Tierschutz

Stammen Freiland-Eier aus Tierquälerei?

In den letzten Jahren hat sich das Kaufverhalten der Verbraucher verändert - zumindest, wenn es um Eier geht. Nach intensivem Einsatz haben Organisationen es geschafft, die Quälerei der Hennen stärker in das Bewusstsein der Verbraucher zu rücken. Seitdem werden Eier je nach Haltungsform gekennzeichnet: Bio-Haltung, Freilandhaltung, Bodenhaltung und Kleingruppenhaltung (der Nachfolger der Käfighaltung).

Viele Verbraucher kauften fortan ausschließlich Eier aus Freilandhaltung - mit dem guten Gefühl, den Tieren dadurch zu einem besseren Leben zu verhelfen. Denn in der Tat: Die abgebildeten, saftigen Wiesen auf den Verpackungen versprechen pures Wellness für die Hennen!

Und doch nagt in vielen Tierfreunden die Frage, ob die Freilandhaltung den Tieren wirklich gerecht wird. Ob Eier aus Freilandhaltung wirklich ohne Tierquälerei erzeugt werden.

Bei der Frage, welche Tierhaltung für die Hühner die Beste ist (und ob Freilandhaltung Tierquälerei ist), lohnt sich ein Blick auf die natürlichen Verhaltensweisen von Hühnern. Die hiesigen Hühnerrassen stammen ursprünglich von den südasiatischen Bankiva-Hühnern ab, die man auch heute noch in der Natur Asiens beobachten kann.

Das natürliche Verhalten der Ur-Hühner.

Hühner halten sich natürlicherweise in übersichtlichen Gruppen auf. Untersuchungen gehen davon aus, das sie 15-50 Artgenossen "erkennen" und unterscheiden können. Die Herden der Bankiva-Hühner waren ohnehin nicht größer. Bei diesen Herdengrößen ist es für die Tiere möglich, ihre natürliche "Hackordnung" zu bilden, ein bei Hühnern stark ausgeprägtes Verhalten.

Eine Henne pickt im Gras
Ein Huhn auf einer Wiese. Ein Anblick, der in der industriellen Haltung nicht vorkommt.
Bild: Thomas Vlerick, flickr.com (bearb.), CC-BY

Zum Schutz vor Raubvögeln halten sich Hühner - wenn sie es in Freiheit können - meist unter Bäumen oder in der Nähe von Unterschlüpfen auf. Die Nacht verbringen sie nach Möglichkeit an erhöhten Orten, z. B. auf Ästen oder Stangen und außer Reichweite von Raubtieren. Wer Hühner beobachtet, der erkennt, wie gerne diese Vögel an sonnigen Tagen im Sand und Staub "baden" und ihr Gefieder reinigen.

In der Eier-Industrie - und dazu gehört auch die Freilandhaltung - sieht der Alltag für ein Legehuhn hingegen ganz anders aus.

Hybrid-Hennen in Freilandhaltung.

Praktisch alle Hennen, die in Deutschland zum Zweck des Eierlegens gehalten werden, sind sogenannte Hybrid-Hennen. Diesen wurde eine hohe Legeleistung angezüchtet, die durch eine kurze Lebensdauer der Tiere "erkauft" wird. Da die männlichen Tiere keine Eier legen, werden die meisten männlichen Küken direkt nach dem Schlupf getötet. Da für Eier somit Tiere getötet werden, gelten Eier für manche Tierfreunde nicht einmal als "vegetarisch". Veganer lehnen Eier ganz ab.

Hybrid-Hennen legen deutlich mehr als 230 Eier im Jahr - die meisten davon unbefruchtet. Dies widerspricht dem Fortpflanzungsverhalten in der Natur, denn aus unbefruchteten Eiern können schließlich keine Küken schlüpfen. Die hohe Legeleistung führt zu einem starken Bedarf nach Nährstoffen und Calcium und häufig zu schmerzhaften Erkrankungen des Skeletts und der Fortpflanzungsorgane der Tiere. Während die Ur-Hühner durchaus älter als 10 Jahre werden konnten, ist in der industriellen Legehaltung (inkl. der Freilandhaltung) nach spätestens 2,5 Jahren Schluss.

Küken
Männliche Küken haben in der Eierindustrie keine Zukunft.
Bild: Cornelia Kopp, flickr.com (bearb.), CC-BY

Auch Hähne kommen vereinzelt in der Freilandhaltung (und in anderen Haltungsformen) vor - ihre Anwesenheit soll positiven, hormonellen Einfluss auf die Hennen haben. Daher finden Verbraucher - vereinzelt - auch befruchtete Eier im Eierkarton.

