Klärung & Schönung

Wein ohne Gelatine – Interview mit einem Winzer


Christian Weiss ist Winzer und bewirtschaftet zusammen mit seinem Bruder das Weingut Weiss im Österreichischen Burgenland. Seit 2012 wird der Wein dort ohne den – sonst weit verbreiteten – Einsatz von Gelatine geschönt.
Im Interview erklärt er, wie das bei den Kunden ankommt.


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Vegpool: Guten Tag Herr Weiss, Sie bewirtschaften Ihr Weingut nun schon in der 6. Generation – eigentlich ja ein recht traditioneller Beruf. Dennoch haben Sie viel verändert: Ihr Weingut ist bio-zertifiziert und seit 2012 sind Ihre Weine vegan.
Was kann an Wein denn unvegan sein?

Christian Weiss: Im Normalfall eigentlich nichts – reiner Traubensaft wird zu Wein vergoren. Jedoch werden in der Produktion verschiedene Schönungsmittel wie Hausenblase oder tierische Gelatine verwendet.

Vegpool: Warum wird Gelatine bei Wein zur Schönung verwendet?

Christian Weiss: Für die Korrektur von zu viel Gerbstoffen, damit der Wein gefälliger, runder schmeckt und einen besseren Trinkfluss erhält.
Bis jetzt hat es eigentlich keine anderen Behandlungsmittel bei uns am Markt gegeben, darum wurde auf diese „alten“ Schönungsmittel zurückgegriffen.

Vegpool: Warum haben Sie sich gegen die Schönung mit Gelatine entschieden?

Christian Weiss: Wenn man gute Kellerarbeit macht und schon im Vorfeld bei der Verarbeitung darauf achtet, dass ein Zuviel an Gerbstoffen gar nicht in den Most bzw. Wein gelangt, dann muss eine nachträgliche Gerbstoffkorrektur nicht notwendig sein. Der Wein wird dann auch im Normalfall fülliger schmecken.

Vegpool: Wie klären Sie Ihren Wein heute?

Christian Weiss: Nicht allein zur Klärung sind die tierischen Schönungsmittel notwendig – auch zur Korrektur von Gerbstoffen. Die Klärung passiert von ganz allein, wenn man dem Wein genug Zeit lässt. Eine anschließende Filtration ist bei unseren Weinen sowieso Standard.

Für die Gerbstoffkorrektur kann man zum Einen die Mostoxidation einsetzen, da werden Gerbstoffe mit Hilfe von Sauerstoff ausgefällt. Zum Anderen verwenden wir ein Schönungsmittel, das aus Erbsenprotein hergestellt wird und die gleiche Funktion im Most erfüllt. Falls das überhaupt notwendig ist.
Warum soll ich in ein pflanzliches Produkt ein tierisches Produkt dazugeben, wenn es doch auch ein pflanzliches Produkt gibt, das nebenbei auch noch besser riecht.

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Vegpool: Ist dieses Verfahren wirtschaftlich?

Christian Weiss: Dieses Verfahren ist zwar ein wenig teurer als die herkömmlichen Mittel, aber wenn der Nutzen die Kosten übersteigt und wir selber so unsere Weine lieber trinken, dann stellt sich für uns diese Frage erst gar nicht.

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Vegpool: Sind die Kunden bereit, ggf. mehr für eine gelatine-freie Schönung zu bezahlen?

Christian Weiss: Das habe ich soweit noch nicht überprüfen können. Aber wir haben unsere Flaschenpreise aufgrund dieser Umstellung nicht angehoben.
Wir bieten vegane Weine einfach als Zusatznutzen für unsere Kunden an. So wie wir auch als Zusatznutzen unsere „HISTA free Weine“, fructosearme und sorbitarme Weine im Sortiment haben.

Vegpool: Wie haben Ihre Kunden auf die gelatine-freie Schönung reagiert?

Christian Weiss: Dem „normalen Kunden“, der auch nicht vegane Weine trinkt, ist das ziemlich egal – solange der Wein an Qualität nicht verliert!
Menschen die vegan leben beziehen jetzt auch gerne unsere Weine und freuen sich über die gute Qualität.


Das Interview führte Kilian Dreißig.

Die Website des Weingut Weiss und dessen vegane Bio-Weine finden Sie unter weingut-weiss.at.

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