Greenwashing

Greenwashing: Die PR-Masche vom "Fleischausstieg"


Groß war der Jubel in der veganen Szene, als der Chef eines bekannten Fleischproduzenten kürzlich in einem Interview sagte, dass sein Unternehmen in 20 Jahren womöglich ganz aus der Fleischerzeugung aussteigen würde. An Fleisch gebe es nicht viel zu loben - die Zukunft gehöre womöglich ganz den pflanzlichen Produkten.

Die vegane Szene jubelte. Ist es nicht genau das, was man seit Jahren fordert?
Die Meldung machte schnell die Runde. NGOs reklamierten den "Erfolg" für sich - als Resultat einer fruchtbaren Zusammenarbeit mit einem offenbar doch kooperativen Unternehmen.

Doch bei all dem Jubel wurde die eigentliche Botschaft offenbar übersehen.
Denn aller Wahrscheinlichkeit nach handelt es sich beim vorgeblichen Fleischausstieg um einen PR-Trick. Eine Masche, um den Fleischverkauf anzukurbeln.

Mit der Bekenntnis zur Fleischlosigkeit mehr Fleisch verkaufen?

Doch wie soll diese PR-Masche funktionieren? Wieso sollte die Bekenntnis zur Fleischlosigkeit den Absatz von Fleischprodukten fördern?

Zunächst einmal scheint es recht seltsam, wenn ein Fleischkonzern an die Medien heran tritt und öffentlich seinen potentiellen Fleischausstieg bekannt gibt. Zumal dieser offenbar noch nicht mehr als eine bloße Idee ist. Der Fleischausstieg, so las man in einem Interview mit einem Unternehmens-Chef, sei eine denkbare Konsequenz in den nächsten 20 Jahren. Und auch dann soll dieser Geschäftszweig keineswegs zwingend stillgelegt sein - nur vielleicht. Denkbar eben. Es könnte sein, dass...

"Wir handeln verantwortlich, vertraut uns!"

Diese Botschaft bedeutet auch: In den nächsten 20 Jahren (und wahrscheinlich darüber hinaus) werden weiter Tiere gezüchtet, gemästet und getötet. Trotz all der guten Gründe, die gegen Fleisch sprechen. Und die kennen die Fleischproduzenten bestens - schließlich müssen sie ihre Lobbyarbeit planen, um weiterhin staatliche Subventionen aus Steuergeldern zu erhalten.

Bei der öffentlichen Bekenntnis zum eventuellen Fleischverzicht geht es ziemlich sicher nicht um das Tierleid. Und es geht wohl auch nicht darum, die gesundheitlichen Nachteile von Fleisch bekannt zu machen. Auf das Krebsrisiko beim Fleischverzehr, vor dem die WHO warnt. Und auch die Auswirkungen von Tierprodukten auf das Klima und die Umwelt dürften kaum eine Rolle spielen.

Es geht wohl vielmehr darum, ein Vertrauens-Signal zu setzen. So, wie es für Greenwashing typisch ist.


Greenwashing hilft, zu verdrängen.
Bild: Fotolia.com

Tierhaltungen sind echte Klimakiller und der wichtigste Grund für den Klimawandel. Urwaldrodung, Verseuchung der Ozeane, Grundwasserverschmutzung, Monokulturen, ... all das hängt mit der weltweiten Fleischerzeugung zusammen. Mit dem Futtermittel-Anbau, mit den enormen Ausdünstigungen und Ausscheidungen der vielen Milliarden Nutztiere.
Natürlich lassen sich diese Folgen nicht dauerhaft verbergen oder verdrängen. Und die Verbraucher bekommen es mit. Kein Wunder, dass der Fleischverzehr so oft von einem schlechten Gefühl begleitet wird.

Ein ernstzunehmendes Risiko für Fleischkonzerne!

"Fleischausstieg" in 20 Jahren: Zynische Art von Greenwashing.

