Vegan werden: Mit diesen Tipps gelingt der Einstieg in die vegane Lebensweise.

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Ein Koch dekoriert eine Tomatensuppe
Vegan werden ist leichter als du denkst. Wir vermitteln die wichtigsten Tipps. Bild: Fotolia.com

Schön, dass du dir Gedanken machst, vegan zu werden! FĂŒr viele Menschen gilt die Umstellung zur veganen ErnĂ€hrung rĂŒckblickend zu den besten Entscheidungen ihres Lebens. Dennoch bedeutet die Umstellung auf eine vegane Lebensweise auch, eigene Gewohnheiten umzustellen.

Vielleicht bist du dir noch unsicher, ob dir eine vegane ErnĂ€hrung gut bekommt, ob vegane Lebensmittel ĂŒberhaupt schmecken und ob du dich als Veganer womöglich sozial ausgrenzt. Andererseits werden dir sicherlich schon viele GrĂŒnde fĂŒr die vegane Lebensweise bekannt sein.

Vegan leben Vegan werden - mit Gelassenheit und viel Genuss Bild: Warren Goldswain

Was bedeutet es, vegan zu leben?

Veganer essen viele abwechslungsreiche Lebensmittel - aber keine Tierprodukte. Zu den Tierprodukten gehören Fleisch, Milch, Eier, Leder, Wolle und Seide, aber auch Honig und Bienenwachs.


Tierprodukte werden manchmal auch in Lebensmitteln wie Saft, Kaugummi und Wein eingesetzt, oftmals auch als Hilfsstoff, der im Produkt spÀter nicht mehr enthalten ist (zum Beispiel Gelatine zur KlÀrung von Saft).

Der Gedanke, auf all diese Produkte in Zukunft zu „verzichten“ mag demotivierend sein. Doch denke daran, dass ein durchschnittlicher Haushalt wohl kaum mehr als 10 Gerichte regelmĂ€ĂŸig zubereitet: Pasta, Reis, Pizza und Co mit verschiedenen Soßen und in verschiedenen Varianten. Dabei werden insgesamt kaum mehr als 20 Grundzutaten verwendet. Wir haben nachgezĂ€hlt!

Erstellen dir doch einmal eine Liste mit den Gerichten, die du regelmĂ€ĂŸig verzehrst. Dadurch erhĂ€ltst du einen realistischen Überblick ĂŒber das, was ohnehin schon vegan ist – und was du durch andere Lebensmittel ersetzen kannst.

In Europa stehen ĂŒber 300 unverarbeitete Grundzutaten zur VerfĂŒgung, von denen im alltĂ€glichen Leben nur ein winziger Bruchteil tatsĂ€chlich verwendet wird (interaktive Übersicht). Von Verzicht kann angesichts dieser FĂŒlle an Lebensmitteln also keine Rede sein. Verzicht in der ErnĂ€hrung hat meistens seine Ursache in einem Mangel an Phantasie und KreativitĂ€t.

Veganismus ist keine Verpflichtung

Niemand zwingt dich, vegan zu werden. Entscheide dich aus gutem Gewissen (und guten GrĂŒnden) dazu und genieße die Vorteile einer gesunden ErnĂ€hrung.
Doch ĂŒbertreibe es nicht: Investiere 20% Energie um zu 80% vegan zu leben - nach dem Pareto-Prinzip. Gehe so weit, wie es dir Freude bereitet und lasse dir Zeit.


