Von wegen "regional": Diese Tricks solltest du kennen!

Traditionell verpackt und beschriftet: Das können die großen Hersteller auch.
Traditionell verpackt und beschriftet: Das können die großen Hersteller auch. Bild: pixabay.com

Bestimmt ist es dir beim Einkauf schon aufgefallen: "Regionalität" ist ein ganz großer Trend im Supermarkt.

Überall wird mit "regionaler" Erzeugung beworben. Ganze Regalreihen werben mit Produkten aus der Region. Mit handbeschrifteten Gläsern, regionalen Herkunftsbezeichnungen und traditioneller Bäuerlichkeit.

Und dagegen lässt sich grundsätzlich nichts sagen, denn echte Regionalität ist eine wirklich gute Sache und wir können dich nur ermutigen, echte, regionale Produkte zu kaufen.

Doch der Begriff "Regionalität" ist nicht ganz eindeutig - und viele Händler und Hersteller tricksen damit, um umweltschädlichen Produkten einen grünen Anstrich zu verleihen.

Während Verbraucher annehmen, dass "regionale" Produkte umweltfreundlich erzeugt werden und dann auf kürzestem Wege im Handel landen, sieht die Realität oft ganz anders aus.

Lies diesen Artikel bis zum Ende durch, denn am Schluss geben wir wichtige Tipps zur Einordnung.

#1: Regionalität ist Definitionssache

Der Begriff der "Regionalität" ist nicht fest definiert. Deshalb bezeichnen manche Händler Obst und Gemüse bereits dann als "regional", wenn es nicht aus Australien kommt, sondern aus Deutschland.


In der Praxis kann das bedeuten, dass Äpfel aus Süddeutschland auch in Hamburg als "regional" beworben werden. Auch wenn man den Bodensee normalerweise nicht in der "Region Hamburg" vermuten würde.

#2: Auch regionale Lebensmittel reisen durch die Welt

Doch auch Äpfel, die in 20 Kilometer Entfernung angebaut wurden (also wirklich in der Region), landen meist nicht auf direktem Weg im nächsten Supermarkt.

Der erste Weg führt zur Obstzentrale. Von dort geht es zum Regionallager und von dort unter Umständen auch noch ins Frischezentrallager der Supermarktkette.

Äpfel an einem Apfelbaum
Auch "regionales" Obst hat oft einen langen Transport hinter sich. Bild: K/Vegpool

Wenn das Obst also verzehrt wird, hat es mitunter schon hunderte Kilometer Reise hinter sich.


Bevorzuge daher Obst und Gemüse direkt vom Erzeuger - am besten in Bio-Qualität!

#3: Verarbeitung macht importierte Zutaten nicht "regional"

Selbst wenn die Rohstoffe aus China kommen, werden daraus hergestellte Erzeugnisse häufig als "regional" vermarktet.

Denke zum Beispiel an Brötchen-Teiglinge aus China, die aufgebacken und dann in der "regionalen Backstube" verkauft werden.

Kaufst du Bioprodukte?
Ja, hauptsächlich
Ja, ca. 50%
Ja, aber selten
Nein

Besonders absurd wirkt die angebliche "Regionalität" wenn es um Kaffee oder Kakao geht, die ja auf importierten Zutaten basieren. Allerdings ist hier ja recht eindeutig, worum es geht.


Ganz anders als beim folgenden Trick, der wirklich immense Folgen für Klima und Umwelt hat!

#4: Regionale Tierprodukte - mit Futter vom anderen Ende der Welt.

Besonders perfide - und unserer Meinung nach Verbrauchertäuschung - ist der folgende Trick, den man nur bei Tierprodukten findet:

Die meisten Tierhalter verfüttern importierte Futtermittel wie Mais oder Soja. Diese stammen z. B. aus Südamerika, wo Regenwälder vernichtet werden, um Ackerflächen zu gewinnen.

Tiere wandeln das Futter zum größten Teil zu Gülle um - nur ein kleiner Bruchteil des Futters (bei Rindfleisch ca. 10%) wird zu einem Nahrungsmittel.

Pflanzliche Ernährung macht mit derselben Anbaufläche mehr Menschen satt.
Infografik: Auch "regionale" Tiere wandeln Futter zu Gülle um. Bild: K/Vegpool / pixabay.com

Die Abhängigkeit von Futtermitteln und Anbauflächen ist der wichtigste Grund, warum die Tierhaltung weltweit zu den wichtigsten Ursachen des Klimawandels gehört.


Deshalb ist der Umstieg auf eine vegane Ernährung der wichtigste Schritt, den jeder Einzelne direkt gegen die Klimakrise tun kann.

Bewusst einkaufen: Das empfehlen wir dir

Grundsätzlich ist es bei Obst und Gemüse sinnvoll, auf Regionalität zu achten - jedenfalls während der Saison. Erkundige dich daher stets, welche Lebensmittel gerade Saison haben.

Doch nicht immer macht Regionalität Sinn!

Äpfel aus Neuseeland werden zwar um die halbe Erdkugel transportiert - dennoch ist der lange Transport auf dem Schiff oft weniger klimaschädlich als die monatelange Lagerung von regionalen Äpfeln im Kühllager.

Regionalität und Saisonalität sind daher zwei wichtige Aspekte, auf die es ankommt.

Wenn du die Umwelt aber wirklich entlasten möchtest, dann beginne damit, Tierprodukte zu meiden.

Selbst wenn Tiere ausschließlich mit Futter aus der Region gefüttert würden, würden sie dennoch den größten Teil davon zu Gülle umwandeln. Was für eine Verschwendung von Rohstoffen für Dünger, Transporte und Verarbeitung!


