Energie

Strom: Welcher Anbieter liefert echten, veganen Ökostrom?


Unser Lebensstil hat auf viele verschiedene Weisen Einfluss auf die Umwelt, auf das Klima und letztendlich auch auf die Lebensqualität unserer und nachkommender Generationen. Natürlich spielt hier auch unser Energieverbrauch eine wichtige Rolle. Viele Menschen entscheiden sich daher für einen Anbieter von Ökostrom. Sie wollen ihren „ökologischen Fußabdruck“ verringern und nachhaltiger leben.
Auch bei Ökostrom kommt – rein physikalisch – der selbe Strom aus der Steckdose wie bisher, doch „echte“ Ökostrom-Anbieter investieren in umweltfreundliche Kraftwerke statt in Braunkohle, Atomkraft und Co. Echte Ökostrom-Anbieter machen eine umweltfreundliche Energieversorgung erst zukunftsfähig.

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Leider ist „Ökostrom“ kein geschützter Begriff, daher werben auch Unternehmen damit, die eigentlich gar nicht ökologisch oder nachhaltig wirtschaften. „Grüne“ Namen und ökologisch anmutende Slogans versprechen daher oft mehr als sie halten. Greenwashing spielt gerade im Bereich der Stromanbieter eine große Rolle – besonders Stromanbieter verstecken sich gern in einem grünen Mäntelchen!

Vorsicht: Greenwashing bei Ökostrom-Anbietern

Oft handelt es sich um Anbieter, die mit Konzernen verbunden sind, die wiederum auf Atom- und Kohlekraft setzen. Klimawandel und Atom-Katastrophen wie in Fukushima oder Tschernobyl haben bereits deutlich gezeigt, welche Gefahren von Kohle- und Atomkraftwerken ausgehen. Oft setzen nicht-ökologische „Ökostrom-Anbieter“ auch auf Zertifikathandel, durch den sie ihren Strom „sauber rechnen“. Wer also einen echten Ökostrom-Anbieter sucht, der sollte es gleich richtig machen und einen Anbieter wählen, der wirklich ökologisch wirtschaftet.

  • Anbieter, die nur Energie aus ökologischen Anlagen wie Wind- und Wasserkraft oder Sonnenenergie beziehen und vermarkten
  • Anbieter, die in neue und umweltfreundliche Anlagen investieren
  • Anbieter, die wirtschaftlich nicht mit Kohle- und Atomenergie in Verbindung stehen
  • Anbieter die ihren Strom komplett vegan (also ohne Gülle und Co) produzieren

Welcher Ökostrom-Anbieter kommt für Veganer in Frage?

Unter den zahlreichen „Ökostrom-Anbietern“ auf dem deutschen Markt hat die Umweltschutzorganisation „Robin Wood“ sechs Anbieter ausgewählt, die nach ihrer Einschätzung wirklich ökologisch arbeiten. Vier davon können bundesweit Ökostrom liefern. Die Kriterien, die Robin Wood zur Auswahl definiert hat, können direkt im Rechercheblatt (PDF) eingesehen werden.

Beziehen Sie Ökostrom?
Ja
Nein

Laut Robin Wood ist es wichtig, dass die Anbieter keine (oder nur minimale) wirtschaftliche Verbindungen zu Kohle- bzw. Atom-Konzernen haben und dass sie regenerative Anlagen zur Ökostrom-Produktion fördern. Was hierbei unberücksichtigt bleibt, ist die Nutzung von Tierprodukten zur Stromerzeugung.


Nicht jeder „Ökostrom“ ist vegan.
Bild: Kyle Rush (bearb.), CC-BY

Bei der Erzeugung von Strom werden teilweise auch Biomasse-Anlagen verwendet, bei denen organische Materialien fermentiert werden. Dabei entsteht Gas, das zum Beispiel in Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) zur Stromerzeugung genutzt werden kann. Leider gehören zu den „organischen Materialien“ auch Tierprodukte wie Gülle oder Lebensmittelabfälle. Die Erzeugung von Tierprodukten ist aber keinesfalls ökologisch und damit keine ökologische Energiequelle.

Tierprodukte im Ökostrom?

Die „Verstromung“ von Tierprodukten macht die Tierhaltung wirtschaftlicher und fördert diese daher. Aus diesem Grund empfehlen wir Veganern, keinen Strom von Anbietern zu verwenden, die bei der Stromerzeugung Gülle einsetzen. Wir haben bei den sechs Anbietern angefragt, die „Robin Wood“ in seiner Recherche empfiehlt. Die Rückmeldungen haben wir (teilweise auszugsweise) unten zusammengefasst.

