Resistente Keime

Seuchengefahr durch Massentierhaltungen


Viele tausend Menschen sterben jährlich in deutschen Krankenhäusern aufgrund von multiresistenten Erregern. Bei multiresistenten Erregern (MRE) handelt es sich um Mikroorganismen, die Resistenzen gegen verschiedene antibiotische Medikamente entwickelt haben. MRE können mit klassischen Antibiotika kaum behandelt werden und stellen daher eine große Gesundheitsgefahr dar. Die Erreger sollen für bis zu 15.000 Todesfälle im Jahr, allein in deutschen Krankenhäusern verantwortlich sein. Das hat eine Untersuchung Ende 2014 ergeben [1]. Grund ist der massive Einsatz von Antibiotika – insbesondere auch in der Massentierhaltung.

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Resistenz bedeutet, dass der Erreger die Fähigkeit entwickelt, Antibiotika-Medikamente zu überleben und sich weiter im Körper des Patienten auszubreiten. Diese Erkrankungen können dann oft nur schwer oder gar nicht behandelt werden. Ohne Antibiotika ist die Behandlung vieler bakterieller Erkrankungen äußerst schwierig. Schon eine Erkältung kann so tödlich enden. Die Ansteckung mit resistenten Keimen erfolgt oft über Tierprodukte wie z. B. Hühnerfleisch.

Trostloses Schweineleben
Massentierhaltung: Tödlich nicht nur für Schweine
Bild: PETA (bearb.)

Massentierhaltung kostet auch Menschenleben

Massentierhaltungen können ohne massiven Einsatz von Medikamenten nicht dauerhaft betrieben werden. Denn aufgrund der hygienischen Zustände und der dichten Haltung oft vieler hundert (oder tausend) Tiere, können sich Krankheitserreger ideal ausbreiten und anpassen. Erreger finden hier ideale Bedingungen, um Resistenzen gegen die verwendeten Antibiotika zu entwickeln. Diese Erreger können über Tierprodukte (aber auch über mit Gülle gedüngte Pflanzen) auf Menschen übertragen werden.

Zwar handelt es sich meist um Erreger, die nicht zwingend eine Krankheit auslösen, doch bei einer Schwächung des Immunsystems, z. B. im Alter oder nach einer Operation, kann aber schon eine einfache Erkältung den Tod bedeuten. Diese Gefahr betrifft natürlich auch Menschen, die derzeit kerngesund sind, aber bereits resistente Erreger aufgenommen haben. Und diese Gefahr betrifft auch Veganer und Vegetarier, die sich natürlich ebenfalls mit diesen Keimen anstecken können.

Fremdgefährdung durch Fleischesser?
Impfung (intramuskulär)
Impfung (intramuskulär)
Bild: Blake Patterson, flickr.com (bearb.), CC-BY
Immer wieder wird ein möglicher Impfzwang diskutiert. Dabei ist oft auch die Rede von einer „Fremdgefährdung“ von Unbeteiligten (z. B. Babys oder Menschen mit Allergien, die nicht geimpft werden können) durch Impfgegner. Allerdings wird gerne übersehen, dass resistente Keime Jahr für Jahr deutlich mehr Menschenleben fordern – und dass die Gefahr immer weiter wächst.

Der Kauf von Produkten aus Massentierhaltung fördert ein System, das ohne Antibiotika nicht funktioniert. Der Kauf von Produkten aus Massentierhaltung fördert die verbreitung lebensgefährlicher, resistenter Erreger, die auch Menschen gefährden, die kein Fleisch aus Massentierhaltung kaufen. Derzeit stammen etwa 98% des Fleisches in Deutschland aus Massentierhaltung.

Tod schon durch eine einfache Erkältung

Natürlich spielt es auch eine Rolle, dass Antibiotika von Ärzten oft schon bei einfachen Erkältungen verschrieben und von Patienten regelrecht eingefordert werden. Kurz gesagt: Wo Antibiotika verwendet werden, steigt die Gefahr, dass sich resistente Erreger bilden. Und die in den Tierhaltungen verbrauchten Mengen an Antibiotika übersteigen die Mengen im Bereich der Humanmedizin bei weitem. In Krankenhäusern wird nur etwa ein Siebtel der Menge an Antibiotika verwendet, die in Massentierhaltungen zum Einsatz kommt. Zudem sind die hygienischen Bedingungen in Krankenhäusern denkbar besser, als in Schweineställen und Co. Kurz: Massentierhaltungen kosten Leben – und zwar durchaus auch Menschenleben.

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Enterobakterien sind Bestandteil der normalen Darmflora von Mensch und Tier. Einige sind jedoch in der Lage, Erkrankungen hervorzurufen. Infektionsquellen für den Menschen sind primär tierische aber auch pflanzliche Nahrungsmittel.
Forschungsverbund RESET [2]

Insbesondere mit Blick auf den immer wieder diskutierten Impfzwang stellt sich hier also die Frage, ob der Verzicht auf Massentierhaltung nicht ein deutlich wichtigerer, erster Schritt wäre, um die Zahl der Todesfälle durch schwere Krankheiten wirksam zu verringern. Selbstverständlich ersetzt eine solche Maßnahme medizinisch sinnvolle Impfungen nicht (Sollten sich Veganer impfen lassen?), könnte aber als erster Schritt sein, um die drohende Gefahr durch multiresistente Keime einzudämmen.


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