3 Wichtige Grundregeln fĂŒr den Einstieg in die vegane Lebensweise:

  • Nimm es ernst, aber nicht zu ernst.
    Vegan werden ist eine gute Entscheidung, die sich lohnt. Lasse dich deshalb nicht aus der Ruhe bringen. Auch wenn die Neugier groß ist und man manchmal am liebsten sofort alles ganz perfekt machen wĂŒrde, fĂŒhrt zu große Anstrengung schnell zu Frustration ("oh nein, war da jetzt doch ein Aroma mit Milch drin?"). Das ist es nicht wert. Also: Lasse dir Zeit und nimm die Entscheidung (ein bisschen) auf die leichte Schulter.
  • Vegan werden mit Genuss
    Begreife die Umstellung als Chance, sich einmal ganz bewusst mit der eigenen ErnĂ€hrung zu beschĂ€ftigen. Halte die Augen offen und probiere neue Lebensmittel aus, die du sonst vielleicht immer ĂŒbersehen hast. Schaue auf dem Markt oder im Bioladen einmal, welche Vielfalt an Obst, GemĂŒse und Getreide es gibt. Vergiss nicht Pilze, KrĂ€uter, GewĂŒrze und die vielen vielen weiteren Lebensmittel, die natĂŒrlich auch Veganern zur VerfĂŒgung stehen.
  • Bleibe in Kontakt
    Tausche dich mit Gleichgesinnten aus, die ebenfalls vegan werden oder schon lĂ€nger vegan leben. Suche neue Kontakte, z. B. im Vegan-Forum. Genieße die Gesellschaft mit anderen Gleichgesinnten. Und lass dich nicht irritieren, falls es im Umfeld mal ein paar dumme Kommentare gibt. Manche Menschen finden alles seltsam, was nicht intuitiv in ihr KĂ€stchendenken passt.
Viele gute GrĂŒnde fĂŒhren zur veganen Lebensweise. Bild: Fotolia.com

GrĂŒnde fĂŒr die vegane Lebensweise

Menschen werden aus den unterschiedlichsten GrĂŒnden vegan. Manche Menschen mögen kein Fleisch und haben eine Laktose-Intoleranz. Andere lehnen die Nutzung und Tötung von Tieren ab. Auch die ökologischen Auswirkungen der Produktion tierischer Produkte fĂŒhrt oft zur Entscheidung, sich vegan zu ernĂ€hren. Meist sind es mehrere gute GrĂŒnde, die Menschen motivieren, vegan zu werden.

Veganer werden – gesund leben

Die ErnÀhrung hat einen wichtigen, oft unterschÀtzten Einfluss auf Gesundheit und Wohlbefinden. WÀhrend der Verzehr von Fleisch nach dem Krieg als Luxus-Lebensmittel galt und auch Kinder hÀufig zum Fleischverzehr gedrÀngt wurden, finden ErnÀhrungswissenschaftler heute immer mehr Hinweise, die gegen den Verzehr von Fleisch sprechen. Sogar die WHO warnt vor dem Verzehr von rotem und stark verarbeitetem Fleisch, wegen der Krebsrisiken.


Wurst gilt in Branchenkreisen als "Zigarette der Zukunft". Der hĂ€ufige Verzehr von rotem und verarbeitetem Fleisch kann Studien zufolge zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes Typ 2, Übergewicht und sogar Darmkrebs beitragen.

Auch Prof. Dr. med. Andreas Michalsen sprach sich im Interview mit Vegpool fĂŒr eine gesunde, vegane ErnĂ€hrung aus:

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Auch der Milchkonsum steht immer wieder in der Kritik. Zwar enthÀlt Milch hohe Mengen an Calcium, allerdings auch langkettige ("gesÀttigte"), tierische Fette, die man am besten ganz meiden sollte.


Neue Erkenntnisse aus der Wissenschaft deuten zudem darauf hin, dass Milch die Entstehung von Dickdarmkrebs fördert und auch in Verbindung mit Katarakten ("grauer Star"), rheumatoider Arthritis und Hauterkrankungen wie Akne stehen kann.

Eine andere Variante eines "Saugentwöhners" beim KÀlbchen
KĂ€lbchen tragen diesen Ring, damit sie nicht die Milch ihrer Mutter trinken - die soll schließlich verkauft werden. Bild: K/Vegpool

Vegan werden und Tiere schĂŒtzen

Der Umgang mit so genannten Nutztieren ist fĂŒr viele Menschen – nicht nur fĂŒr Veganer! – inakzeptabel. Tiere in dunklen StĂ€llen auf Gitterböden einzusperren, ihnen Sonnenlicht, natĂŒrliches Futter und artgemĂ€ĂŸes Verhaltensweisen zu verwehren, widerspricht oft dem eigenen Anspruch an Gerechtigkeit und Fairness, zumal lĂ€ngst klar ist, dass eine ErnĂ€hrung ohne Fleisch gesund und schmackhaft sein kann.