Wir haben bei den sechs Ökostrom-Anbietern angefragt,

  • Elektrizitätswerke Schönau (EWS) Nach Informationen auf der Website stammte der Strom 2015 zu 100% aus Wasserkraft.
    Netzkauf EWS eG. (Stand: 24.11.2015)
  • Greenpeace Energy „Unser Strom stammt ausschließlich aus Wasserkraftwerken und Windenergieanlagen in Österreich und Deutschland und unterliegt selbstverständlich den strengen Kriterien der Umweltschutzorganisation Greenpeace.“
    Greenpeace Energy eG, Quelle: Website. (Stand: 25.11.2015)
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  • Lichtblick
    Bild: Lichtblick SE
    „LichtBlick-Strom stammt zu 100 Prozent aus 21 bayerischen Wasserkraftwerken. Tierprodukte kommen hier nicht zum Einsatz. Dass LichtBlick-Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energie in Deutschland stammt und bei der Produktion keine klimaschädlichen CO2-Emissionen entstehen, lassen wir jährlich vom TÜV SÜD überprüfen und zertifizieren.[...] Das Biogas wird derzeit in zwei sächsischen Biogasanlagen produziert. Hier werden zu 81 Prozent Grünabfälle und -reststoffe, zu 18 Prozent nachwachsende Rohstoffe wie Getreide und Mais und zu 2 Prozent Gülle verwendet.“
    (Katinka Königstein, Lichtblick SE. Stand: 19.11.2015)
  • Mann Energie
    Bild: MANN Naturenergie GmbH & Co. KG
    Noch keine Information
    MANN Naturenergie GmbH & Co. KG
  • Naturstrom
    Bild: Naturstrom AG
    „Wir beziehen den Strom für unsere Kunden aus Wasserkraftwerken in Deutschland sowie ergänzend aus dezentralen Windenergieanlagen.[...]“
    (Dr. Tim Loppe, Pressesprecher Naturstrom AG, Stand: 18.11.2015)
  • Polarstern Energie
    Bild: Polarstern GmbH
    „Polarstern bietet in ganz Deutschland ausschließlich 100 Prozent Ökostrom aus Laufwasserkraft in Bayern sowie 100 Prozent Ökogas aus organischen Reststoffen. Für die Erzeugung unseres Ökogases werden Zuckerrübenschnitzel verwendet, die bei der Zuckerproduktion als Abfall anfallen. Es kommen folglich weder bei unserem Wirklich Ökostromprodukt noch bei unserem Wirklich Ökogasprodukt tierische Produkte zum Einsatz. Darauf legen wir wert.“
    (Anna Zipse, Pressestelle Polarstern GmbH, Website. Stand: 18.11.2015)
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Einige Ökostrom-Anbieter wie die Energiewerke Schönau (EWS) oder Greenpeace Energie sind eingetragene Genossenschaften (eG). Das bedeutet, dass sie ihren Mitgliedern gehören.

Ökostrom meistens vegan, Ökogas nicht immer vegan!

Die meisten Ökostrom-Anbieter bieten heute auch Ökogas an. Ökogas soll eine umweltfreundliche(re) Alternative zu Erdgas sein. Einige Anbieter setzen bewusst auf rein pflanzliche Biomasse zur Erzeugung des Biogases, andere nutzen hier aber durchaus auch Tierprodukte. Wir empfehlen, sich vor Vertragsabschluss beim Anbieter zu erkundigen, ob das Ökogas wirklich aus ökologischen Quellen kommt. Am einfachsten ist es, Strom und Gas von einem Hersteller zu beziehen, der komplett vegan produziert.

Die Greenpeace Energy eG bietet komplett veganes Ökogas aus Wasserstoff an („Windgas“). Der Wasserstoff wird mithilfe von Strom aus Windkraft erzeugt und ins Gasnetz eingespeist. Mehr Infos hier.

Sonnenenergie ist fast unbegrenzt verfügbar
Sonnenenergie ist fast unbegrenzt verfügbar
Bild: Thomas Kohler, flickr.com (bearb.), CC-BY

Ist Ökostrom teurer?

Für ökologische Stromerzeugung zahlt der Verbraucher derzeit kaum mehr Geld als für konventionelle Stromerzeugung. Die Preisunterschiede liegen oft bei weniger als 10 Euro im Monat für einen Zwei-Personen-Haushalt. Gleichzeitig sollten sich Verbraucher darüber bewusst sein, dass die wahren Kosten der Erzeugung von Atom- und Kohlestrom deutlich höher sind, als es die Preise auf der Stromrechnung erahnen lassen (Gesundheitsgefahren, Klimawandel und alle damit verbundenen Kosten und Risiken). Viele dieser Gefahren lassen sich mit Geld nicht beseitigen. Aus dem Grund ist es umso wichtiger, einen ökologischen Stromanbieter zu wählen!

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Ist der Wechsel zu einem anderen Stromanbieter kompliziert?

Der Wechsel zu einem Anbieter von echtem Ökostrom ist normalerweise völlig unkompliziert und nur eine Formalität. In der Regel unterstützen die (zukünftigen) Anbieter einen auch beim Umstieg – das ist ja schließlich in ihrem Interesse. Meist müssen Sie nur den neuen Stromvertrag ausfüllen und dem alten Anbieter fristgerecht kündigen. Die bisherigen Verbrauchswerte können Sie den bisherigen Stromrechnungen entnehmen. Die Nummer des Stromzählers finden Sie am Gerät oder ebenfalls in der Stromrechnung. Bei Fragen wenden Sie sich einfach an ihren (neuen) Ökostrom-Anbieter.

Sind Ökostrom-Anbieter zuverlässig?

Auch wenn Sie zu einem Ökostrom-Anbieter wechseln, bleibt der Strom derselbe. Sie bezahlen aber zukünftig an einen Anbieter, der ökologische Energiegewinnung fördert und entsprechende Energie ins Netz speist. Die Stromversorgung ist also genauso sicher wie zuvor. Nur wohl etwas sicherer für Gesundheit und Umwelt.


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