Statt Futtermittel anzubauen, könnte man die Anbauflächen auch direkt für die Erzeugung von regionalen Lebensmitteln nutzen.

So sind Lebensmittel wirklich "regional"

Achte beim Einkauf auf folgende Punkte, um wirklich regionale Lebensmittel einzukaufen:

  • Kaufe Obst und Gemüse direkt beim Erzeuger, z. B. auf dem Wochenmarkt oder im Hofladen oder bestelle eine Obst- und Gemüsekiste. Denke aber daran, dass manche Aussteller auch Gemüse von anderen Herstellern oder vom Großmarkt zukaufen und frage ggf. nach.
  • Glaube keinem "Regionalitäts"-Versprechen bei Tierprodukten. Auch Bio-Tierhalter kaufen sehr oft Futter aus dem Ausland zu. So wird "Regionalität" zur Farce.

Lies gleich weiter und lerne die drei Grundregeln für klimafreundliche Lebensmittel kennen.

>>> Veganer Newsletter. Schon mehr als 6.100 Abos!

Autor: Kilian Dreißig
Veröffentlichung:

5,0/5 Sterne (19 Bew.)

Veganes Forum
Diskutiere mit:
Tricks bei regionalen Lebensmitteln
(4 Antworten)
Letzter Beitrag: 19.12.2020, 11:36 Uhr


Veganer Newsletter

1x pro Woche neueste Artikel, Vegan-Tipps und mehr. Infos
✓ Abmeldung jederzeit möglich. Datenschutzerklärung


Schlagworte: Regionalität Klimaschutz Nachhaltigkeit Landwirtschaft Tierhaltung Gülle


Dazu passende Artikel:

Ist ein Liter Kuhmilch wirklich so klimaschädlich wie ein Liter Benzin?

Die Erzeugung von einem Liter Kuhmilch soll dieselben Klimawirkung haben wie die Verbrennung von einem Liter Benzin. Doch stimmt das wirklich? Wir haben uns die Zahlen einmal angesehen. Mehr

Diese 15 ökologischen Argumente für Veganismus solltest Du kennen

15 gute, ökologische Argumente für eine vegane Lebensweise. 15 Argumente, die zeigen, wie Du mit einer veganen Lebensweise Deinen ökologischen Fußabdruck deutlich verringern kannst. Mehr

3 Grundregeln, um klimafreundliche Lebensmittel zu erkennen.

Immer wieder ist die Rede von klimaschädlichen Produkten. Doch welche Lebensmittel sind eigentlich klimafreundlich? In diesem Artikel stellen wir dir 3 Regeln vor, um klimafreundlich einzukaufen. Mehr

Tierhaltung macht Ressourcen zu Gülle. Die Lösung ist vegan.

Nutztiere wandeln Futter in Gülle um - nur ein kleiner Teil der Futter-Energie wird zu Fleisch, Milch oder Eiern. Tierhaltung ist damit einer der Hauptgründe für zahlreiche drängende Umwelt-Probleme. Mehr

Prof. Volker Quaschning: Vegane Ernährung am besten fürs Klima

Klimaexperte Prof. Dr. Volker Quaschning tritt öffentlich für eine klimafreundliche Ernährungswende ein - und attestiert einer veganen Ernährung besonders hohe Wirksamkeit. Zum Vegpool-Interview! Mehr

Diese Schlachtabfälle landen auch auf Bio-Äckern

Schlachtabfälle aus konventioneller Massentierhaltung landen oft auf den Anbauflächen von Bio-Bauern. Welche Tierprodukte als Dünger genutzt werden - und welche guten Alternativen es gibt. Mehr

Thema: Ökologisch leben

Mit diesen 3 Tricks kommst Du günstig (oder kostenlos) an Obst und Gemüse

In unseren 3 Tricks erfährst Du, wie Du mit ganz wenig Geld (oder sogar kostenlos) an gesundes, frisches Obst und Gemüse gelangst. Sichere Dir einen Teil der Ernte und spare dabei auch noch Geld. Mehr

Sterben Regenwälder für Tofu und andere Sojaprodukte?

Die Regenwälder stehen in Flammen und Medien berichten von Brandrodungen für den Soja-Anbau. Doch werden auch für Tofu und vegane Fleischalternativen Regenwälder zerstört? Mehr

Pflanzendrinks in der Glasflasche: Ist das überhaupt sinnvoll?

Mehrere Hersteller bieten ihre pflanzlichen Milch-Alternativen in der Mehrweg-Pflandflasche an. Sie folgen damit dem Ruf nach ökologischeren Verpackungen. Doch ist das wirklich sinnvoll? Mehr

Deshalb ist Käse so schädlich fürs Klima

Käse gehört zu den Lebensmitteln mit besonders schädlichem Einfluss auf das Klima. Das liegt vor allem an der Tierhaltung und ihrem großen Futter-Bedarf. Zum Glück gibt es Alternativen für Käse-Fans. Mehr

Warum Butter fürs Klima so schädlich ist

Butter ist eines der Lebensmittel, die besonders stark zum Klimawandel beitragen. Warum das so ist, haben wir in diesem Artikel recherchiert. Außerdem zeigen wir Dir gute Alternativen zu Butter. Mehr

Gibt es Sojamilch auch in Glasflaschen?

Kann man Sojamilch auch in Glasflaschen kaufen? Aus ökologischen und gesundheitlichen Gründen könnte dies sinnvoll sein. Zuletzt könnte sich aber ein ganz anderes Konzept durchsetzen. Mehr

© Vegpool.de 2011 - 2021.