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Lebensstil

Vegan werden ohne Perfektionismus


Manche Vegan-Einsteiger haben den Anspruch, 100% vegan zu leben. Deshalb achten sie auch auf "Spuren" von Tierprodukten in Lebensmitteln, stellen Produktanfragen an Hersteller und versuchen, auch den letzten Rest von Tierprodukten aus ihrem Leben zu verbannen. Für manche nimmt die Beschäftigung damit immer mehr Zeit ein - bis sie irgendwann resignieren und entnervt aufgeben.
Damit es gar nicht erst so weit kommt, ist es ratsam, entspannt zu bleiben - und es mit dem Vegan-Perfektionismus nicht zu übertreiben.

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Angesichts der Auswirkungen der Tier-Produktion auf Tiere und Umwelt ist es nur zu gut verständlich, dass viele Menschen nicht mehr für Tierprodukte bezahlen möchten. Dass sie alle Produkte meiden möchte, die - direkt oder indirekt - mit der Ausnutzung von Tieren zusammenhängen. Dass sie geradezu perfektionistisch vegan leben möchten.

An sich ein ehrenwerter Gedanke! Schließlich machen sich offenbar noch viel zu wenig Menschen Gedanken über die Auswirkungen ihrer Lebensweise.

Und doch ist es gar nicht so leicht, wirklich alle Tierprodukte aus dem Leben zu verbannen.
Konkreter: Es ist praktisch unmöglich, zu 100% vegan zu leben.

Perfektion ist Illusion - daher lieber entspannt vegan werden.

Denn Tierprodukte verstecken sich nicht nur in gut deklarierten Lebensmitteln. Sie stecken manchmal auch im Holzleim, in Fruchtsäften - ja sogar in Verhütungsmitteln. Das kann kein Mensch alles wissen - zumal sich die Herstellungsweisen ähnlicher Produkte auch noch ganz deutlich unterscheiden können. Wein kann zum Beispiel durchaus vegan sein - ist es aber nicht immer.

Und an sich spricht auch nichts dagegen, so perfekt wie möglich vegan zu leben. So lange man sich selbst eben nicht vergisst - und mit guter Laune dabei bleibt.

Die Problematik ist eher, dass viele perfektionistische Veganer schon nach wenigen Jahren resigniert aufgeben. Sie verlieren Freunde, grenzen sich selbst aus, werden depressiv. Der oft schon zwanghafte Perfektionismus dürfte einer der wichtigsten Gründe sein, warum Menschen wieder aufhören, vegan zu leben.

Wer langfristig vegan leben möchte, tut daher gut daran, es entspannt anzugehen. Denn die Vorteile einer veganen Lebensweise wirken vor allem auf Dauer.

Lieber 95% auf Dauer, als am Perfektionismus zu scheitern.

Denn auch resignierte Ex-Veganer tragen durch ihren Konsum wahrscheinlich im Laufe ihres Lebens doch zu weit mehr Ressourcen-Verschwendung und Tierleid bei, als jemand, der dauerahaft und entspannt zu 95% vegan lebt. Auch wenn sich das natürlich irgendwie unperfekt anfühlen kann. Doch den meisten Veganern geht es ohnehin darum, eine Veränderung anzustoßen. Perfektionismus ist da gar nicht das Kriterium.

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Denn wer den Fokus stets auf die vermeintlichen Fehler legt, der vergisst schnell, was bereits eine entspannte, 95%-ige Lebensweise verändert. Der vergisst, dass es eben schon einen gewaltigen Unterschied macht, ob man Tierprodukte bewusst verzehrt, oder nur in Spuren. Zum Beispiel weil der Sojajoghurt Milchsäurekulturen enthält, die auf Kuhmilch kultiviert wurden.

Pareto-Prinzip gilt auch beim Vegan-Einstieg.

Aus diesem Grund ist es ratsam, sich dem Thema der veganen Ernährung entspannt zu widmen und einfach die offensichtlichen Tierprodukte zu meiden. Eben die Dinge zu tun, die mit angemessenem Aufwand gut möglich sind. Das berühmte Pareto-Prinzip, nach dem 80% der gewünschten Effekte in der Regel bereits mit 20% Einsatz erzielbar ist, gilt prinzipiell auch beim Vegan-Umstieg: Ein Blick auf eine Zutatenliste ist eine Frage von wenigen Sekunden - die Recherche nach dem 2. Hersteller der Produktionskette von Aromastoffen wäre hingegen deutlich aufwendiger.

Eins ist dennoch klar: Vegan zu werden bedeutet, zunächst einmal seine Routinen umzustellen und mindestens 6-8 Wochen lang beim Einkauf konsequent auf offensichtliche Tierprodukte zu achten, Zutatenlisten zu lesen und sich einmal intensiv mit den vielen Aspekten und Vorteilen einer veganen Lebensweise auseinanderzusetzen.

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Doch sobald eine neue Routine erlernt wurde, wird die vegane Lebensweise ganz leicht fallen. Denn vegan zu leben bedeutet schließlich nicht, sich über Perfektionismus zu definieren. Es bedeutet, ganz nebenbei die Dinge zu verändern, die sich ohne größeren Aufwand verändern lassen. Nämlich die 95%, die sich im Alltag ganz bequem meistern lassen.


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Kommentare

Snadi
Kommentar #1 12.11.2017, 13:01 Uhr
Guten Tag. Mich würde sehr interessieren welcher Sojajoghurt Milchsäurekulturen enthält, die auf Kuhmilch kultiviert wurden. Schönen Sonntag noch.

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