Die meisten Menschen verdrĂ€ngen dieses unangenehme Thema (es ist ja nicht so, dass Fleischesser TierquĂ€lerei gut fĂ€nden). Sie kaufen "anonyme", verpackte Tierprodukte und blenden aus, was sie damit wirklich unterstĂŒtzen.

Undercover-Aufnahmen zeigen immer wieder, dass sich trotz Protesten auch ĂŒber Jahrzehnte hinweg wenig gebessert hat. Der Strafrechtler Prof. Dr. BĂŒlte sprach im Interview mit Vegpool von einem "Vollzugs-Defizit" in Deutschland. TierquĂ€lerei bleibt viel zu oft straffrei. Als wĂŒrden Gesetze fĂŒr Tierhalter nicht gelten.

Die vegane Lebensweise ist das effektivste Mittel gegen TierquÀlerei. Denn als Veganer investierst du dein Geld in vegane Produkte.

Die Vorteile einer veganen Lebensweise fĂŒr "Nutztiere" sind noch viel umfassender. Daher hier stichwortartig einige weitere Beispiele:

Vegan werden - fĂŒr Umwelt und Klima. Bild: pixabay.com

Vegan leben und die Umwelt schonen

Die Aufzucht von so genannten Nutztieren verschlingt Unmengen an Futtermitteln, fĂŒr deren Anbau riesige LandflĂ€chen benötigt werden. Der Anbau von Futtermitteln ist ein wesentlicher Grund fĂŒr die Rodung von UrwĂ€ldern. Die Tiere wandeln den grĂ¶ĂŸten Teil des Futters zu GĂŒlle um.

Soja wird ĂŒbrigens zu ca. 95% als Futtermittel verwendet. Nur ca. 2,5% werden als Lebensmittel genutzt. Mehr dazu.

In Deutschland mĂŒssen Produkte gekennzeichnet werden, die aus gentechnisch verĂ€nderten Organismen hergestellt wurden. Nicht gekennzeichnet werden mĂŒssen aber Produkte von Tieren, die mit gentechnisch verĂ€nderten Futtermitteln gefĂŒttert wurden!

Da fĂŒr Tierprodukte große Mengen Futtermittel eingesetzt werden – ca. das 10-fache dessen, was man „direkt“ verzehren wĂŒrde – öffnet die Tier-Industrie der „grĂŒnen Gentechnik“ TĂŒr und Tor. Gentechnik und Tierprodukte.

Weitere GrĂŒnde, aus denen vegan werden die Umwelt schĂŒtzt:

  • Weil ohne industrielle Tierhaltung weniger FlĂ€chen fĂŒr den Anbau der Futtermittel benötigt werden.
  • Weil die direkte Verwendung von AnbauflĂ€chen fĂŒr Lebensmittel viel effektiver ist (und weniger DĂŒnge- und Pflanzenschutzmittel benötigt werden).
  • Weil die Tierhaltung zu den wichtigsten Ursachen fĂŒr die Klimakrise zĂ€hlt.
  • Weil die Erzeugung von einem Liter Kuhmilch dem Klima Ă€hnlich schadet wie ein Liter brennendes Benzin.
  • Weil pflanzliche Fleischalternativen am umweltfreundlichsten sind - sagt das Umweltbundesamt.
  • Weil die Überlastung der Böden durch die Entsorgung der GĂŒlle entfĂ€llt (Stichwort: Nitrat).
  • ...


Vegan werden leicht gemacht

Vegan zu leben bedeutet, sich bewusst mit seiner Lebensweise auseinanderzusetzen und Entscheidungen zu treffen. Nach einer gewissen Umgewöhnung wird sich das Vegan-Sein ganz normal anfĂŒhlen. Man findet neue Lieblingsgerichte, lernt neue Zutaten kennen und entdeckt oftmals auch die Freude am Zubereiten, Kochen und Backen.

