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„Schnexagon“ – mit diesem Mittel verlieren Schnecken die Haftung.


Die spanische Nacktschnecke breitet sich immer mehr aus und manch ein Gärtner greift längst zu Schneckenkorn und anderen Giften, um seine Beete zu schützen. Das muss doch auch ökologisch gehen, dachte sich Nadine Sydow, Biologin aus Kiel. Sie hat geforscht und ein Mittel gefunden, das Schnecken daran hindert, an einer Oberfläche empor zu kriechen – es fehlt ihnen schlicht die Haftung. „Schnexagon“ soll dabei sowohl komplett giftfrei sein, als auch harmlos für Schnecken (abgesehen davon, dass es als unüberwindbare Barrikade gedacht ist). Lesen Sie hier das Interview mit Nadine Sydow!

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Vegpool: Hallo Frau Sydow, „Schnexagon“ klingt irgendwie martialisch, dabei ist Ihr Produkt eigentlich sogar richtig friedfertig. Was ist Schnexagon genau?

Nadine Sydow: Hallo lieber Herr Dreißig, danke dass Sie nachfragen! Schnelle Schlüsse können trügen. Schnexagon ist kein „besseres“ Gift, sondern das Ergebnis meiner Suche nach einer mordfreien Schneckenabwehr. Es ist ein „streichbarer Schutzzaun“, dessen Wirkung darauf beruht, das Klebsekret der Schnecken zu überlisten. Wichtig war mir neben einer besonders langanhaltenden Zuverlässigkeit, dass alle Komponenten ökologisch unbedenklich für Lebewesen sind.

Biologin und Tüftlerin Nadine Sydow
Biologin und Tüftlerin Nadine Sydow
Bild: Sebastian Voesch

Vegpool: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen schnecken-abwehrenden Anstrich zu entwickeln? Hatten Sie dafür einen Auftrag?

Nadine Sydow: Einen direkten Auftrag gab es nicht. Die braune Nacktschnecke ist nur derart häufig geworden, dass ich sie nicht übersehen konnte und mich gefragt habe, warum sich Schutzzäune nicht durchsetzen. Die Tiere mit Präparaten erst anzulocken und dann zu töten, ist paradox. In unserer Arbeitsgruppe sind wir auf biologische Haftung und Antihaftung spezialisiert – doch je mehr ich mich mit dem Schneckensekret beschäftigte, desto mehr wurde mir klar, dass es sich hier um eine besondere Herausforderung handelt. 400 Fehlschläge mit Strukturoberflächen später half ein schicksalhafter Zufall, die richtige Kombination harmloser Substanzen zu finden.

Vegpool: Können Sie kurz für Laien erklären, wie Schnexagon funktioniert. Schnecken kleben doch praktisch überall fest... wieso nicht an Schnexagon?

Nadine Sydow: Besonders Nacktschnecken haben ein bemerkenswert hartnäckiges Sekret, dass sich dem Untergrund sogar anpassen kann. Mit rein wasserabweisenden Effekten, wie zum Beispiel Lotus, kann man keine Antihaftung erreichen, genauso wenig wie mit saugfähigen Substanzen. Das Geheimnis ist, Wasseranziehung und -abstoßung so zu dosieren, dass die Netto-Klebkraft der Schnecke stets geringer ist als ihr Körpergewicht.

„Schnexagon“ wird einfach aufgepinselt
„Schnexagon“ wird einfach aufgepinselt
Bild: Sabrina Aust

Vegpool: Das klingt ja ziemlich synthetisch und nach Nano-Chemie... wie natürlich ist Schnexagon wirklich? Gibt es in der Natur etwas Vergleichbares?

Nadine Sydow: Es ist weder nano- noch petro-chemisch, und auch kein grundsätzlich neu erfundenes Rad. Es sind uralte Kohlenwasserstoffe, mit denen wir seit Jahrhunderten ständig in Kontakt kommen. Auch in mancher Pflanze und sogar Raupen sind Varianten zu finden!

Vegpool: Ist Schnexagon vegan?

Nadine Sydow: Auf jeden Fall. Der Bund Veganer Lebensweise e.V. hat uns sogar das „Vegan friendly“-Siegel verliehen, auf das wir sehr stolz sind!

Vegpool: Hand aufs Herz: Mussten Schnecken bei der Entwicklung von Schnexagon sterben?

Nadine Sydow: Nein, wirklich nicht. Die einzigen Versuche waren die Klebtests. Hinterher gab es Bio-Gurken zur Wiedergutmachung.

Für die Markteinführung von „Schnexagon“ hat Nadine Sydow auf Startnext ein Crowdfunding gestartet. Dieses läuft noch bis zum 17. November 2015. Zum Crowdfunding.

Fragen: Kilian Dreißig


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Kommentare

Christin
Kommentar #1 18.05.2016, 13:46 Uhr
Wenn es soetwas natürliches gibt um die Biester nicht alles wegfuttern zu lassen was uns lieb und teuer ist warum hört man dann nur bedingt etwas darüber ?
Ist doch bedeutend besser als Schneckenkorn welches letztendlich doch über die Erde in die Pflanzen gerät und Insekten schädigt.

Oder warum wird da nicht im größeren Stiel darüber berichtet ?

Geht's doch wie immer nur um den Profit der Chemiehersteller.

Grüßle aus dem Schneckengebiet im Erzgebirge

C. SIMANTKE

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