Tiere in Freilandhaltung können zwar theoretisch ins Freie - diese Möglichkeit wird aber nur von wenigen Tieren genutzt. Wegen der Größe der Herden (meist tausende Tiere pro Stall), kann unmöglich eine Hackordnung gebildet werden. Bei einem Besuch einer Freilandhaltung ist dies gut zu erkennen: Einige wenige Hennen stolzieren durch die Freiland-Fläche - die meisten Tiere verbleiben aber im Stall. Dort können sie ihre natürlichen Bedürfnisse mehr schlecht als recht ausleben. Dies gilt leider auch für Bio-Freilandhaltung!

Rechnerisch steht jeder Henne in der Freilandhaltung eine bestimmte Fläche Platz zur Verfügung. Da die Haltungsform aber den natürlichen Verhaltensmustern der Tiere nicht gerecht wird, nutzen die Tiere de facto deutlich weniger Raum.

Freilandhaltung - bloß für das Gewissen der Verbraucher?

Scharren im mit Kot verschmutzten Einstreu kann das ausgiebige Sandbaden im Sonnenschein nicht recht ersetzen. Die ammoniakhaltige Luft im Stall ist kein guter Ersatz für Frischluft im Freien. Die Tiere könnten in der Freilandhaltung zwar in das Außengehege - doch schon die Haltungsform an sich, mit ihren übergroßen Herden, widerspricht den natürlichen Bedürfnissen der Hennen. Und so verzichten die meisten Tiere auf den Freigang.

Kritiker sehen in der Freilandhaltung ohnehin nur eine Werbestrategie. Die Vorstellung von üppigen Wiesen lenke die Verbraucher von den Tatsachen ab. Sie betonen, dass auch Freilandhaltung Tierquälerei sei, die zwar Vorteile gegenüber Kleingruppen- und Bodenhaltung hätte, den Tieren selbst aber dennoch nicht gerecht werden würde.

Essen Sie Ei-Produkte?
Ja
Nein

Wer Hühnereier essen möchte, muss das Leid und den Tod der Tiere offenbar in Kauf nehmen. Den Tod der männlichen Küken nach dem Schlupf, und den "angezüchteten" frühen Tod der Legehennen. Selbst die Legehühner, die bei Nachbarn auf dem Land noch frei ums Haus stolzieren können, sind meist Hybriden mit hoher Legeleistung und geringer Lebenserwartung. Urhühner hingegen sind für die wirtschaftliche Nutzung schlicht nicht geeignet. Denn das Eierlegen hat für die Hühner schließlich den Zweck, sich fortzupflanzen. Und da genügen 12 Eier im Jahr.

Gute Alternativen zu Freiland-Eiern aus Tierquälerei.

Unsere menschlichen Vorfahren, die noch keine Landwirtschaft betrieben haben, haben vermutlich Vogeleier gesammelt und verzehrt, um im harten Überlebenskampf zu bestehen. Ihnen ging es nicht um eine gesunde oder schmackhafte Ernährung, sondern um das schiere Überleben.
Als zivilisierte Menschen sind wir heute nicht mehr auf den Verzehr von Hühnereiern angewiesen.

Hühnereier schaden sogar unserer Gesundheit. Sie sind reich an "schlechtem" Cholesterin und gesättigten, tierischen Fetten, die Herz-Kreislauf-Erkrankungen begüntsigen. Bei der Verdauung von Hühner-Protein werden schwefelhaltige Aminosäuren freigesetzt, die als Calcium- und Magnesium-Räuber gelten. Eier sind zudem ein häufiger Grund für gefährliche Salmonellen-Vergiftungen.

Die meisten Eier kommen aus Bodenhaltung.

Obwohl sich das Verhalten der Verbraucher bei Kauf von Eiern verändert hat, kommen die meisten Eier in Deutschland aus Bodenhaltung. Grund ist, dass Ei in sehr vielen Produkten verarbeitet wird, von Nudeln über Gebäck bis zum Protein-Shake. Und da der Verbraucher hier meist nicht so genau hinsieht, verwenden die Hersteller in diesen Produkten meist die billigsten Eier.

In Gebäck haben Eier meistens eine technische Funktion. Durch ihren hohen Gehalt an Lecithin helfen sie, Wasser und Fett zu verbinden. Doch auch pflanzliche Produkte sind dafür hervorragend geeignet, zum Beispiel Lecithin aus Soja oder Sonnenblumenkernen. In Kuchen und Gebäck können statt Ei auch Chiasamen, Bananen, Apfelmus oder Sojamehl verwendet werden. Siehe auch: Eier vegan ersetzen. Auch wer Eier meiden möchte, muss daher auf nichts verzichten. Mit dem veganen Onlinekurs, einem Partnerprojekt, erhalten Verbraucher Unterstützung dabei, vegan zu werden.

Dieser Artikel behandelt grundsätzliche Fragen zum Umgang mit Tieren. Wir haben daher auf die Darstellung von Tierquälerei und Missständen in einzelnen Betrieben verzichtet. Die "schönen" Fotos, mit denen dieser Artikel bebildert ist, zeigen in der Regel die private Haltung von Hühnern.


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