Gleichgesinnte finden – mit Freude vegan werden

Die Vorteile der veganen ErnÀhrung werden immer bekannter und immer mehr Menschen entscheiden sich, vegan zu leben. Es ist teilweise gar die Rede von einem Vegan-Boom. Dennoch stellen Veganer in der Gesellschaft noch eine Minderheit dar.

Sicher ist es möglich, „ganz allein“ vegan zu werden, doch mehr Freude macht der Austausch.

Gerade in der Anfangszeit ist es deshalb hilfreich, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, insbesondere, falls von Familie und Partner keine UnterstĂŒtzung zu erwarten ist (Vegan in der Partnerschaft). Dies kann online in Foren geschehen, oder auch durch Teilnahme an Vegan-Stammtischen, an Kochkursen, VortrĂ€gen und Freizeiten und veganen Reisegruppen.

Was ist deine vegane Haupt-Motivation?
Gesundheit
Umweltschutz
Tierschutz / Ethik
Sonstige

Wie ĂŒberall gibt es auch unter Veganern die unterschiedlichsten Menschen und AnlĂ€sse... von schicken Gourmet-Abenden bis hin zur politischen VolkskĂŒche mit Kartoffeln vom Acker eines befreundeten Bauern.
Suche dir das soziale Umfeld, in dem du dich wohl fĂŒhlst!

Sieht aus wie Fleisch: Grillteller mit Seitan
Vegan werden schmeckt dem Gewissen (hier veganer Seitan)! Bild: Fotolia.com

Vegane Alternativprodukte: Ganz normal, aber vegan

Wer gerne Tierprodukte verzehrt hat, aber die ökologischen und ethischen Vorteile einer veganen ErnÀhrung nutzen möchte, kann vegane Alternativprodukte nutzen.

In immer mehr SupermĂ€rkten und Discountern – und natĂŒrlich im Biomarkt – findet man eine wachsende Auswahl an Schnitzeln, Aufschnitt und Bolognese auf rein pflanzlicher Basis. Diese Produkte schmecken oft so authentisch, dass man keinen Unterschied zu herkömmlichen Produkten bemerkt. Das ist ökologischer, tierfreundlicher und oft auch gesĂŒnder. Mehr dazu: Warum machen Veganer Tierprodukte nach?

Alternativprodukte können den Umstieg auf eine vegane ErnĂ€hrung erleichtern, da so die ErnĂ€hrungsgewohnheiten großteils beibehalten werden können. Allerdings kann es durchaus Spaß machen, ganz eigenstĂ€ndige, vegane Gerichte zu kreieren, statt auf „Nachgemachtes“ zu setzen. Eine FĂŒlle an veganen Rezepten und Anregungen findet man im Internet (z. B. in veganen Blogs) und in zahlreichen veganen KochbĂŒchern.

Interessante, bewertete Produkte findest du auch in der Produktvorstellung.

Vegan leben: Chance und Bereicherung

Begreife die Umstellung auf eine vegane Lebensweise als Chance und Bereicherung. Sicherlich wirst du in den ersten Tagen noch das ein oder andere Tierprodukt vermissen. Niemand verbietet es dir!

Doch je mehr du dich auf die vegane Lebensweise einlĂ€sst, je mehr du ausprobierst und Kontakt zu Gleichgesinnten aufnimmst, desto leichter wird es dir fallen, neue Lieblingsspeisen zu finden und die Vorteile der veganen ErnĂ€hrung zu genießen.

Tipps und praktische UnterstĂŒtzung rund ums Vegan werden erhĂ€ltst du auch in unserem freundlichen Vegan-Forum auf Vegpool.

Update vom 12.9.2020: Wir haben den Artikel ĂŒberarbeitet, aktualisiert und erweitert.

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Autor: Kilian Dreißig

4,3/5 Sterne (166 Bew.)

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Schlagworte: Vegan-Einstieg Veganismus Tipps fĂŒr die Praxis GrĂŒnde HintergrĂŒnde


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