Wer hat Argumente für...

Erstellt 09.02.2016, 17:46 Uhr, von Bettina. Kategorie: Allgemein und Off-Topic. 12 Antworten.

Wer hat Argumente für...
09.02.2016, 17:46 Uhr
Hallo zusammen,

nach 20 Jahren Vegetarierin bin ich, weil es das einzig richtige ist, nun Vegan. Mittlerweile habe ich doch ganz gute Argumente und freue mich über jede Diskussion. Allerdings fehlen mir Argumente zum Konsum von Soja. Die kontern immer mit Genmanipulation. Kann mir jemand ein Tip geben, wie ich dies entkräften kann? Letzten sagte mir eine Kollegin: die Menschheit wäre nicht so weit entwickelt wenn sie nicht Fleisch gegessen hätten und das Essen von Fleisch, Milch und Eier hat doch einen Grund. Ich muss zugeben, ich war erstemal baff. Argumente dagegen?
Nun, jetzt bin ich mal auf eure Meinungen gespannt!

Bettina
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Hi,

was hältst Du davon? :star:

LG!
09.02.2016, 17:52 Uhr
Hallo Bettina,

herzlich willkommen erstmal hier im Forum. Also ich habe gelesen dass 90 % des Sojas für die Tiere eingesetzt werden, also als Futter. Nur 10% werden für die Sojalebensmittel verwendet. Und wenn Du die Sojaprodukte in Bioqualität kaufst kannst du sicher sein dass es nicht genmanipuliert ist.

LG Monique
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09.02.2016, 18:28 Uhr
Hallo und herzlich willkommen, Bettina

Also erstens konsumiert auch "der Veganer an sich" in der Regel nicht übermäßig viel Soja. Finde ich... Klar gibt es Soja mal, aber doch nicht täglich.
Zum Thema genmanipuliert hilft Dir dieser Artikel https://www.vegpool.de/wissen/gentechnik-tofu-sojaprodukte.html sicher weiter 8)

Und die Argumentation, dass wir als Spezies uns ohne Eier, Milch und Fleisch nicht so weit entwickelt hätten lässt sich m. M. nach damit aushebeln, dass es sicher Zeiten gab, in denen man eventuell schwer darauf verzichten konnte, es in der heutigen Zeit aber absolut nicht notwendig ist irgendwas vom Tier zu konsumieren, um sich vollwertig und gesund zu ernähren.
Wir brauchen es schlicht nicht.


Siehe hier: https://www.vegpool.de/magazin/10-irrtuemer-argumente-fleischesser.html


1x bearbeitet

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09.02.2016, 18:53 Uhr
Lieben Dank für eure Antworten!
Und wie sieht es mit der Herstellung der Soja Produkte aus? Angeblich sollen die sehr Chemisch sein und die Umwelt noch mehr belasten
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09.02.2016, 19:06 Uhr
Hallo Bettina,

herzlich willkommen hier im Forum!

Etwa 95% der weltweiten Soja wird als Futtermittel angebaut. Und in dem Fall dann oft auch auf riesigen Feldern, die sogar mit Flugzeugen bewirtschaftet werden, so groß sind sie.

Da aufgrund der Gentechnik kaum mehr gentech-freie Soja auf dem südarmerikanischen Markt erhältlich ist, setzen viele Lebensmittel-Hersteller inzwischen auf den Soja-Anbau in Europa. Das heißt: Viel Soja, die in Tofu, Sojamilch usw eingesetzt wird, stammt aus Europa.

Wer (konventionelle) Tierprodukte isst, isst nicht nur indirekt konventionelle Soja, sondern tut dies auch noch in riesigen Mengen, da Tierprodukte wahre Resourcen-Verschwender sind. Für Tierprodukte werden regelrecht Futtermittel "verbraten" (eben Soja, aber auch Getreide).

Auf den Flächen, auf denen Futtermittel angebaut werden, könnte man auch direkt Lebensmittel anbauen. Dabei könnte man ungefähr 10x mehr Menschen ernähre, denn die Tiere verstoffwechseln den größten Teil des Futters (--> Gülle, Wärme, Methangas, ...).

Falls Du Interesse hast: Ich suche noch Tester für ein Projekt, das sich an Vegan-Einsteiger richtet und ihnen den Einstieg erleichtern soll. Meld Dich gern per PN.

