Interview mit Kinderbuch-Autor Udo Taubitz


Udo Taubitz ist Journalist und schreibt für Spiegel Online und Zeitschriften. Auch als Kinderbuch-Autor hat er sich betätigt: Seit 2012 ist sein Kinderbuch "Karl Klops, der coole Kuhheld" auf dem Markt (» Zur Rezension).
Für Vegpool hat er ein paar Fragen beantwortet:

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Vegpool: Sie schreiben ja vor allem für Nachrichtenmagazine wie "Spiegel Online" und für Zeitschriften. Jetzt haben Sie das Kinderbuch "Karl Klops, der coole Kuhheld" herausgebracht. Wie kam es denn dazu?

Udo Taubitz: Wenn ich meinen Kindern am Abend vorlas, hatte ich oft das Gefühl, dass ich mich zum Komplizen einer großen Verarsche machte: Viele Kinderbücher spielen auf Bauernhöfen, wo die Kühe glücklich sind, dass der nette Bauer sie zwei Mal täglich melkt. Und die Hühner haben beim Eierlegen jede Menge Spaß. Diese Vorstellung ist verführerisch, denn sie beruhigt unser Gewissen. Aber sie ist eine Lüge.

Was die Deutschen an Fleisch, Milch und Eiern konsumieren, kommt zu 95 Prozent aus Massentierhaltung. Tiere werden dort wie Maschinen behandelt. Aber auch auf Biohöfen werden den Kühen ihre Kälber weggenommen, damit der Bauer an die Milch kommt. Und die Hühner sterben sehr jung an den Strapazen des Eierlegens. Natürlicherweise legen Vögel nur ein paar Eier pro Jahr. Das sollten meine Kinder erfahren – auf nette Art. Es gibt in „Karl Klops“ auch viel zu lachen.

Vegpool: Um was geht es denn Ihrem Buch?

Udo Taubitz: Karl kapiert beim Weihnachtsessen, dass Kaninchenbraten aus echten Tieren gemacht wird – also will er kein Fleisch mehr essen. Karls Eltern sorgen sich, dass er krank werden könnte. Sie schicken ihn in den Ferien auf den Biobauernhof von Onkel Tom, damit er wieder normal wird. Aber nix da: Karl bekommt von einer Kräuterhexe einen Zaubertrank und kann kurz mit den Tieren sprechen. Anschließend will er auch keine Milch mehr trinken und keine Eier mehr essen. Das führt zu einigen Verwirrungen.

Vegpool: Wie viel Karl steckt in Ihnen?

Udo Taubitz: Karl ist acht Jahre jung, er hat ordentlich Muckis und liebt Fußball. Wir haben also nichts gemeinsam. Außer, dass wir gern die Wahrheit wissen, frech danach fragen – und auf unser Herz hören.

„Die Tierindustrie gibt jedes Jahr Milliarden aus, um uns Verbraucher an der Nase herum zu führen“

Vegpool: Woher haben Sie die Inspiration für das Buch genommen?

Udo Taubitz: Für „Spiegel online“ hatte ich über Hof Butenland berichtet, ein Kuhaltersheim auf der Halbinsel Butjadingen. Dass die Tiere dort einfach nur in Frieden leben dürfen, nicht ausgenutzt werden, imponierte mir gewaltig.

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Vegpool: Viele Kinder haben wahrscheinlich weniger Freiheiten, ihre Ernährung umzustellen, als Karl, der ja wirklich viel Glück hatte, direkt zu Hof Mut zu kommen. Was wünschen Sie sich an Veränderung in der Kindererziehung?

Udo Taubitz: Wenn wir den Kindern auch nur halbwegs ehrlich sagen würden, was wir alles mit sogenannten Nutztieren anstellen, würden sie uns wahrscheinlich verständnislos angucken. Und sie würden Fleisch, Milch und Eier nicht mehr runterkriegen. Zumal wenn sie wüssten, dass viele Kinder davon krank werden.

Doch damit wir unsere Kinder zu informierten Bürgern erziehen können, müssen wir uns erst einmal selbst informieren – das ist sehr schwierig, denn die Tierindustrie gibt jedes Jahr Milliarden aus, um uns Verbraucher an der Nase herum zu führen. Satte Gewinne hebeln die Moral aus.

Aber dank des Internets kommen die unbequemen Wahrheiten immer deutlicher ans Licht. Immer mehr Menschen hinterfragen ihre Ernährungsgewohnheiten - und entdecken leckere Alternativen. Denen rufe ich zu: Gebt das Wissen den Kindern! Ein „Karl Klops“-Buch ist ein guter Anfang.


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Autoren im Interview:

Kommentare

Annie
Kommentar #1 13.11.2012, 11:08 Uhr
Endlich mal jemand, der den Mut hat, die Dinge beim Namen zu nennen. Und statt nur zu jammern Lösungen anbietet - die auch noch Spaß machen. Besser gehts nicht!!! Das Buch kann ich übrigens nur empfehlen, meine Kinder (7 und ) lieben es!

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