Sind Veganer wirklich eine "urbane Elite"?

Veröffentlichung:
Sport und gesunde Ernährung halten fit.Veganer sind keine "urbane Elite". Das Klischee wird von Agrar-Verbänden verbreitet.
Bild: Halfpoint - Fotolia.com


Gehören Veganer wirklich einer "urbanen Elite" an, wie das gelegentlich postuliert wird? Oder dient das Schlagwort "Elite" womöglich als Schimpfwort dafür, populistische Menschenhasser gegen Veganer aufzustacheln, vergleichbar mit dem Begriff "Gutmensch"?

Der Begriff "Elite" bezeichnet eine Gruppe ausgewählter Menschen. Die Auswahl kann anhand von tatsächlichen Kompetenzen, aber auch nach Abstammung und Erbe erfolgen. Die Zugehörigkeit zu einer Elite ist mitunter rein subjektiv.

Veganer: Das Gegenteil von Elite

Veganismus beruht auf einer Lebensphilosophie, die in unterschiedlicher Konsequenz ausgelebt wird. Jeder kann vegan leben. Es bedarf keiner Zugehörigkeit zu einer Gruppe. Es gibt auch keine Aufnahmeprüfung oder eine andere Form von Abgrenzung gegenüber anderen Menschen. Niemand hat ein Patent darauf, vegan zu leben.

Die meisten Veganer möchten Tiere nicht unnötig quälen lassen. Sie möchten die Umwelt und natürliche Rohstoffe nicht über Gebühr belasten. Oder sie essen vegan, um die eigene Gesundheit zu schonen. Das ist ihr gutes Recht. Das dürfen sie.

Eines haben die meisten Veganer gemein: Sie haben vormals ebenfalls Tierprodukte gegessen. Die meisten Veganer sind ehemalige Fleischesser.

Für alle drei Motivationen gibt es gute Argumente, die man angesichts der Nachrichtenlage nur schwer ausblenden kann:

Diese Tatsachen werden nicht einfach so verschwinden. Viele Veganer (aber längst nicht alle) richten ihr Handeln an diesen Tatsachen aus. Und doch sind sie nicht die Erfinder der Botschaft, sondern allenfalls die Überbringer. Wenn überhaupt.


In Deutschland leben Menschen aller Couleur vegan. Eine starke, übergreifende Vernetzung gibt es nicht.

Eine pauschale Zuordnung von Veganern zu jeder Form einer elitären Gruppe macht daher von vornherein keinen Sinn. Sie folgt womöglich einer ganz anderen Motivation.

Die Angst der Industrie-Bauern vor der Veränderung

Statt sich auf eine neue Situation einzulassen und zukunftsfähige Wege zu finden, klammern sich manche Unternehmer in Deutschland krampfhaft an das Gewohnte. Darunter jene Industrie-Bauern, die aus Steuergeldern massiv subventioniert, eine zerstörerische Landwirtschaft betreiben. Sie werden vertreten von den Bauernverbänden, die etwa dieselbe politische Macht haben, wie die Automobilindustrie in Deutschland. Kleine, bäuerliche Betriebe werden dort kaum berücksichtigt.

Besonders jene Agrar-Industriellen haben ein großes Interesse daran, Veganer als nicht ernstzunehmende (oder sogar bedrohliche) "Elite" darzustellen.


Hier geht es nicht um die lobenswerte Form, sich durch persönlichen Einsatz einen Platz in einer Elite ergattert zu haben. Nein, die Zuordnung zu einer angeblichen Elite erfolgt eher herabblickend und naserümpfend. Als hätten Veganer ihre Lebensweise geerbt oder seien davon wie mit einer Krankheit infiziert worden.

Was soll denn sonst der Begriff "urbane Elite" vermitteln, wenn nicht das: Bildungsbürger, die in einem Glaspalast fernab der realen Welt leben. Es ist das alte Klischee vom städtischen Veganer, der keine Ahnung von Landwirtschaft hat.

Ablenkungsmanöver der Agrar-Verbände

Agrar-Funktionäre, die Veganer als "Eliten" bezeichnen, möchten von Dingen wie diesen ablenken:

  • Dass sie Tiere massiv und systematisch quälen und töten. Ein Skandal reiht sich an den nächsten. Seit Jahrzehnten. Für viele Verbraucher ist vegane Ernährung der einzig konsequente Ausweg, um den Tierquälern einen Strich durch die Rechnung zu machen.
  • Die Belastung des Grundwassers mit Gülle, deren Kosten die Allgemeinheit zu tragen hat.
  • Den Einfluss der Tierhaltung auf die Klimakatastrophe (größer als der gesamte Verkehrssektor).
  • Den Einfluss von Tierprodukten auf die Entstehung von Krankheiten wie Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck und bestimmten Krebsarten.
  • ...

Jene Agrar-Profiteure, die aus Steuergeldern so massiv subventioniert werden, dass sie jedes dritte Schwein in Deutschland praktisch für den Müll produzieren können (wirtschaftlich lohnt es sich offenbar trotzdem) bezeichnen Veganer als "Elite", um sie der pöbelnden, populistischen Meute unserer Zeit zum Fraß vorzuwerfen. Das ist absurd.

Pauschale Brandmarkung von Veganern als "Elite"

Kaum etwas erhärtet das Herz zeitgenössischer Menschenhasser so sehr wie "die Eliten". Wenn ein Agrar-Funktionär in einer Talkshow alle Veganer einer "urbanen Elite" zuordnet, dann stachelt er gezielt jene Menschenhasser an, die auch "Gutmensch" als Schimpfwort verwenden. Die sich mit selbstgerechter Empörung auf "die Veganer" als Hassobjekt einschießen - und sich jedem Argument verschließen.


Vorurteile in der Gesellschaft sorgen - trotz guter Bildungsmöglichkeiten - immer noch dafür, dass Veganer sozial ausgegrenzt werden. Besonders betroffen sind vegan lebende Menschen auf dem Land, fernab der Großstädte mit ihrer veganfreundlicheren Infrastruktur. Also dort, wo sich besonders viele Menschen gegen das Neue und Unbekannte "wehren". Besonders dort setzt die soziale Brandmarkung als "Elite" an.

Die Enttarnung der Agrar-Propaganda

Statt Veganer willkürlich einer populistischen "Elite" beizuordnen, sollte sich unsere Gesellschaft (auch die Presse) verstärkt mit den tatsächlichen Gefahren einer entzügelten Agrar-Industrie beschäftigen - und nachhaltige, zukunftsfähige Wege zur Debatte stellen und diskutieren.

Journalisten sollten inhaltsleeren Zuschreibungen wie "urbane Eliten" kritisch hinterfragen - und in ihren Artikeln auch auf die PR-Strategien der Agrar-Verbände eingehen. Es geht schließlich darum, gemeinsam eine lebenswerte Zukunft zu schaffen.


Veganer sollten sich von Agrar-Lobbyisten nicht aus der Ruhe bringen lassen. Denn Argumente sind stärker als jede populistische Stimmungsmache der Agrar-Verbände. Und auch dem letzten Populisten wird irgendwann auffallen, wem er auf den Leim geht.

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