, der Mensch, der schlimmste Übeltäter unter allen Lebewesen, sei die Krone der Schöpfung. Alle anderen Kreaturen seien nur erschaffen worden, um ihm Nahrung und Pelze zu liefern, um gequält und ausgerottet zu werden. Ihnen gegenüber sind alle Menschen Nazis; für die Tiere ist jeden Tag Treblinka.“

Bild: ohne Beschreibung

Zum Thema Holocaust-Vergleich wurde auch hier bereits diskutiert:
https://www.vegpool.de/forum/neu-hier/neu-hier-41-1.html, am Ende steht DaisyDucks Text, den ich zitiert habe...

Darüber gibt es das Buch, mit demselben Titel, über die Ursprünge des industrialisierten Tötens: https://animal-rights.de/2018/01/26/fuer-die-tiere-ist-jeden-tag-treblinka/
Bild: ohne Beschreibung

Ich kenne es allerdings nicht. Vielleicht hat es jemand gelesen, und mag im Bücher-Thread dazu etwas schreiben?



3x bearbeitet

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04.10, 21:06 Uhr
Nach den Argumenten, die gegen einen Holocaust-Vergleich sprechen, hattest du leider gar nicht gefragt, Salma. Ich ergänz die mal mit einem Link, den ich einigermaßen passend finde (der Vortrag war natürlich noch weitaus tiefgehender, aber den kann ich leider nicht ebenso gut wiedergeben): https://www.spurgo.de/blog/2015/11/13/keine-falschen-vergleiche-der-tierbefreiung/
Auch wenn der Vergleich von einem Holocaustüberlebenden selbst verwendet wird, heißt das nicht, dass eine Gleichsetzung dadurch gerechtfertigt oder zutreffend ist. Auch ein Holocaustüberlebender ist nicht automatisch unfehlbar und eine moralische Instanz. Dieser Einzelne vertritt auch nicht all seine Leidensgenossen, im Gegenteil.
Und dann gibt es ja auch noch die Unterscheidung zwischen Opfern und Tätern. Wenn sich eine Person of Color selbst mit einem rassistisch empfundenen Begriff benennt, rechtfertigt das noch lange nicht, dass dieser rassistische Begriff gleichermaßen von Weißen verwendet werden darf.
Und selbst wenn man alle Argumente, die gegen das Vergleichen und Gleichsetzen sprechen, ablehnt, muss man schon allein aus pragmatischen Gründen darauf verzichten. Mit derart emotionalen extrem provozierenden Vergleichen stößt man mehr Leute vor den Kopf, als sie für die Sache der Tiere zu gewinnen. Im schlimmsten Fall spielt man dann auch noch den echten Menschenfeinden in die Hände. Das kann eigentlich keiner hier wollen (hoffe ich).
Ich kann an dieser Stelle nur empfehlen, hier in diesem Forum, welches öffentlich ist, nicht stur auf die Verbreitung dieser Vergleiche zu beharren. Und ich hoffe sehr, dass Kilian das auch so sieht.
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05.10, 06:51 Uhr
Also ich denke auch, dass ich eher vorsichtiger bin, was diese Vergleiche von Sklaverei und Holocaust in Verbindung mit Tieren angeht und das lieber unterlasse.
Denn gerade auch diese Redeweise : " Dann darf man ja gar nichts mehr sagen" ist sehr beliebt in menschenfeindlichen Kreisen und das möchte ich nicht unterstützen.
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