Viele Grüße

Kilian
1x bearbeitet

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09.02.2016, 19:07 Uhr
Äh.. welche Sojaprodukte meinst Du...?
Sojadrink? Das ist im Grund nur Sojabohne und Wasser. Sojabohnen einweichen, abgießen (nach xy-Stunden), im Mixer mit frischem Wasser pürieren, filtern -> Sojadrink

Oder Tofu? Das ist im Prinzip nur Quark aus Sojabohnen. Und wird wohl auch wie Quark produziert. Nur ohne Kuhmilch halt :angel:

In Chefkoch ist sogar ein Rezept zur Tofuherstellung. Für Sojadrink auch. Ist also weder Hexenwerk noch ist ein Chemiebaukasten nötig...
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09.02.2016, 19:41 Uhr
Hi Kilian,

Danke für die ausführlichen Informationen, die helfen mir weiter! :heart:
Ich bin mir nicht sicher, ob ich für dein Projekt in Frage komme. Habe schon ein wenig Erfahrung.


LG Bettina
1x bearbeitet

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09.02.2016, 21:16 Uhr
Hallo Bettina,

auf der Homepage vom Artgenossen bekommst du ein Gefühl für sehr schlüssige Argumentationen rund ums Thema Vegan:
http://der-artgenosse.de/

Bzgl. Fleisch hat uns intelligent gemacht:
Es ist einfach ein unsagbar dämliches Argumentandum und entberht jedem Argument. Eine Argumentation ohne Argument, auf Argumentanden basierend führen sich immer ad absurdum.

Falls du doch darauf einsteigen möchtest, hast du 2 Möglichkeiten -
1. Du Fragst nach dem Argument. Das Argumentandum ist in diesem Fall die Aussage, welche einfach ohne Begründung (Argument) in den Raum geworfen wurde.
Ein einfaches "interessant, dass du dir da so sicher bist, wo doch die evolutionsbiologischen Froschungen nicht den Fleischkonsum, sondern die soziale Kommunikationsstruktur als ausschlaggebendes Argument für die Entwicklung unseres Gehirns halten)

2. Du informierst dich fundiert (z.B. hier: https://www.youtube.com/watch?v=lFdk0oYlqpE) und entwickelst deine eigene Argumentation (und zwar mit einem was und einem warum) z.B. "Fleischkonsum hat in der Entwicklung des menschlichen Gehirns nur eine Untergeordnete Rolle gespielt (<- Argumentandum). (Argument -> ) Der Fleischkonsum diente ursprünglich dem Zweck der männlichen Profilierung vor der damaligen Damenwelt. Dieses Verhalten kann man ebenso bei mescnhenähnlichen Affenarten beobachten: Das Männchen erbeutet ein Kleintier und schenk es dem Weibchen zum Zwecke der Umwerbung.
Der Nahrungsaspekt des Fleisches darf auch nicht aus dem Kontext der Zeit ausgeschlossen werden, in der Nahrungsmittel, wie in heutiger Zeit, nicht ganzjährig zu 100% verfügbar waren. So wurde im Winter trotzdem nur ein Nahrungsmittelanteil von (teilweise deutlich) unter 40% durch tierische Produkte gedeckt. Die meiste Nahrung nahm der Mensch immernoch in Form von Pflanzen auf. In den letzten 80.000 Jahren gibt es Belege dafür, dass der Mensch vorwiegend stärkehaltige Lebensmittel anstatt Fleisch konsumiert hat..." (Textlimit erreicht, die Richtung sollte klar sein ;) )

In einem nicht Linearen Bezugssystem gibt es keine einzige unvierselle Kasualität -> Ein komplexes System und ein Entwicklungsprozess besteht immer aus ineinander verschachtelten Kausalitäten.

Man schaue sich
... nur einmal Ötzi an: Dieser hat überwigend Vegan gelebt.
... die durchtrainierten Gladiatoren der Römer an: Weizen bis zum Umfallen, keine Tierprodukte!
... die fernöstlichen Asiaten an, deren Grundnahrungsmittel seit über 10.000 Jahren Reis ist und welche erst anfangen "Zivilisationskrankheiten" zu zeigen, nachdem sie ihren Ernährungsstil auf den fleischlastigen westlichen Lebensstil geändert haben
... die Studien über Neandertaler an, welche nur (laut Haaranalysen) ~30% ihres Kalorienbedarfs mit Fleisch gedeckt haben. Und das mitten in der Eiszeit

Wer so einen unwissenschaftlichen Schwachsinn von sich gibt, hat sich noch nie mit dem Thema befasst und lallert nur die Parolen unseres über alles geschätzen Herr Udo Pollmer (*1954, verkannter deutscher Komödiant und Satiriker) herunter.