Ein Unternehmen, das angesichts dieser Folgen der Fleischproduktion von einem eventuellen Fleischausstieg in 20 Jahren spricht, nutzt das Thema auf raffinierte Weise fürs Image-Marketing. Es scheint recht unwahrscheinlich, das tatsächlich irgendetwas in der Form geplant ist. Wahrscheinlicher ist es da womöglich, dass die Fleischerzeugung aufgrund ihrer Folgen in 20 Jahren verboten ist.

Doch was bringt es einem Fleischproduzenten dann, viel heiße Luft um einen angeblichen Fleischausstieg zu verbreiten? Wie soll das den Fleischabsatz ankurbeln?

Der Verzicht auf Fleisch (oder generell auf Tierprodukte) steht beim Verbraucher als Symbol für Verantwortlichkeit, Gesundheitsbewusstsein und Glaubwürdigkeit. Deshalb bezeichnet sich auch fast jeder Fleischesser als "moderater" Fleischesser oder "Flexitarier". Auch klassische "Vegan"-Siegel werden von Herstellern gerne bewusst genutzt, um Fleischesser anzusprechen, die sich ab und zu mal "was Gutes" tun wollen. Einfach, weil ihr Image so gut ist (auch wenn ihnen durch Greenwashing mittelfristig die Verwässerung droht). Und so ähnlich verhält es sich mit dem "Bekenntnis" zur Fleischlosigkeit.

Eine frohe Botschaft für das Gewissen...

Die selbstkritische Bekenntnis zu fleischfreien Produkten eines Fleischkonzerns wird vom Verbraucher als deutliches Signal für Glaubwürdigkeit gewertet. Insbesondere, wenn es auch noch von Vegan-NGOs weiterverbreitet wird. Ein Unternehmen das so selbstkritisch an die Öffentlichkeit geht - das kann so schlimm ja nicht sein.

Und da Assoziationsketten nicht immer logisch sind, wirkt die Bekenntnis zu pflanzlichen Produkten als Vertrauens-Indikator für das Unternehmen. Und auch für dessen Fleischprodukte. Ungeachtet dessen, was in Wahrheit geschieht.

Eisbären sind auch vom Klimawandel bedroht
Tierhaltungen erhitzen das Klima.
Bild: Christopher Michel, flickr.com (bearb.), CC-BY

Kein Wunder, dass große Teile der Fleischwirtschaft längst offensiv mit fleischfreien Produkten werben. Sie biedern sich an vegane Organisationen an, um etwas von deren Glaubwürdigkeit abzubekommen. Und sie zahlen teure Lizenzgebühren für "Vegan"-Siegel, die auch dem Image-Transfer dienen. Die solcherart entlohnten NGOs wollen von Greenwashing natürlich nichts wissen - zum Zorne einiger rein veganer Hersteller.

...und sie essen weiter Fleischprodukte.

Und so konsumieren die Verbraucher weiterhin die konventionellen, nicht als "vegan" gelabelten Produkte von - schon vom Geschäftsmodell her - brutalen und umweltzerstörerischen Fleischkonzernen, Mit dem guten, wärmenden Gefühl, im Grunde ja schon verantwortlich handeln zu wollen.

Ein Unternehmen, das den Fleischausstieg ernst meint, würde sich nicht auf die Nachfrage der Verbraucher berufen - sondern auf seine eigene, gesellschaftliche Verantwortung.
Natürlich ist die Vorstellung angesichts der wirtschaftlichen Anreize völlig naiv. So naiv, wie zu glauben, ein Fleischerzeuger würde allen Ernstes jemals daran denken, die Fleischerzeugung in 20 Jahren freiwillig einzustellen. Wohl nicht mehr als cleveres Marketing und viel heiße Luft.

Was gegen perfides Greenwashing hilft, ist der Verstand und eine klare Entscheidung.


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Kommentare

Alec
Kommentar #1 06.12.2016, 11:45 Uhr
Guter Artikel. Aber hier davon zu sprechen, dass der Fleischkonsum in 20 Jahren eh verboten/reglementiert sein wird, spornt sicher keinen Fleischesser dazu an, sich einzuschränken. A la: "Dann fress ich lieber jetzt noch so viel es geht."

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