Bzgl. Soja:
Kilian hat da praktisch schon alles zu gesagt :)
Wenn sich ein Karnivor über die "chemische" Herstellung von Sojaprodukten brüskiert (der Vorgang ist übrigens mal mehr, mal weniger chemisch, jenachdem welche Qualität man kauft) sollte dieser auch lieber keine Wurst mehr essen ( ;) ):
http://www.deutschlandfunk.de/wurst-enthaelt-viele-zusatzstoffe-manche-sind-problematisch.697.de.html?dram:article_id=75927

Liebe Grüße,
Falk

13x bearbeitet

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09.02.2016, 21:50 Uhr
Hallo Falk,
was den Ötzi angeht, irrst du dich vermutlich leider. Er hatte zwar stark abgenutzte Zähne, was auf Getreidekonsum schließen lässt. Aaaber. In seinem Magen wurde Fleisch vom Steinbock gefunden, und aufgrund seiner Gallensteine wird vermutet, dass er viel Fleisch gegessen haben muss. Hab ich jetzt kurz mal auf Wikipedia geguckt, kannte ich aber schon aus anderen Quellen. Der Kerl war nicht mal Vegetarier. War zu seiner Zeit aber vermutlich wichtiger, überhaupt irgendwas zu Essen zu haben.
Ansonsten schreibst du immer sehr interessante Beiträge, und übrigens, du hast da was von Metal-Bandshirts geschrieben. Sieht man sich evtl. in Wacken? :green:
lg Nanny
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10.02.2016, 05:22 Uhr
Hallo Nannyo,

Zitat nannyo:In seinem Magen wurde Fleisch vom Steinbock gefunden, und aufgrund seiner Gallensteine wird vermutet, dass er viel Fleisch gegessen haben muss.

Prinzipiell hast du recht: Im Magen von Ötzi wurde Fleisch gefunden. Er ist ja wahrscheinlich auch auf der Jagd in die Gletscherspalte gefallen ;)

Aber: Während der Magen Aufschluss über die Nahrung der bis zu 2 vergangenen Tage gibt, hat die Haaranalyse ergeben, dass Ötzi überwiegend vegetarisch gelebt hat. (Quelle: The FASEB Journal, März 1999)
Anthropologe Stanley Ambrose von der Universität Illinois äußerte sich folgendermaßen zu der inkongruenz des Dickdarminhaltes von Ötzi und den Ergebnissen der Stick- und Kohlenstoffanalyse der Ötzi-Haare:
"Während die Haaranalyse etwas über die Nahrung des vergangenen Monats verrät, geben Spuren im Verdauungstrakt die Speisekarte der letzten Mahlzeiten wieder. Falls der Gletschermann wenig Fleisch aß, dann vermutlich nicht aus Überzeugung, sondern mangels Möglichkeit." (Quelle: http://www.spektrum.de/magazin/war-oetzi-vegetarier-wider-willen/827499)

Zitat nannyo:War zu seiner Zeit aber vermutlich wichtiger, überhaupt irgendwas zu Essen zu haben.

Genau! :) Das beste Argument für eine überwiegend vegetarische Lebensweise unserer Vorfahren ;)
Im Gegensatz zu den Erklärungen der Paläologen haben unsere Vorfahren eben nicht jeden Tag ein großes Mammut erlegt und wie Asterix und Obelix über einem gewaltigen Feuer gegrillt. Die Verfügbarkeit von Fleisch war begrenzt durch das Geschick der Jäger mit dem Speer und der Aufmerksamkeit der Beutetiere.
Wenn überhaupt, kann man davon ausgehen, dass es wöchentlich maximal 1-2 Hirsche o.ä. Mengen an Fleisch kleinerer Beutetiere auf den "Tisch" einer ganzen "Sippschaft" unserer Höhlenmenschlichen Vorfahren lagen. Die Jagd damals war auch kaum mit der heutigen vergleichbar:
Keine Hochsitze auf denen man dem Tier im Sitzen auflauern kann. Keine Schusswaffen (nicht einmal Bögen vor 16.055 ± 372 v. Chr!) mit denen man bequem aus "größerer" Entfernung das Wild erlegen konnte. Meist waren die Beutetiere auch schneller als die Menschen und konnten sie bereits vor betreten der "Wurfreichweite" bemerken und fliehen :)

Zitat nannyo:Sieht man sich evtl. in Wacken?

Bis vor wenigen jahren hätte ich ja gesagt. Mittlerweile fehlt mir leider die Zeit, um auf mehrere Festivals im Jahr zu gehen :(
Man sieht mich / uns jedoch jährlich auf dem MPS Speyer und / oder Bückeburg, sowie gelegentlich alle paar Jahre auf M'era Luna, sollte meine Partnerin mich wieder einmal mitschleppen :D
6x bearbeitet

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